Kein Platz: Frauenhäuser weisenimmer mehr Schutzsuchende ab
Mehr als 1000 Frauen und Kinder betroffen – Schutzwohnung fehlt immer noch – Grünen-Kritik: Stadt hat kein Konzept.

Lübecks Frauenhäuser – hier ein Symbolbild – konnten auch 2025 nicht alle Frauen und Kinder, die Schutz suchten, unterbringen.Symbolbild: Sophia Kembowski
Lübeck. 2025 war ein besonders schwieriges Jahr für Lübecks Frauenhäuser. Das Awo-Frauenhaus stand wegen Wasserschäden und anschließender Sanierung ein halbes Jahr nicht zur Verfügung. Das Autonome Frauenhaus war deshalb komplett ausgebucht.

„Das Jahr 2025 war turbulent“, erklärt Britta Schäfer vom Autonomen Frauenhaus. „Wir hatten eine prozentuale Belegung von 100 Prozent.“ 331 Frauen mit 383 Kindern mussten abgewiesen werden, weil kein Platz frei war.

Die Plätze im Awo-Frauenhaus waren von Januar bis April zu 95 Prozent belegt, ab Mai sank die Belegung. „Wir haben frei gewordene Plätze nicht mehr nachbelegen können, weil die Belastung durch die Arbeiten im Haus nicht zumutbar war“, erklärt Chris Mull, Geschäftsbereichsleiterin Jugend & Familie bei der Awo Süd-Ost.

279 Frauen und 210 Kinder konnte die Awo-Zufluchtsstätte in der Innenstadt im Jahr 2025 nicht aufnehmen. „Ab Herbst haben wir mit der Sanierung begonnen“, sagt Chris Mull. Der Dachboden im Vorderhaus wurde ausgebaut, mehrere Bäder und Küchen im Hinterhaus wurden saniert. „Inzwischen sind die Kolleginnen dabei, alles wieder einzurichten. Wir gehen wieder ans Netz“, erklärt die Geschäftsbereichsleiterin.

beide Zufluchtsstätten

haben zusammen 69 Plätze

Seit Jahren müssen die beiden Frauenhäuser, die zusammen 69 Plätze aufweisen, Frauen und Kinder abweisen. „Damit die Betroffenen nicht zu ihren prügelnden Partnern zurückgehen, haben wir schon im Mai 2024 die Einrichtung einer Schutzwohnung beschlossen“, sagt Mandy Siegenbrink, Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bürgerschaft.

Im städtischen Haushalt seien 30.000 Euro bereitgestellt worden, „damit wir überhaupt einmal starten können“, berichtet Siegenbrink. Die Summe reiche nicht, um Schutzwohnungen zu mieten, erklärt die städtische Sozialverwaltung. „Mit der bereitgestellten Summe ist ein tragfähiges Angebot nicht realisierbar“, bestätigt Chris Mull von der Awo.

2024 hatten die Frauenhäuser Konzepte vorgelegt, aus denen hervorging, dass für den Betrieb einer Schutzwohnung Personal und besondere Sicherheitseinrichtungen nötig seien. „Dass 30.000 Euro nicht reichen würden, wussten wir von Anfang an“, erklärt Grünen-Politikerin Siegebrink, „wir hätten auch noch Geld nachgeschossen.“

Aber eine Schutzwohnung, in der abgewiesene Frauen und Kinder ganz kurz unterkommen können, gibt es bis heute nicht. Die Verwaltung von Sozialsenatorin Pia Steinrücke (SPD) habe bis heute kein Konzept vorgelegt, bemängelt die Co-Fraktionschefin. „Ich bin mit der Situation sehr unzufrieden.“

Die Sozialverwaltung will jetzt erst einmal abwarten, was auf Landesebene geschieht. Das Kieler Sozialministerium wolle 200 zusätzliche Plätze in Frauenhäusern finanzieren und habe die Kommunen um Hinweise auf Bedarfe gebeten, erklärt die Verwaltung. Die Hansestadt habe am 21. Januar das Ziel der Anmietung von Schutzwohnungen nach Kiel gemeldet.

Sobald die Stelle der Bereichsleiterin der Sozialen Sicherung besetzt sei, werde es ein Gespräch mit den sozialpolitischen Sprecherinnen, dem Frauenbüro, den Frauenhäusern, der Verwaltung und der Sozialsenatorin zum weiteren Vorgehen geben, kündigt die Stadt an.

Unterdessen haben das Autonome Frauenhaus und der Verein Aufschwung ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen vor dem Behördenhochhaus gesetzt. Zum Internationalen Frauentag spendeten sie eine orangefarbene Bank an die Polizei. „Wir nehmen jeden angezeigten Fall von Gewalt gegen Frauen ernst“, sagt eine Polizeisprecherin. „Auf allen Dienststellen der Schutzpolizei und bei der Kriminalpolizei nehmen sich besonders qualifizierte Sachbearbeitende der Opfer von häuslicher Gewalt an.“ und DOR

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