Ein Anruf bei der SPD in Neuss (Nordrhein-Westfalen) bringt insofern Klarheit: Reiner Breuer ist Bürgermeister von Neuss, und das bereits in dritter Amtszeit seit der Wahl am 13. September 2015. Auch 2020 und 2025 wurde Breuer gewählt, Die nächste Wahl steht erst 2030 an.
Das in Lübeck aufgetauchte Plakat ist also nicht nur örtlich, sondern auch zeitlich deplatziert aufgehängt. Die letzte Wahl war am 15. September 2025. Der SPD-Kandidat Breuer ließ zwar sieben Mitbewerber hinter sich. Er konnte aber mit 50,1 Prozent der Stimmen nur denkbar knapp die Stichwahl vermeiden, sitzt aber seitdem weiter im Rathaus auf dem Bürgermeisterstuhl.
So gibt man sich in der Neusser SPD-Zentrale auch ratlos, eine Erklärung hat man bei den Sozialdemokraten in der Großstadt mit rund 154.000 Einwohnern für das Lübeck-Plakat nicht. „Von uns kommt das gewiss nicht“, sagt ein Sprecher am Telefon, der das Plakat dem Bürgermeister-Wahlkampf im vergangenen Jahr zuordnet.
Wer weiß, wenn alle in Lübeck lebenden Neusser mit Stimmrecht für ihre Heimatstadt durch das Plakat mobilisiert worden wären, hätte Breuers Vorsprung ein klein wenig komfortabler ausfallen können. So allerdings kommt der Aufruf eines mutmaßlichen Scherzkekses rund fünf Monate zu spät. Und doch passt die Aktion irgendwie in die Neusser Zeit: Dort wurde gerade ausgiebig Karneval gefeiert. Gelegenheit für alle möglichen Späße also.
Sollte der mutmaßliche Spaßvogel aber ein wahrer SPD-Fan sein, sollte er das Plakat schleunigst wieder abhängen. Denn die Stadt Lübeck schreibt nach Auskunft von Stadtsprecherin Nicole Dorel Absender von Plakaten an, die im öffentlichen Raum hängen, sofern das gemeldet wird. Sollte das Plakat nach einer gesetzten Frist immer noch hängen, wird die Stadt selbst aktiv. Die Abbaukosten werden dann in Rechnung gestellt. Angaben zur Höhe der Kosten macht die Stadt aber nicht.