Grablichter vor dem „Traveblick“
Die Kündigung für das beliebte Restaurant in Travemünde durch die Stadt zieht Kreise.

Grablichter stehen vor dem geschlossenen Restaurant „Traveblick“ in Travemünde. Die Inhaberin streitet weiter mit der Stadt über Baugenehmigungen.Foto: Lutz Roeßler
Lübeck. Es sind Zeichen der Trauer und der Entrüstung: Blumen und Grablichter liegen vor dem Restaurant „Traveblick“. Der schwimmende Betrieb an Travemündes Vorderreihe ist zu. „Von der Stadtverwaltung dauerhaft geschlossen“, stand es in großen Lettern an einer Tafel geschrieben.

Die von Cornelia Süchting seit 25 Jahren betriebene Traditionsgaststätte hat seit Ende des vergangenen Jahres geschlossen. Für immer, so will es die Hansestadt Lübeck. Sie hat den Pachtvertrag gekündigt, wegen fehlender Genehmigungen. Süchting widerspricht. Beide Parteien verweisen seit Monaten auf diese unterschiedlichen Ansichten.

Stadt verweist auf
fehlende Genehmigungen

Jetzt war die Gaststätte auch Thema auf der Stadtteilkonferenz. Lübecks Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos) bekräftigte nochmals die Position der Stadt. Hagen sagte, die Stadt habe in der Vergangenheit die Pächterin „immer wieder auf fehlende Genehmigungen hingewiesen und im Vertrauen darauf, dass die Genehmigung eingeholt wird, die Nutzung geduldet“. Jetzt, wo das Restaurant verkauft werden solle, dulde die Stadt die nichtgenehmigte Nutzung nicht länger, so die Senatorin.

„In den zurückliegenden Jahren erfolgten mehrfach Schreiben an die Betreiberin mit der Aufforderung, eine Baugenehmigung vorzulegen“, sagt Nina Rehberg, stellvertretende Pressesprecherin der Stadt. Die Stadt habe vor vielen Jahren bei der Verpachtung die Auflage erteilt, dass die Pächterin alle behördlichen Genehmigungen für die Nutzung einholen müsse. „Tatsächlich wurde das aber nicht gemacht“, sagt Rehberg. Stattdessen sei auf zwei Pontons nach und nach ein Restaurant errichtet worden. „Es gibt bis heute keine Baugenehmigung“, sagt Rehberg.

Für den Verkauf des Restaurants habe die Pächterin nun einen längeren Pachtvertrag gewünscht. Die Stadt habe dann laut Rehberg auf die fehlenden Genehmigungen hingewiesen. „Es wurde ihr ein langer Zeitraum zur Bereinigung der Lage eingeräumt“, sagt Rehbegr. Der sei vor einem Jahr verstrichen.

„Das Pachtverhältnis wurde dann im letzten Jahr ordnungsgemäß zum 31.12.25 gekündigt“, sagt Rehberg. Eine Fortsetzung der Nutzung mit einem neuen Pächter sei aufgrund der „nicht gesicherten Genehmigungslage“ nicht möglich.

Betreiberin hat
Frist eingehalten

Dem widerspricht Süchting immer noch vehement. „Ich habe nicht nach und nach ein Restaurant errichtet“, sagt sie. „Die Pontos habe ich vor über 20 Jahren so gekauft, inklusive aller strom- und schifffahrtspolizeilichen Genehmigungen, die auch alle Baugenehmigungen beinhalten.“ Als ihr Architekt den zusätzlich geforderten Bauantrag stellen wollte, habe die Stadt mitgeteilt, für die Pontons nicht zuständig zu sein.

Die Anfrage nach der Zuständigkeit habe er wiederholt, sagt Süchting. „Erst einen Tag vor Weihnachten wurde vom Bauamt bestätigt, dass man doch zuständig sei.“ Mathias Walter ist Chef der Travemünder Schaumburg-Holstein Immobilien. Ihn hat Süchting mit der Suche nach einem Nachfolger betraut. „Über fünf Jahre dauert nun der intensive Dialog mit der Stadt“, sagt Walter. Die von der Stadt gesetzte Frist sei sehr wohl eingehalten worden.

Süchtig und Walter vermuten, dass die Verwaltung die ihr übermittelten Informationen gar nicht berücksichtigt habe. „Vermutlich kannte der Bürgermeister die vollständige Einlassung der Betreiberin gar nicht. Deshalb haben wir ihm den tatsächlichen Ablauf während der Stadtteilkonferenz zur Verfügung gestellt“, sagt Walter.

Empörte Kommentare
zur SchließungUnterdessen reißen die Kommentare auf Facebook zum Erhalt des „Traveblick“ nicht ab. Eine Nutzerin findet markige Worte: „Das fällt denen erst jetzt ein? Passt auf, die machen Euch Euer Travemünde kaputt!“ Ein anderer Kommentar lautet: „Das existiert doch schon Jahrzehnte.“ Viele Anhänger des Kultlokals fragen sich, warum es so viele Jahre offenbar ohne Probleme mit etwa fehlenden Genehmigungen lief. Das fragt sich Cornelia Süchting auch. und JAC
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