Die Verwirrung um den Busverkehr ist gerade groß. Seit der Sperrung der Mühlentorbrücke am 5. Dezember werden viele Linien über die Rehderbrücke umgeleitet. Vorübergehend haben sie alle Haltestellen angefahren, die an der Umleitung liegen. Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember stoppen die Linien nur noch dort, wo sie auch ohne Umleitung gehalten hätten.
Nur die Linie 5 hält
in der Krähenstraße
Für die Krähenstraße bedeutet das: Dort fahren zwar bis zu 71 Busse pro Stunde durch. Aber es halten nur bis zu zwölf: die Fahrzeuge der Linie 5, die von und nach Eichholz fährt. Dazu gibt es in der südlichen Altstadt noch die Linie 7, die einige Hundert Meter entfernt die Mühlenstraße bedient und zum Berliner Platz fährt.
Wer in die Ratzeburger Allee möchte, kann nur vom Kohlmarkt aus starten. Der Bus fährt dann ohne Halt bis Wasserkunst durch, da zu allem Überfluss die Station Stresemannstraße wegen der Radschnellweg-Baustelle gerade nicht bedient wird. Das sind 1,5 Kilometer ohne Halt. Mit Stresemannstraße wären es 1,1.
Bruno Böhm vom Seniorenbeirat der Hansestadt findet die aktuelle Situation nicht akzeptabel. „Kurz nach der Sperrung habe ich mich über die Flexibilität gefreut, dass alle Haltestellen bedient wurden“, sagt er. Er hat beobachtet, dass die Fahrgäste das gut angenommen hätten. Und jetzt fahren die meisten Busse wieder durch. „Und das, obwohl sich an der Situation nichts geändert hat.“ Er fordert, dass die Busse wieder halten. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ein Problem für den Fahrplan ist.“
Damit spricht er einer Anwohnerin aus dem Herzen. „Würde zumindest die Haltestelle Krähenstraße angefahren, käme man einfacher in die untere Mühlenstraße und die umliegenden Straßen“, schreibt sie. Zudem könne diese Haltestelle andere entlasten, zum Beispiel den Kohlmarkt. „Kleiner Funfact: Die Busse stadteinwärts stehen meist sowieso in unmittelbarer Nähe der Bushaltestelle still, da sie den entgegenkommenden Verkehr abwarten müssen“, sagt sie. Gerade für ältere und gehbehinderte Menschen sei die Situation eine „absolute Zumutung“.
Diese Klientel hat auch Olivia Kempke, Chefin des Lübeck Managements, im Blick. In der Mühlenstraße befinden sich viele Arztpraxen. Für Menschen, die gut zu Fuß seien, sei der Weg von der Haltestelle Kohlmarkt kein Problem – sehr wohl aber für Menschen mit Einschränkungen. „Ein Halt an der Krähenstraße würde helfen“, sagt sie.
Stadt: Haltestellen können viele Linien nicht bewältigen
„Wir sollten die Linien aus meiner Sicht nicht nur in der Krähenstraße, sondern auch in der Hüxtertorallee halten lassen“, sagt Kristin Blankenburg, verkehrspolitische Sprecherin der SPD. Nach der vorzeitigen Schließung der Mühlentorbrücke habe das funktioniert. Natürlich müsse man alle Umstände gründlich überdenken, aber der Mehrwert für die Menschen, die den ÖPNV nutzen, sollte überwiegen.
Die Lübecker Stadtverwaltung hat die Situation ebenfalls bewertet, ist aber zu einem anderen Ergebnis gekommen als Seniorenbeirat und Co. Bei der Vorstellung des neuen Fahrplans hatten die Verantwortlichen bereits darauf hingewiesen, dass sich die Fahrzeiten durch die Umleitungen nicht verlängern sollen. Das gehe nur, wenn die Busse die Haltestellen auf dem Weg nicht bedienen.
Zudem gibt die Stadtverwaltung zu bedenken, dass die Haltestellen Hüxtertorallee und Krähenstraße baulich nur für den Halt von je einem Bus ausgelegt sind. „Daher wurde schon frühzeitig entschieden, dass die umgeleiteten Linien ab dem Fahrplanwechsel dort nicht dauerhaft halten können“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel. „Auch die umgeleiteten Linien aus der Beckergrube halten aus demselben Grund nicht an der Krähenstraße.“
Die verkehrlichen Auswirkungen der Brückensperrung waren auch Thema im Bauausschuss. „Es gibt Probleme an Stellen, an denen man es gar nicht erwartet hat“, sagt Ulrich Brock (CDU). Sein Beispiel: „Die Moltkestraße ist dysfunktional geworden. Der Stau reicht manchmal bis zur Moltkebrücke.“ Über den Berliner Platz zu fahren, versuche er erst gar nicht mehr.
„Die Schließung der Mühlentorbrücke wird von uns in den nächsten Jahren viel Toleranz abverlangen“, sagt Kristin Blankenburg. Bei Problemen müsse nachjustiert werden, indem zum Beispiel Ampelschaltungen oder Abbiegeregelungen angepasst werden. Bis zur Januar-Sitzung des Bauausschusses will die Politik Vorschläge sammeln und dann mit der Verwaltung über mögliche Maßnahmen beraten.