Wird das Karstadt Sports-Gebäude zum Wohnparadies?
Investor Procom will 30 Millionen investieren und wartet auf grünes Licht.

Mitten in Lübecks Innenstadt: Karstadt Sports in der Holstenstraße steht seit Herbst 2019 leer.Foto: Lutz Roeßler
Lübeck. Ist einer der größten Schandflecke der Lübecker Innenstadt bald Geschichte? In die Neugestaltung des ehemaligen Karstadt Sports-Gebäudes in der Holstenstraße kommt Bewegung. Investor Procom hat seinen Entwurf eines Wohn- und Geschäftsgebäudes dem Welterbe- und Gestaltungsbeirat vorgestellt.

Der Gestaltungsbeirat hat die Aufgabe, das Stadtbild zu verbessern und architektonische Fehlentwicklungen zu verhindern. Er hat eine beratende Funktion. Frühere Entscheidungen aber zeigen: Meist folgt die Stadtverwaltung den Empfehlungen des Beirates.

Zweimal war der Hamburger Investor Procom mit seinen Entwürfen zur Neugestaltung des früheren Karstadt Sports-Areals schon im Beirat vorstellig. Zweimal haben dem Fachgremium diese Entwürfe offenbar nicht einhundertprozentig zugesagt. Am Freitag, 13. März, folgte nun die dritte Verhandlungsrunde.

Und darum geht es: Procom will aus dem Komplex am Beginn der Holstenstraße ein kombiniertes Wohn- und Geschäftshaus machen. „Dafür wollen wir nur den oberen Teil des Bestandsgebäudes abbrechen, das Erd- und das Untergeschoss erhalten“, erklärt Procom-Geschäftsführer Dennis Barth.

Geplant sind kleine,

hochmoderne Wohnungen

An diese Stelle sollen Wohnungen rücken. „Wir wollen auf dem Erdgeschoss aufbauend innenstädtischen Wohnraum entwickeln“, sagt Barth. Der Investor spricht von kleinen, aber hochmodernen Wohnungen, die vor allem Studierende, Berufsstarter und Senioren ansprechen sollen.

Im Erdgeschoss, das nach Angaben von Barth auf eigenem Grund etwas weiter an die Holstenstraße heranrücken soll, entstehen wieder Gewerbeflächen. Büroräume soll es dort aber nicht geben. Dafür gebe es keinen Bedarf, weiß Procom. „Wir haben bei unseren Marktanalysen sehr hohe Bedarfe nach Wohnraum in der Innenstadt festgestellt.“ Jetzt gehe es noch darum, sich über die Architektur mit der Stadt zu einigen. Dafür sei man mit der Verwaltung nun schon ein Dreivierteljahr in der Abstimmung, sagt Barth.

Der Stadt geht das nicht schnell genug. Im LN-Interview hat Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau Ende Dezember erklärt, ihm fehle die Dynamik in der Entwicklung des Areals – und bauordnungsrechtlich Schritte gegen den Investor angedroht.

„Der Leerstand kostet

uns viel Geld“

„Der Stadt ist sehr daran gelegen, dass am Standort in nächster Zukunft eine Entwicklung stattfindet“, ergänzt Hansjörg Wittern, stellvertretender Pressesprecher der Hansestadt Lübeck. „Intention der Hansestadt Lübeck ist eine harmonische Integration des Baukörpers in das besondere städtebauliche Umfeld.“

„Auch wir wären gern schon fertig, der Leerstand kostet uns viel Geld“, kontert Investor Dennis Barth. „Ich brauche irgendwann das Go“, sagte Barth in der Sitzung des Gestaltungsbeirats am Freitagnachmittag, „die vielen Sitzungen kosten mich ein paar 100.000 Euro“. Barth verweist auf die enorme Kostenentwicklung in der Baubranche.

Das Projekt wurde bereits zum dritten Mal im Gestaltungsbeirat vorgestellt. Das Gremium aus Architektinnen und Stadtplanerinnen bezeichnete es als vorbildlich, dass Procom Teile des Gebäudes erhält und Wohnungen für Studierende plant. Auch dass die Baumasse bereits kräftig reduziert wurde, sei richtig.

Bei den von den Architekten Helmut Riemann und Joenne Hub vorgeschlagenen Dachformen verabschiedete sich der Beirat von Giebeln und entschied sich für ein durchgängiges, sogenanntes traufständiges Dach. Doch diverse Details sind noch nicht ausdiskutiert. Die Architekten und Procom müssen ein viertes Mal beim Beirat vorsprechen. und OP/DOR
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