Rauchende Eltern, rauchende Kinder?
Zigaretten und Alkohol in vielen Familien an der Tagesordnung.

Rauchen Eltern häufig im Beisein ihrer Kinder, übernehmen diese oft das Verhalten und werden ebenfalls zu Rauchern.Foto: pixabay (Symbolbild)
Hannover. Eltern, die sich liebevoll kümmern, gesundes Essen, viel Bewegung und frische Luft: So sollten Kinder aufwachsen. Doch was, wenn Mamas Zigarettenqualm zum Alltag gehört und Papas Biere beim Fernsehen selbstverständlich sind? Eine Umfrage der KKH Kaufmännische Krankenkasse unter rund 1000 gesetzlich und privat versicherten Eltern zeigt, dass nicht wenige Kinder in einem Umfeld aufwachsen, in dem der Konsum von Tabak und Alkohol an der Tagesordnung ist: Demnach raucht rund ein Viertel der Mütter und Väter (27 Prozent) Zigaretten, Zigarillos oder Pfeifen. 17 Prozent davon greifen nach eigenen Angaben sogar täglich zum Glimmstängel und sind somit regelmäßige oder sogar starke Raucher. Drei Viertel der befragten Eltern trinken darüber hinaus Alkohol (76,5 Prozent). Jeder Zehnte davon konsumiert täglich oder zumindest mehrmals die Woche Bier, Wein, Sekt oder Hochprozentiges. Bedenklich: Der tägliche Konsum von Alkohol kann ein Indiz für eine Abhängigkeit sein.

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„Wenn Eltern Alkohol und Tabak konsumieren, kann dies nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die körperliche und seelische Entwicklung ihres Nachwuchses stark beeinträchtigen, vor allem, wenn im Beisein der Kinder geraucht und getrunken wird“, betont KKH-Psychologin Franziska Klemm. Denn: Kinder registrieren bereits früh, welche Haltung ihre Eltern gegenüber Suchtmitteln einnehmen und übernehmen entsprechende Verhaltensmuster. Beispielsweise ahmen Kinder bereits ab dem Vorschulalter rauchende Eltern spielerisch nach. Dabei können sich Vorstellungen entwickeln wie: Rauchen ist ungefährlich oder ein normales Verhalten von Erwachsenen. Die KKH-Expertin gibt zu bedenken, dass die Nachkommen von Rauchern später deutlich häufiger selbst zu Rauchern werden als Kinder von Nichtrauchern, vor allem wenn beide Elternteile zu Zigarette und Co. greifen.

Schlüssige Regeln und

offene Gespräche

Ähnliches gilt für den Umgang mit Alkohol. Die Gefahr: Alkohol gilt nach wie vor als Kulturgut, ist leicht verfügbar und gesellschaftlich akzeptiert. Wenn Kinder erleben, dass es normal ist, den Feierabend mit einer Flasche Bier einzuläuten oder den Alltagsstress mit einem Glas Wein hinunterzuspülen, befürworten sie möglicherweise dieses Verhalten, anstatt konstruktive Strategien etwa im Umgang mit Belastungen kennenzulernen.

Um das Risiko für eine Suchterkrankung und gesundheitliche Schäden für ihren Nachwuchs zu reduzieren, sollten Eltern ihre eigene Vorbildrolle reflektieren. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol und Tabak und eine offene Kommunikation können dazu beitragen, dass Kinder eine gesunde Einstellung gegenüber Suchtmitteln entwickeln. Auch in der Jugend bleiben Eltern noch wichtige Vorbilder, auch wenn das soziale Umfeld und der Freundeskreis mit zunehmendem Alter an Einfluss und Bedeutung gewinnen. Eine offene Kommunikation in der Familie ist ebenfalls wichtig, wenn Kinder in der Pubertät Suchtmittel ausprobieren wollen.
„Dieses Austesten ist normal und gehört zum Heranwachsen dazu. Was Jugendliche dann brauchen, ist zum einen die Orientierung durch Regeln und damit verbundene Konsequenzen. Zum anderen benötigen sie aber auch die Gewissheit, mit ihren Eltern über ihre eigenen Erfahrungen sprechen und alle Fragen stellen zu können, die sie beschäftigen“, betont Franziska Klemm.
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