Dem Günter Grass-Haus ist es im letzten Jahr mit Hilfe des Beauftragten für Kultur und Medien geglückt, einen Teil des Nachlasses von Günter Grass aus Behlendorf anzukaufen. Im etwa 25 Kilometer von Lübeck entfernten Behlendorf lebte der Literaturnobelpreisträger zusammen mit seiner Frau Ute von 1986 bis zu seinem Tod 2015. Bis vor kurzem befanden sich dort noch all seine Arbeitsmaterialien wie Bildhauerwerkzeuge, Malutensilien und Schreibgeräte, seine Bibliothek mit rund 4500 Bänden sowie kuriose Gegenstände, die den Künstler zu neuen Ideen anregten – von Reisemitbringseln bis hin zu plattgefahrenen Fröschen. Ein Teil dieser wertvollen Objekte konnte nun nach Lübeck überführt werden. Die Gegenstände sollen ab 2027, dem Festjahr „100 Jahre Günter Grass“, dauerhaft im Günter Grass-Haus ausgestellt werden. Die Exponate wurden in den letzten Monaten digitalisiert, um damit die Möglichkeit zu bieten, das Werk von Günter Grass umfassend wissenschaftlich zu erforschen.
„In vielen Titeln sind persönliche Widmungen anderer Autorinnen und Autoren wie Salman Rushdie oder John Irving enthalten. Günter Grass hat Textstellen häufig markiert und abgebrannte Streichhölzer als Lesezeichen benutzt, die sich noch immer in den Büchern befinden. Dadurch lassen sich wertvolle Rückschlüsse auf sein eigenes Schaffen ziehen. Durch die Digitalisierung können sich internationale Wissenschaftler mit dem Werk von Günter Grass beschäftigen, ohne physisch vor Ort sein zu müssen“, so der Direktor des Günter Grass-Hauses, Dr. Jörg-Philipp Thomsa.
Die Objekte aus dem Behlendorfer Nachlass von Günter Grass werden derzeit sicher im Depot der Lübecker Museen verwahrt. Perspektivisch sollen sie zu einem zentralen Bestandteil der neuen Dauerausstellung des Günter Grass-Hauses werden, die anlässlich des 100. Geburtstags des Literaturnobelpreisträgers im Jahr 2027 eröffnet wird.