Volker Claussen und Volker Haverkamp von der Schwartauer Bürgerinitiative (BI) Kaltenhof sagen in Richtung Nachbargemeinde: „Wir warnen Ratekau, nicht blind in eine Falle zu laufen.“ Ohne Umfahrung gehe es auf Dauer nicht. Es werde mehr Personen- und vor allem mehr Güterverkehr geben. Und: Eine Erhöhung der Kapazität durch Bad Schwartau sei im Prinzip nicht möglich.
Das von Ratekau aufgeworfene Problem der zwei Trassen sieht die BI als Chance: „Wir treten für eine Trennung von Regional- und Fernverkehr ein“, sagt Claussen. Heißt: Nur der Fernverkehr fährt auf der X-Trasse. Zumindest ab dem Abzweig zur Teerhofinsel könne dadurch die Verkehrskapazität erhöht werden.
Ein Indiz dafür, dass es eng wird: Um das Streckennetz zu entlasten, hat die Bahn in ihren Planungen immer mehr Güterzugfahrten in die Nacht verlegt. Erstes Opfer der Streckenüberlastung, so spekuliert die BI: „Es ist dann sehr wahrscheinlich, dass nie wieder eine Bäderbahn fahren wird“, sagt Haverkamp. Ohne Umfahrung würde der Bau an der bestehenden Trasse zu einer mindestens vierjährigen Stilllegung der Strecke führen. Das würde dann auch die Strecke nach Kiel betreffen.
Auch Lübeck und der Hafen würden von der Umfahrung profitieren, sagt Claussen. Die höhere Gleiskapazität ermögliche mehr Güterumschläge und sorge somit für eine bessere Anbindung und Wachstumspotenzial. Unter dem Stichwort Nordkurve fordern die Hansestadt und unter anderem die IHK Schleswig-Ratekaus Standpunkt zur Trassenführung hatte zuletzt SPD-Kommunalpolitiker Hendrik Heinemeier untermauert. Wichtigstes Argument: Die Belastung durch Güterzüge würde durch eine X-Trasse auf Ratekauer Gebiet verschoben. Die BI sagt: Das Problem ist längst da. Die Bestandsstrecke würde durch eine kleinere Verschiebung der Trasse in Ratekau durch den Meierkamp führen. „Rund 30 Hektar Wald von hoher Qualität gehen verloren, inklusive Lärmpuffer zur Autobahn und Sauerstoffproduktion für die angrenzende Ortschaft“, betont Claussen. „Selbst bei effizientester Bauweise und höchster Vorsicht wäre die Schneise für die Strecke mindestens 75 Meter breit“, ergänzt Haverkamp. Klar ist der BI: „Es gibt keine Trassenführung zum Wohle der Natur. Das gilt für die gesamte Hinterlandanbindung“, sagt Claussen. Bei der Bestands-trasse wären zusätzlich zum Meierkamp das FFH-Gebiet Schwartautal und der Riesebusch betroffen. Bei der Umfahrung trifft es das Naturschutzgebiet Sielbektal und weitere Waldflächen.
Mit der Neuplanung für die X-Trasse gehe noch mehr Zeit verloren, argumentieren deren Gegner. Die BI-Sprecher halten dagegen. „Das Gesamtprojekt verzögert sich aufgrund diverser Probleme ohnehin um Jahre“, sagt Haverkamp. Klagen gegen den Ausbau der Bestandstrasse würden voraussichtlich wiederum zusätzlich Zeit kosten, sagt Claussen. Auch das Argument der geringeren Fahrgeschwindigkeit auf der X-Trasse will die BI nicht gelten lassen. Züge würden auf der Bestandsstrecke künftig ebenfalls mit reduziertem Tempo unterwegs sein, aufgrund von Lärmschutz und Nähe zur Wohnbebauung. „Vermutlich höchstens 80 km/h“, sagt Haverkamp. „Entsprechend abgebremst und beschleunigt wird auf Ratekauer Gebiet – inklusive erhöhter Lärmbelästigung“, ergänzt Claussen.
Höchst umstritten ist die Kostenfrage. Die Bahn geht laut ihrer Planungsunterlagen davon aus, dass die Umfahrung mit 390 Millionen Euro rund 90 Millionen Euro teurer wäre als der Neubau auf der bestehenden Strecke. „Wir bezweifeln das und vermuten ein vorgeschobenes Abwehrargument der Bahn“, sagt Claussen. Gestützt wird das von der Stadt Bad Schwartau. Deren Prognose geht davon aus, dass die Umfahrung 216 Millionen und die Bestandsstrecke 482 Millionen Euro kosten würde. Kostentreiber seien: Trogbauwerk, Entschädigungen für Anwohner und Kreuzungsbauwerke für die Schienenstrecke.
Die Deutsche Bahn setzt auf die Bestandstrasse und will die Planungsunterlagen bis zum Frühjahr zur Prüfung beim Eisenbahn-Bundesamt einreichen. Im Sommer sollen die Pläne öffentlich ausliegen. Ab 2028 könnte nach den Planungen dann gebaut werden.