Lübeck gibt
900.000 Euro für Granitstelen aus
Umstrittene Poller: 6000 dieser Steinblöcke stehen bereits im Stadtgebiet.

In der Jürgen-Wullenwever-Straße im Lübecker Stadtteil St. Gertrud wurden zahlreiche Stelen aus Granit aufgestellt – zum Ärger vieler Anwohnenden. Foto: Lutz Roeßler.
Lübeck. Sie sind aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Dabei gefallen die Granitstelen bei Weitem nicht jedem Lübecker. Die Steinblöcke werden überall dort aufgestellt, wo Autos am Parken gehindert werden sollen. 6000 Stelen wurden nach Informationen des Lübecker Presseamtes bereits im Stadtgebiet gesetzt. Das kostete bislang rund 900.000 Euro.

Auch an der frisch sanierten Schlutuper Straße hat die Stadtverwaltung im Oktober 2025 Granitstelen aufstellen lassen. Sie stehen am Straßenrand in Höhe der St.-Phillipus-Kirche und sollen dort das Befahren des Grünstreifens verhindern.

Für Christiane Haberkorn sind die Steinblöcke ein Ärgernis. Die Lübecker Landschaftsarchitektin spricht vom „Granitstelen-Wahn in Lübeck“. Haberkorn weiß, wovon sie redet. Seit 1989 ist sie Landschaftsarchitektin, seit 1992 betreibt sie ein eigenes Büro in Lübeck und hat selbst schon Aufträge der Hansestadt Lübeck erhalten.

Bereits 2023 und 2024 hatte es große Aufregung um die Granitstelen gegeben. Im Zuge der Sanierung und des Umbaus zur ersten Lübecker Fahrradzone ließ die Stadtverwaltung 350 Granitstelen entlang der Jürgen-Wullenwever-Straße setzen. Das Ziel: Die Grünflächen und Bäume vor parkenden Autos schützen. Das kam bei den Lübeckern gar nicht gut an. Schnell hatte die Jürgen-Wullenwever-Straße wegen der Granitmassen den Spitznamen „Soldatenfriedhof“ weg.

Die Angelegenheit beschäftigte Menschen und Medien sogar bundesweit. Das Ende vom Lied: Nach einer Entscheidung des Bauausschusses musste die Stadtverwaltung einen Teil der Granitstelen entfernen lassen.

Landschaftsarchitektin Haberkorn will nach eigener Aussage nicht belehren oder nur meckern. Sie bringt einen Gegenvorschlag zu den Granitstelen ein: die sogenannten Tiergartengitter. „Diese niedrigen, stabilen Geländer haben die Absicht, Autofahrer vor dem Parken auf Baumscheiben zurückzuhalten, die Fußgänger zu leiten, Wege zu kennzeichnen und bepflanzte Beete sowie Rasenzonen abzugrenzen.“ Viele Menschen kennen die Gitter: „In Berlin stehen sie in der gesamten Stadt“, erklärt Christiane Haberkorn.

Diese kleinen Zäune seien nicht wesentlich teurer als die Granitstelen, aber ebenso nachhaltig und klimagerecht, sagt Haberkorn. Einen Nachteil aber hätten die Zäune schon: „Man kann leicht über sie stolpern.“

Doch warum entschied sich die Stadt gerade für Granitstelen? „Die Lebenszykluskosten dieses Materials liegen aufgrund der Dauerhaftigkeit deutlich unter den Kosten für kurzlebige Holzpoller“, sagt Nina Rehberg, stellvertretende Sprecherin der Hansestadt Lübeck. An vielen Stellen im Stadtgebiet seien die Granitpoller als Ersatz für bereits verrottete Holzpoller angeschafft worden. Generell werden die Stelen „immer nur aus Gründen der Verkehrssicherheit eingebaut“, sagt Rehberg. Die Kosten pro Granitpoller liegen nach Auskunft der Stadtverwaltung bei rund 150 Euro.

Die Hansestadt hat aber bereits eine Alternative zu den Granitstelen. „Es werden mittlerweile vermehrt Recyclingkunststoffpoller verwendet“, sagt Nina Rehberg. Diese würden sogar in Deutschland gefertigt und seien dazu noch günstiger als die Granitstelen. op
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