Neues Gymnasiumzum Schuljahr 2028/2029
Moisling soll eine neue Schule bekommen – Kosten in Höhe von 1,9 Millionen Euro.

Die Astrid-Lindgren-Schule in Lübeck: Hier soll das neue Gymnasium gegründet werden.Foto: Agentur 54°
Lübeck. Als der Bereich Schule und Sport der Hansestadt im Februar die Pläne für ein achtes Gymnasium in Lübeck vorstellte, hoffte er noch auf einen Start im Schuljahr 2027/2028. Doch nun ist klar: Das Gymnasium in Moisling wird erst ein Jahr später an den Start gehen. Das geht aus der Beschlussvorlage für die Kommunalpolitik hervor. Vorausgesetzt, das Land genehmigt das Vorhaben. Und vorausgesetzt, dass die Bürgerschaftsfraktionen grünes Licht geben.

Diese haben in einer gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Schule und Sport und des Jugendhilfeausschusses erstmals über das Vorhaben beraten. Das Ergebnis stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

Schülerzahlen noch

viele Jahre hoch

Neubaugebiete, Zuzüge sowie Migration hätten dafür gesorgt, dass es immer mehr Schüler gebe. Laut Verwaltung zeigten Prognosen, dass dieser Trend im Grundschulbereich noch bis Ende der 2030er-Jahre anhalten und sich zeitversetzt in den weiterführenden Schulen bemerkbar machen werde. Die Gemeinschaftsschulen könnten diesen Anstieg bewältigen, die bestehenden Gymnasien nicht.

Dort ist es seit Jahren eng. Nun verschärft die Rückkehr zu G9 die Lage zusätzlich. „Schulrechtlich muss Eltern, die ihr Kind auf einem Gymnasium anmelden, ein Platz an einem Gymnasium zur Verfügung gestellt werden“, heißt es in der Vorlage. Sprich: Kinder mit Gymnasialempfehlung dürfen nicht an eine Gemeinschaftsschule verwiesen werden.

27 Kinder

pro Klasse

Die Klassenfrequenzen an Lübecks Gymnasien liegen laut Stadt durchschnittlich bei 27 Kindern. In der Spitze sind es 30. Eine Aufnahme von Schülern in bestehende Klassen ist aus Platzgründen unmöglich.

Die Stadt steuert bereits gegen. Für die Innenstadt-Gymnasien entsteht neuer Platz im früheren Karstadt-Haus B, das zum Bildungshaus umgebaut wird. In der Vorlage wird es „Kö54“ genannt. Das Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium soll künftig fünfzügig sein. Es mietet dafür das Gebäude der auslaufenden Otto-Mortzfeld-Schule an der Beethovenstraße an.

Die Gemeinschaftsschule Baltic-Schule ist aktuell die zu Moisling geografisch dichteste Schule mit Oberstufe. Sie nimmt laut Verwaltungspapier „in den unteren Klassen bis zu 17 Kinder pro Jahrgang aus Moisling auf und muss bereits Kinder ablehnen“.

Für eine in Lübeck immer wieder geforderte weitere Oberstufe in einer Gemeinschaftsschule sieht die Stadt keine Chance. Der Grund: In den drei bestehenden Gemeinschaftsschul-Oberstufen seien in jedem Jahr freie Plätze vorhanden. „Damit sind die Voraussetzungen für eine Genehmigung nicht gegeben.“

Entlastung für

die Baltic-Schule

Die geplante neue Schule in Moisling soll die anderen Gymnasien sowie die Baltic-Schule entlasten. Der Stadtteil verfügt über kein Gymnasium, obwohl er 11.200 Einwohner hat, von denen ein Fünftel unter 18 Jahre alt ist. Die Stadt sieht im Stadtteil ein Potenzial von über 50 Kindern pro Jahrgang. Hinzu kommen Kinder aus benachbarten Stadtteilen. Die Stadt erhofft sich, dass mit dem Gymnasium die Attraktivität von Moisling weiter steigt. Dort ist in den vergangenen Jahren viel investiert worden.

Geplant ist ein zweizügiger Aufbau in den Klassenstufen 5 bis 10. Für die Oberstufe denkt die Stadt an eine Kooperation mit der benachbarten Heinrich-Mann-Gemeinschaftsschule. „Das pädagogische Konzept soll unter anderem einen gebundenen Ganztag, selbstgesteuertes Lernen, die Stärkung praktischen Lernens sowie eine enge sozialräumliche Vernetzung im Stadtteil umfassen“, schreibt die Stadtverwaltung.

Förderschule

zieht um

Für das Gymnasium ist das Gebäude der Astrid-Lindgren-Schule am Brüder-Grimm-Ring vorgesehen. Das Förderzentrum soll künftig ohne eigene Klassen auskommen. Laut Schulentwicklungsplanung sollen Schüler mit Förderbedarf künftig im Normalfall an Regelschulen unterrichtet werden. Der verbleibende Raumbedarf könne laut Stadt am Standort der Alten Schule Moisling gedeckt werden.

Das Förderzentrum soll mit Schönheitsreparaturen aufgehübscht werden. Das Gebäudemanagement der Stadt werde noch in diesem Jahr eine technische Objektbewertung durchführen, „um eventuell bestehende Verkehrssicherheitseinschränkungen zu identifizieren und um diese im Rahmen der Bauunterhaltung abzustellen“, heißt es in der Beschlussvorlage.

1,9 Millionen Euro

eingeplant

Vorgesehen sind für die Aufhübschung 900.000 Euro. Hinzu kommen jeweils 500.000 Euro für die IT-Ausstattung sowie für die Einrichtung und Möblierung. Macht unterm Strich 1,9 Millionen Euro.

Keine Perspektive sieht die Stadt aktuell für ein Gymnasium in Travemünde. Auch dieser Stadtteil hat keines. Im Ostseebad gingen jedoch im Schnitt nur 77 Kinder pro Jahrgang zur Grundschule, rechnet die Stadt vor. Selbst wenn jedes zweite anschließend ein Gymnasium besuchte, wären 35 Schüler zu wenig für eine Neugründung. Zumal das Trave-Gymnasium im benachbarten Kücknitz ausreichend Kapazitäten habe. und HVS
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