Lübecker Dehoga-Vorstand hört auf
Gremium will Platz für Jüngere schaffen – Große Herausforderungen in der Gastronomie

Prägten lange das Gesicht des Dehoga in Lübeck: Frank Denker (v.li.), Dietmar Baum und Christian Schmidt.Foto: Dehoga Lübeck
Lübeck. 106 gastronomische Betriebe in der Hansestadt sind im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Lübeck vertreten – von der Szenekneipe über Restaurants bis hin zu Hotels. Bald aber könnten diese Betriebe ohne Dehoga-Spitze dastehen: Der dreiköpfige Vorstand will seine Verantwortung kurzfristig abgeben. Schon in der kommenden Woche wollen die Ehrenamtler ihre Arbeit niederlegen.

Die Nachricht kommt überraschend: Der Kreisvorsitzende Frank Denker, sein Stellvertreter Dietmar Baum und Christian Schmidt, zuständig für das Thema Ausbildung, wollen nicht mehr. Auf der anstehenden Jahresversammlung hoffen sie auf engagierten Nachwuchs.

„Ich stoße an
meine Grenzen“

„Ich merke, dass ich mit 59 Jahren zu alt werde für diesen Job“, erklärt Frank Denker, der acht Jahre lang die Geschicke des Dehoga in Lübeck geleitet hat. Mittlerweile hätten sich die Strukturen in der Gastronomie stark verändert, die Branche stünde vor neuen Herausforderungen. „Da stoße ich mit meiner Denkweise manchmal einfach an Grenzen“, sagt Denker. Zudem stecke er sehr viel Arbeitszeit in sein Dehoga-Engagement. Diese Zeit wolle er nun lieber in sein eigenes Unternehmen, das Billard Sport Casino in der Lübecker Kanalstraße, stecken.

„Dehoga ist
stark überaltert“

Starke Veränderungen in der Lübecker Gastronomie sieht auch Dietmar Baum. Er, eigentlich im Bereich Beratung und Consulting tätig, macht die Unterschiede deutlich: Die gastronomischen Betriebe in Lübeck würden immer jünger, zudem gebe es immer mehr Lizenzbetriebe. Solche Betriebe fühlten sich im Dehoga nicht mehr heimisch. Diesen Umständen müsse der Dehoga Rechnung tragen.

„Manche sagen, wir seien ein Altherrenclub. Und das stimmt auch: Der Dehoga ist stark überaltert“, erläutert Baum das etwas angestaubte Dehoga-Image. Doch das müsse sich ändern: „Wir müssen nun vor allem der jüngeren Generation der Gastronomen Angebote machen, damit die sich im Dehoga engagiert“, findet er. „Unser Abgang soll auch ein Signal an die ‚Generation 35‘ sein: Gestaltet eure Zukunft im Dehoga!“

Jüngere könnten die Herausforderungen, vor denen die Gastronomie nun stehe, besser meistern, sagt Frank Denker. Der Gastronom führt vor allem den Bereich Digitalisierung, aber auch Automatisierungen sowie den zunehmenden Einfluss von künstlicher Intelligenz in der Gastronomie, an. „Das sind Bereiche, in denen ich manchmal schon nicht mehr hinterherkomme.“

Wer übernimmt
den Lübecker Dehoga?

„In ersten Reaktionen dankten uns bereits zahlreiche Verbandsmitglieder für unser Engagement, die nachhaltigen Impulse und eine Öffentlichkeitsarbeit, die weit über die Landesgrenzen hinaus Wirkung entfaltet hat“, sagt Denker.

Besonders während der Corona-Pandemie habe der Verband in Lübeck die Aufgabe des Seelsorgers übernommen. Man sei immer nah an den Sorgen der Unternehmerinnen und Unternehmer gewesen, habe beraten und konkret unterstützt.Nun aber seien andere dran, die Lübecker Gastronomie in die Zukunft zu führen. „Wir wollen den Übergang so schnell wie möglich vollziehen“, sagt Dietmar Baum. „Schon in der kommenden Woche findet die Jahreshauptversammlung des Dehoga Lübeck statt. Wer sich für das Ehrenamt engagiert, kann gern dazukommen.“ Für ihn und seine Kollegen Frank Denker und Christian Schmidt sei es nun Zeit zu gehen. „Wir machen die Bühne frei für die nächste Generation.“ und OP
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