Sie stehen im Kreuzfeuer, seit die Situation eskaliert ist: Eutins Stadtvertreter äußerten sich am vergangenen Wochenende erstmals zum verkündeten Aus der Festspiele. Einige Tage zuvor hatte Geschäftsführer Falk Herzog seinen Rückzug und damit auch eine Absage der anstehenden Spielzeit öffentlich gemacht. Als Grund dafür nannte er unter anderem die fehlende Unterstützung der Eutiner Kommunalpolitiker.
Die Fraktionsvertreter, die zuvor in einem Gremium an Gesprächen über die Zukunft der Festspiele beteiligt gewesen waren, sprachen nun von einer Lawine, die seit der Bekanntgabe über sie hereingebrochen sei. Bei einer Pressekonferenz wollten sie mit „klarer, gemeinsamer Haltung“ ihre Sicht der Dinge darlegen. Man sei von der Entscheidung überrascht worden und maßlos enttäuscht, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Matthias Rachfahl.
Mitte November habe man von der Absicht erfahren, dass Falk Herzog sich zurückziehen wolle. „Wir haben deutlich gemacht, dass wir einen Geschäftsführerwechsel in der laufenden Saison für sehr schwierig gehalten hätten“, sagt Monika Obieray, Vorsitzende der Grünen. „Deshalb haben wir Falk Herzog gebeten, darüber nachzudenken, ob er noch eine Saison durchstehen kann.“
Fraktionsvertreter entwickelten Konzept
Aus Sicht des Geschäftsführers sei das Thema allerdings bereits seit Ende der Spielzeit 2025 bekannt. „Wir haben deutlich gemacht, dass es dringend zu einer strukturellen Veränderung und Professionalisierung kommen muss, was am Ende auch mit finanziellen Mitteln verbunden sein wird“, kontert Herzog. „Die Eutiner Festspiele brauchen professionelle Strukturen – das ist keine neue Aussage.“
Auf der Suche nach einer Lösung hatten die Fraktionsvertreter bis Ende November ein langfristiges Konzept entwickelt. Dieses beinhaltet unter anderem die Einstellung eines zweiten Geschäftsführers. Von Falk Herzog habe man erwartet, dass er die Stelle ausschreibe. „Warum das nicht passiert ist, wissen wir nicht“, sagt Monika Obieray.
Herzog erwidert: Ohne klare Perspektive könne man niemandem von außen einen Jobwechsel zumuten. Zudem sei die Frage der Finanzierung ungeklärt geblieben. „Die Erwartung der Fraktionsvertreter der vertraulichen Runden war, dass die wirtschaftliche Verantwortung dafür von mir getragen wird“, sagt er.
Die Fraktionsvertretenden schlugen außerdem eine Prüfung durch externe Wirtschaftsprüfer vor, um Transparenz über die wirtschaftlichen, rechtlichen und organisatorischen Strukturen der Festspiele zu erlangen. Dabei hätte auch geprüft werden sollen, inwieweit der Einstieg der Stadt in die Eutiner Festspiele gGmbH denkbar wäre. „Wir haben konstruktiv, lösungsorientiert und mit dem klaren Ziel gearbeitet, die Festspiele zu erhalten“, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Marius Winkler. Doch aus Herzogs Sicht habe ihm das Papier keine Handlungsspielräume gelassen. Daraufhin habe er die in dieser Woche verkündete Entscheidung mit den weiteren Gesellschaftern getroffen.
Kritisch sei aus Sicht der Fraktionsvertretenden, dass Falk Herzog die Verschwiegenheit des Gremiums eingefordert habe. „Das führte dazu, dass nicht einmal die Fraktionen Bescheid wussten“, sagt Monika Obieray. „Diese absolute Vertraulichkeit zu vereinbaren, war im Nachhinein gesehen nicht sinnvoll.“ Falk Herzog sieht das anders. Es sei ein sensibler Zeitpunkt gewesen, an dem Gerüchte zu einem erheblichen Imageschaden geführt hätten. Zwangsläufig hätte dann auch der Vorverkauf eingestellt werden müssen.
So oder so hätte man in der Kürze der Zeit keine Lösung finden können, zumal das Gremium keinerlei Entscheidungsbefugnis hat. „Realistisch hätten wir bis März oder April zu einer Lösung kommen können“, sagt Monika Obieray. Der weitere Weg sei nun vorgezeichnet: „Es müssen zunächst Informationsrunden stattfinden. Dann muss ein professioneller Weg verfolgt werden, mit dem die Festspiele dauerhaft und stabil bestehen können.“
Land will Rettung der
Festspiele unterstützen
Auf Unterstützung könne man dabei zählen. „Mit dem Bau der Tribüne hat die Stadt deutlich gemacht, dass wir auf ewige Zeiten hinter den Festspielen stehen“, sagt Obieray. Um das Projekt finanziell zu sichern, wünsche man sich aber auch die Unterstützung von Kreis, Land und möglicherweise sogar dem Bund. „Wir sind kein kleiner Player“, betonte Obieray. Nach einem Treffen in Kiel, an dem auch Bürgermeister Sven Radestock (Grüne) und Landrat Timo Gaarz (CDU) teilnahmen, stehen die Zeichen dafür gut. Gemeinsam solle die Verantwortung übernommen werden, die Festspiele zu sichern, hieß es nach dem Treffen.
Denkbar sei eine Wiederauflage der Eutiner Festspiele frühestens zur Saison 2027. In diesem Jahr wird es definitiv keine Festspiele auf der Seebühne geben. Dafür soll ein Alternativprogramm her. „Wir können die Bühne nicht leer stehen lassen, das wäre ein Drama“, sagt der SPD-Vorsitzende Uwe Tewes. „Es muss dieses Jahr etwas stattfinden.“
Redaktionsschluss für diesen Beitrag war der 20. Januar. Eventuelle spätere Entwicklungen konnten nicht berücksichtigt werden.