Steuererklärung mit ChatGPT?
Bund der Steuerzahler rät zur Vorsicht
Mit der KI die Steuererklärung machen? Davon hält Rainer Kersten vom Bund der
Steuerzahler Schleswig-Holstein wenig – Er empfiehlt das amtliche Elster-Programm

Viele Steuerpflichtige holen sich steuerlichen Rat inzwischen bei KI-Tools wie ChatGPT. Fragen zu Werbungskosten oder zur Pendlerpauschale sind schnell gestellt und ebenso schnell beantwortet. Für Rainer Kersten, Geschäftsführer des Landesverbands Schleswig-Holstein des Bunds der Steuerzahler in Lübeck, kommt das nicht infrage. „Mein eigenes Geld und die richtige Angabe in der Steuererklärung würde ich niemals einem Algorithmus überlassen.“

Einfach sei die Steuererklärung immer dann, wenn sich gegenüber dem Vorjahr nichts geändert habe, so Kersten. Das liege vor allem an Elster, dem offiziellen Programm der Finanzverwaltung.

Elster auf Abläufe im
Finanzamt abgestimmt

Kersten plädiert ausdrücklich für die Nutzung von Elster und nicht für Chatbots. „Elster hat eine Plausibilitätsprüfung. Wenn ich mich vertippe oder etwas Widersprüchliches angebe, meldet sich das Programm“, erklärt der Steuerexperte. Das System sei auf die Abläufe im Finanzamt abgestimmt. „Wenn ich es so eingebe, wie Elster das gerne hat, funktioniert die Überprüfung auf der Finanzamtsseite auch.“

KI könne zwar allgemeine Hinweise liefern. Aus seiner Sicht sei die Hoffnung jedoch trügerisch, dass eine KI einem die eigene steuerliche Bewertung abnehme. „Eine ordentliche Recherche kostet Zeit und ein bisschen Grips“, sagt Kersten.

Problematisch wird es nach seiner Einschätzung immer dann, wenn sich die Lebensumstände ändern, etwa wenn ein Kind hinzukommt, Kinder ein Studium beginnen, Unterhaltspflichten entstehen oder Handwerkerleistungen anfallen.

„Wo es ein hohes Maß an Gleichförmigkeit gibt, funktioniert KI sehr gut“, so der Steuerfachmann. Das zeige sich auch im Finanzamt selbst, wo Steuererklärungen zunächst automatisiert geprüft würden. „Aber wenn sich etwas gravierend ändert oder ein Einzelfall besonders ist, da ist auch KI überfordert. Da brauche ich einfach das menschliche Gehirn.“

Einzelfälle brauchen
menschliche Prüfung

Bei außergewöhnlichen Belastungen, etwa hohen Krankheitskosten oder komplizierten Pflegefällen, rät Kersten dazu, den Sachverhalt ausführlich zu schildern. „Bei Elster kann man Freitext einreichen. Dann landet der Fall ohnehin bei einem Sachbearbeiter.“ Individuelle Lösungen entstünden nicht durch Tipps von der KI, sondern durch die Einzelfallprüfung der Finanzverwaltung.

Nach Ansicht von Steuerexperte Kersten ist für die Steuererklärung daher in erster Linie das amtliche Elster-Programm das richtige digitale Werkzeug. Wer eine einfache, unveränderte Einkommenssituation hat, komme damit gut zurecht. Elster ermögliche die Übernahme der Vorjahresdaten und prüfe Eingaben auf Plausibilität.

Wer mehrere Einkunftsarten kombiniert oder größere Veränderungen erlebt, sollte prüfen, ob nicht eine persönliche Beratung oder zumindest eine besonders sorgfältige eigene Prüfung notwendig ist. In komplexen Einzelfällen ersetze kein Algorithmus das menschliche Urteilsvermögen. Carsten Schmidt
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