Woran Lübecks Einwohner
am häufigsten sterben
Herzerkrankungen liegen auf Platz 1 – Krebs folgt direkt danach – Auch Demenz führt zum Tod.

Jedes Jahr sterben in Deutschland die meisten Menschen an den Folgen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Auch in Lübeck sind sie Todesursache Nummer eins.Foto: Lutz Roeßler
Lübeck. Sterben gehört zum Leben dazu – in Lübeck wie überall auch. Doch woran sterben die Lübecker am ehesten? Ist es eher der plötzliche, schnelle Tod oder geht eine lange Erkrankung dem Sterben voraus? Auskunft darüber gibt die Statistik des Lübecker Jahrbuches (2023-2025).

Herz und Gefäße: Tod aus der Mitte des Körpers

Die meisten Lübecker sterben – wie in ganz Deutschland – an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für 40,5 Prozent der Verstorbenen war eine Erkrankung des Kreislaufsystems ursächlich. Die meisten Verstorbenen sind dabei laut der Lübecker Statistik über 60 Jahre alt.

Damit liegt die Zahl deutlich höher als noch 2014. Die entsprechenden Angaben stammen aus dem Statistischen Jahrbuch 2015. Damals starben rund 34 Prozent der Verstorbenen an den Folgen einer Kreislauferkrankung. Lübeck entwickelt sich damit entgegen dem bundesweiten Trend: Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung gehen Herzerkrankungen in Deutschland zwar leicht zurück, bleiben jedoch weiterhin die häufigste Todesursache.

Die Erkrankungen werden nach der offiziellen ICD-10-Klassifikation eingeordnet. Unter dem Begriff „Krankheiten des Kreislaufsystems“ fallen demnach Herzinfarkt, koronare Herzkrankheiten, Herzschwäche, Schlaganfall sowie weitere Gefäßverschlüsse.

Gemein ist diesen Diagnosen laut medizinischer Definition, dass Blutgefäße durch Ablagerungen verengen (Arteriosklerose), der Blutdruck langfristig zu hoch ist oder das Herzmuskelgewebe vorgeschädigt wird, etwa durch Rauchen, Diabetes oder Bewegungsmangel. Typisch ist ein schleichender Verlauf über Jahre: Bluthochdruck bleibt oft unbemerkt, bis es zum akuten Ereignis kommt – dem Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Krebs: Wenn Zellen
unkontrolliert wachsen

Als zweithäufigste Todesursache stehen im Jahrbuch die „bösartigen Neubildungen“, also Krebserkrankungen. Betroffen sind 29,2 Prozent der Lübecker Toten (2014 waren es noch 28 Prozent). Gemeint sind Tumoren, deren Zellen unkontrolliert wachsen, umliegendes Gewebe zerstören und Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden können. Typische Krebsarten in den Statistiken sind Lungenkrebs, Darmkrebs, Brustkrebs, Prostatakrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Auch hier sind die meisten Verstorbenen über 60 Jahre alt.

Lungenkrebs ist eng mit Rauchen verbunden, kommt aber auch bei Nichtraucherinnen und Nichtrauchern vor. Darmkrebs entwickelt sich meist aus gutartigen Polypen, die sich über Jahre verändern – weshalb Vorsorgekoloskopien so wichtig sind. Brustkrebs tritt häufiger bei Frauen auf, Prostatakrebs bei Männern; beide profitieren stark von Früherkennung, ohne dass diese jede tödliche Entwicklung verhindern könnte.

Demenz, Psyche und
Nervensystem

„Psychische- und Verhaltensstörungen“ – insbesondere Demenzen – rücken seit einigen Jahren weiter nach vorn in der Todesursachenstatistik. 7,5 Prozent der Verstorbenen haben diese Diagnose auf ihrem Totenschein stehen. In der Statistik von 2015 wurden diese Erkrankungen noch nicht gesondert aufgeführt.

Gemeint sind mit „Psychische- und Verhaltensstörungen“ vor allem Alzheimer und andere Formen des fortschreitenden Gedächtnisverlustes. Dabei gehen Gehirnzellen zugrunde und das Denk-, Orientierungs- und Alltagsvermögen geht schrittweise verloren.

Lunge und Atmung: Wenn
jeder Atemzug schwerfällt

Auf den nächsten Rängen folgen in der Regel „Krankheiten des Atmungssystems“, etwa chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Asthma, Lungenentzündung und andere schwere Infektionen der Atemwege. Doch längst nicht so viele Lübecker sind davon so oft betroffen wie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. 7,4 Prozent der Toten sind an einer Erkrankung der Atemwege gestorben (2014: 8,2 Prozent).

COPD ist eine dauerhafte Verengung der Bronchien, fast immer verknüpft mit langjährigem Rauchen oder Feinstaub- und Schadstoffbelastung. Daher nennt man sie umgangssprachlich auch Raucherlunge. Betroffene leiden unter Husten, Auswurf und zunehmender Atemnot – oft bis zur Sauerstoffpflichtigkeit. Lungenentzündungen (Pneumonien) betreffen vorwiegend ältere oder vorerkrankte Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist. Auch Influenzawellen und andere Atemwegsinfektionen schlagen sich in diesen Zahlen nieder – mal diskret, mal sichtbar in Spitzen einzelner Jahrgänge.

Neben den großen Krankheitsgruppen tauchen im Jahrbuch Kategorien wie „äußere Ursachen“ auf – Unfälle, Suizide oder Komplikationen medizinischer Eingriffe. Hier geht es um Verkehrsunfälle, Stürze im Haushalt, Ertrinkungsunfälle, Vergiftungen oder bewusst herbeigeführte Selbsttötungen. Laut Statistik des Jahrbuches sind davon 5,8 Prozent der Lübecker betroffen (2014: 4,1 Prozent). und KST
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