Vor dem Café WuT parken an diesem Mittag drei Rollatoren. Der Wind weht frisch an der Lübecker Untertrave, doch vor dem kleinen Altstadthaus blühen sogar noch ein paar Blumen. Drinnen aber ist es muckelig. Und so soll es auch sein. Denn „WuT“ steht für „warm und trocken“.
Café WuT: Bis zu
100 Mittagessen pro Tag
Aus einer kleinen Kammer im Eingangsbereich kommt Oliver Grell. Der Leiter der Begegnungsstätte trägt eine Transportkiste mit Lebensmitteln. Aber viele sind nicht darin. Denn im Moment fehlen dem Café WuT die Lebensmittel. „Wir bereiten hier jeden Tag 60 bis 100 Mittagessen zu“, erklärt Grell. Dafür brauche es vor allem eine Grundversorgung: Nudeln, Reis, Mehl, Salz, Pfeffer, Zucker, aber auch Kaffee und Tee.
„Jetzt in der Weihnachtszeit spenden viele Menschen vor allem Süßigkeiten“, sagt Oliver Grell. „Wir verteilen die an unsere Gäste, die sie dann mit nach Hause nehmen.“ Mit Süßigkeiten allein jedoch lässt sich kein Mittagessen kochen. Dafür braucht es mehr. Und dieses „mehr“ bekommt das WuT auch von einigen Lebensmittelmärkten in Lübeck.
Doch gerade sei dort ein Discounter weggebrochen. „Der Markt hat die Zusammenarbeit mit uns aufgekündigt“, erzählt Grell. Einfach so, ohne große Begründung. Das schlägt ein großes Loch in die Versorgungskette, die für die Begegnungsstätte so wichtig ist.
Ein warmes Essen gibt es heute trotzdem. Auf der Speisekarte steht Kürbissuppe. Ein riesiger Topf damit steht auf dem Herd der kleinen Küche, es riecht köstlich. Der Gastraum ist weihnachtlich geschmückt: Lichterketten hängen, in der Ecke steht ein kleiner Weihnachtsbaum. Fotografieren lassen möchten sich die Besucher aber nicht so gerne.
Armut in
allen Altersgruppen
„Zu uns kommen vermehrt obdachlose und wohnungslose Menschen, aber auch sehr viele Rentner“, sagt Grell. Er hält das Café WuT einschließlich einer Beratungsstelle mit sechs Kolleginnen und Kollegen und einigen Ehrenamtlichen am Laufen. Doch eigentlich seien alle Altersgruppen Gäste im Café WuT, weiß der Leiter. „Auch junge Erwachsene, die arbeitslos sind.“
Ins Café WuT dürfen alle kommen, die zu wenig haben. „Sei es zu wenig Geld, Essen oder soziale Interaktion. Eine Begegnungsstätte für Menschen, die von Armut, Sucht, Wohnungslosigkeit oder Einsamkeit betroffen sind“, ist auf der Internetseite der Einrichtung zu lesen. Gegründet wurde sie in den Achtzigerjahren von Anke Timmermann-Grell. 2023 erhielt sie für ihr Engagement den Verdienstorden des Landes.
Ehrenamtliche
willkommen
Mittlerweile hat sich Anke Timmermann-Grell zurückgezogen. Ihr Sohn Oliver (47) ist seit vielen Jahren an Bord, leitet das Café WuT. „Ich bin damit groß geworden. Ich möchte gar nichts anderes mehr machen.“ Dennoch könnte das Team um Grell Unterstützung vertragen. Zwar gebe es derzeit verstärkt Anfragen von Menschen, die helfen möchten. Aber neue Ehrenamtliche seien immer willkommen, sagt Grell.
Denn für ihn sind die Tage lang. Weil gerade viele Kollegen krank seien, kann der Arbeitstag schon mal elf oder zwölf Stunden haben. Selbst an Weihnachten ist das Team des Café WuT im Einsatz. „Wir machen unglaublich viele Überstunden und kaum Urlaub“, sagt Oliver Grell. Seinen Mut aber verliert er nicht: „Wir ziehen das durch.“