Auf nach Kücknitz: Eine eigene Fähre für 550 Schafe
Herde des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer kehrt aus dem Winterquartier zurück.

Am Fähranleger auf dem Priwall wurde die Schafherde auf die Autofähre „Travemünde“ gelotst.Foto: Thomas Krohn
Travemünde. Auf dem Priwall und in Travemünde-Ivendorf dürfen Kraftfahrzeuge maximal 30 km/h schnell fahren. Nicht jeder Autofahrer hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Doch in der vergangenen Woche hatten Raser hier keine Möglichkeit, kräftig aufs Gaspedal zu drücken.

Zumindest diejenigen, die hinter der riesigen Schafherde fahren mussten. 550 Exemplare der wolligen Hornträger wurden von Mecklenburg bis Lübeck-Kücknitz getrieben – ein Ereignis, das so manche Spaziergänger an den Straßen zum Stehenbleiben und Staunen brachte.

Grund für den Auftrieb: Die Herde des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer (LPV) kehrte aus ihrem Winterquartier in Nordwestmecklenburg zurück. Auf einer Weide in Brook bei Klütz hatten sie die letzten Monate verbracht und das Gras kurzgehalten. LPV-Schäferin Eileen Linke standen ein zehnköpfiges Helferteam und fünf Hütehunde zur Seite, um die Tiere sicher über die Straßen und Wege zu geleiten.

Die erste Etappe führte die Herde bis an die Landesgrenze zu Schleswig-Holstein. Dort durften die Tiere auf einer Wiese übernachten, bevor es auf dem Priwall über die Mecklenburger Landstraße bis zum Fähranleger ging. Dort wartete bereits die Autofähre „Travemünde“, die der Verein eigens für den Törn über die Trave gechartert hatte. Insofern musste für jedes Schaf auch keine Einzelfahrkarte gelöst werden, was bei der hohen Zahl sicherlich eine längere Zeit gedauert hätte.

Um die Fähre nach dem Transport schnell wieder für den normalen Betrieb startklar zu machen, machte sich ein Putzteam mit Besen und Schaufel daran, das Deck des Schiffs vom Schafskot zu säubern. Von Travemünde aus trottete die Schafherde weiter über die Straße Auf dem Baggersand bis Ivendorf und von dort weiter nach Kücknitz. Um die Tiere zu schonen, wurden zwischendurch immer wieder kleine Pausen eingelegt.

Am Tierheim Lübeck angekommen, wurden sie auf eine Wiese gelotst, auf der sie drei Tage lang weiden durften, bevor sie im Anschluss zu ihrem angestammten Platz am Dummersdorfer Ufer geführt wurden.

Die 170 Lämmer, die Teil der Herde waren, hatten übrigens Glück, denn sie mussten den weiten Weg von Mecklenburg nach Lübeck nicht mitlaufen: Sie wurden vor dem Start eingefangen und auf einem Anhänger zum Ziel transportiert. und TKR
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