Eigentlich hatten sich die städtischen Baupolitiker schon von einem Neubau verabschiedet. Doch die für die Parkraumbewirtschaftung zuständige KWL hat neue Berechnungen vorgelegt, wonach sich ein neues Parkhaus an der Stelle doch wirtschaftlich betreiben lässt. Nach Informationen der Lübecker Nachrichten hat eine Erhöhung der Parkgebühren im vergangenen Jahr die Umsätze deutlich gesteigert. Die Preisanpassung habe die Kunden nicht verschreckt und sei besser angenommen worden als prognostiziert, heißt es in der nicht-öffentlichen Vorlage. Weitere Erhöhungen müssten folgen, wenn das neue Parkhaus steht.
Ein Entwurf für den Neubau liegt längst vor, aber der Generalunternehmer wurde bislang nicht mit dem Bau beauftragt. Die Bürgerschaft hat die Verwaltung jetzt ermächtigt, diesen Entwurf umzusetzen. Die KWL und der Generalunternehmer sollen den Auftrag erledigen. Das neue Parkhaus hat mit 316 Stellplätzen deutlich weniger Platz als das bisherige mit mehr als 500 Stellplätzen. Die Tiefgeschosse werden nicht mehr genutzt und sollen zugeschüttet werden.
Das marode Parkhaus wird laut Bürgerschaftsbeschluss Stück für Stück abgerissen. Der Auftrag dafür soll nach LN-Informationen in diesem Jahr vergeben werden. Der Abriss selbst, der mehr als 1,7 Millionen Euro kosten soll, wird schätzungsweise fünf bis sieben Monate dauern. Diesen Betrag muss die Hansestadt aufbringen.
„Wir brauchen an dieser Stelle das neue Parkhaus“, erklärt Ulrich Brock (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses der Bürgerschaft. Das Parkhaus am Holstentor sei eines der attraktivsten und am besten ausgelasteten in Lübeck. Vor allem Touristen würden es ansteuern. Mit den Stellplätzen würde die Altstadt außerdem von parkenden Autos entlastet.
„Für uns ist entscheidend, dass sich der Neubau rechnet“, sagt Arne-Matz Ramcke, Verkehrspolitiker der Grünen, auf LN-Anfrage. Die Grünen hätten grundsätzliche Probleme mit Parkhäusern, die von der Stadt subventioniert werden müssten. Als Beispiel nennt Ramcke das umstrittene Parkhaus Godewind in Travemünde. Ende vergangenen Jahres hatte die KWL das Parkhaus Holstentor wegen statischer Mängel auf unbestimmte Zeit gesperrt. Ob das baufällige Gebäude jemals wieder genutzt werden kann, sollten Fachleute überprüfen. In der zweiten Januarwoche waren die Ingenieurgesellschaft Experimentelle Statik (Iges) mit ihren Geräten angerückt. Nach Angaben der KWL wurden insgesamt sieben Bauteile per experimenteller Statik geprüft. Dabei werden Belastungen simuliert, die durch ein- und ausfahrende Fahrzeuge entstehen. Dazu haben die Iges-Ingenieure Stahl- und Holzkonstruktionen sowie eine hydraulische Hebekonstruktion verwendet. Über Messdosen konnte die Last präzise ermittelt werden. Unklar ist aktuell, wie lange das marode Parkhaus noch durchhält. Im Januar gab es Hinweise der Fachleute, dass das Gebäude durch Abstützungs- und Reparaturmaßnahmen eventuell noch bis Ende 2027 betrieben werden könnte. Bereits vor acht Jahren wurden beim 1992 in Betrieb genommenen Parkhaus Probleme mit der Statik festgestellt. Der Bau wurde seitdem regelmäßig kontrolliert und die Weiternutzung immer nur temporär erlaubt.