Ärger über Bus-Route: Schüler
brauchen eine Stunde für fünf Kilometer
Petition gestartet: Elterninitiative aus Scharbeutz wünscht sich Haltestelle am Neubaugebiet Fuchsberg.

Stefan Lischka (r.) steht mit seiner Tochter Gioia (Mitte) und Petitions-Befürworterin Lina-Laura Wesenberg (l.) am Busbahnhof in Pönitz, wo gerade die Buslinie 503 Richtung Scharbeutz hält. „Die Streckenführung der 503 muss grundsätzlich überarbeitet werden“, sagt Lischka.Foto: Beke Zill
Scharbeutz. Der Unterricht an der Emmi-Bonhoeffer-Schule in Pönitz ist vorbei. Viele Schüler tummeln sich am Busbahnhof. Auch die Neuntklässlerin Gioia wartet auf den Bus 503 nach Scharbeutz. Die 14-Jährige ist bereits seit knapp 8,5 Stunden auf den Beinen. „Ich muss um 5.30 Uhr aufstehen, das ist ziemlich blöd“, sagt sie.

Für ihren Schulweg benötigt die Schülerin täglich zwei Stunden. Zu viel, sagt ihr Vater Stefan Lischka und hat eine Petition gestartet. „Die Schülerbeförderung zur Gemeinschaftsschule Pönitz ist für die Schüler aus Scharbeutz unzumutbar“, bemängelt Lischka.

Zeitaufwendiger

Schulweg nach Pönitz

Der Familienvater wohnt mit seiner Frau und den beiden Töchtern im Neubaugebiet Fuchsberg. Die nächstgelegene Bushaltestelle „Jugendherberge“ ist etwas mehr als einen Kilometer entfernt. Einige Schüler aus dem neuesten, kinderreichen Wohngebiet Biberburg nördlich des Fuchsbergs müssen noch einmal 200 Meter mehr Weg zurücklegen. „Meine Tochter geht kurz vor 6.30 Uhr aus dem Haus, um den Bus um 7 Uhr zu bekommen“, erklärt Lischka.

Nach einer halbstündigen Busfahrt mit Stopps an der Grundschule Scharbeutz, in Schürsdorf, Schulendorf, Wulfsdorf und Gleschendorf kommt seine Tochter um 7.28 Uhr in Pönitz an. Das ergibt etwa 60 Minuten pro Strecke.

Elterntaxis statt
überfüllter BusseLina-Laura Wesenberg, die die Initiative unterstützt, merkt ein weiteres Ärgernis an. Ihre sechsjährige Tochter steigt morgens in Gleschendorf zu. „Der Bus ist meist überfüllt und oft 10 Minuten zu spät“, betont Wesenberg. Die Neuntklässlerin Gioia erzählt, dass viele jüngere Schüler auch einfach stehen gelassen würden, weil der Bus voll sei.

Viele Eltern bringen deshalb ihre Kinder mit dem Auto. Das dauert von Scharbeutz aus etwa 8 Minuten. „Die sogenannten Elterntaxis werden somit mehr“, sagt Lischka.

Der Vater ärgert sich auch darüber, dass Eltern sich in der Wahl der weiterführenden Schule für ihr Kind eingeschränkt fühlen. Der Weg zum Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand sei deutlich einfacher, sagt Lischka. „Viele Eltern berichten mir, dass sie gar nicht über Pönitz nachdenken, weil die Schule für ihr Kind nicht erreichbar ist“, sagt Lischka. Er fordert deshalb, dass die Schülerbeförderung von und nach Scharbeutz neu bewertet und verbessert wird: „Die Streckenführung der 503 muss grundsätzlich überarbeitet werden.“

Eine Lösung wäre laut Eltern eine Neuführung der Route 503 oder eine Bedarfslinie zwischen Pönitzer Busbahnhof und Scharbeutz. Auch zusätzliche Bushaltestellen im Bereich Pönitzer Chaussee und im Wohngebiet Fuchsberg würden zu einer Verbesserung führen, sagt Lischka. „Das kinderreiche Neubaugebiet muss an den ÖPNV angeschlossen werden“, sagt der Vater.

Die Petition mit inzwischen etwa 120 Fürsprechern richtet sich an den Kreis Ostholstein, der für das Streckennetz zuständig ist. Aus seiner Sicht ist eine Veränderung nicht nötig. „Es liegt im Rahmen der Schülerbeförderung in der Natur der Sache, dass die Linienverkehre nicht immer den kürzesten Weg zwischen Schulort und Wohnort zurücklegen, sondern auch abseits gelegene Ortschaften anbinden müssen, sodass die Fahrzeit gegenüber einer direkten Fahrt deutlich ansteigt“, erklärt die Kreissprecherin Annika Sommerfeld.

Zudem habe eine Analyse gezeigt, dass eine Optimierung der Situation nicht möglich sei, zumal die Wohngebiete Biberburg und Fuchsberg aufgrund der beengten Straßenverhältnisse mit den Linienbussen nicht angefahren werden können.

Die Fahrtzeit von etwa 30 Minuten sei nach Angaben des Kreises „keine unzumutbare Benachteiligung“. Dass noch einmal etwa 20 Minuten Fußweg zur mehr als 1000 Meter entfernten Haltestelle hinzukommen, liege im vertretbaren Bereich der Regelungen der Schülerbeförderungssatzung. Eine Entfernung von bis zu vier Kilometern sei für Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 10 zumutbar, erklärt Sommerfeld.

Bürgermeisterin
sieht keinen Bedarf

Auch die Scharbeutzer Bürgermeisterin Bettina Schäfer (parteilos) sieht keinen Bedarf für eine neue Streckenführung oder einen neuen Haltepunkt an den Neubaugebieten. „Es gibt Haltestellen“, sagt sie mit Blick auf die bestehende Linie 503. „Die Strecke bis zur Haltestelle Jugendherberge ist absolut zumutbar“, betont die Verwaltungschefin.

Sie könne aber den Wunsch der Eltern nach einer besseren Anbindung nachvollziehen. „Dass die Anwohner des Fuchsbergs nicht ganz glücklich sind, kann ich verstehen“, sagt Schäfer. Die Bürgermeisterin will die Wünsche der Eltern an den Kreis für das nächste Schuljahr mit aufnehmen.

Lischkas Tochter Gioia hofft, dass sich schon vor dem neuen Schuljahr etwas verändert. „Vor allem im Dunkeln zur Haltestelle laufen ist doof“, sagt Gioia und steigt um 14.10 Uhr in die 503 in Richtung Scharbeutz. Nach dem Aussteigen an der Jugendherberge und dem Fußweg nach Hause ist Gioias Schultag um 15 Uhr zu Ende. Nach 9,5 Stunden. und BZ
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