Sicherheit und Sichtbarkeit für die Erstklässler
Schulanfänger in Eutin erhalten Warnwesten von der Bürgerstiftung – Unfälle am häufigsten zwischen 7 und 8 Uhr morgens.

Die Klasse 1e der Gustav-Peters-Schule in Eutin freut sich über die neuen Warnwesten.Fotos: Bend Strebel
Eutin. Erstklässlerin Mia steht neben Polizistin Heike Schmidt. Vor den beiden sitzen die Kinder der Klasse 1e an der Eutiner Gustav-Peters-Schule. Schmidt trägt eine dunkle Polizeijacke, Mia eine neongelbe Warnweste. „Was meint ihr, wer ist besser zu sehen im Dunkeln: Mia oder ich?“, fragt Schmidt. Für die Kinder ist die Antwort klar: „Mia, Mia!“, rufen sie.

Draußen wird es inzwischen immer später hell. Um die Sicherheit und Sichtbarkeit von Erstklässlern auf dem Schulweg zu erhöhen, hat die Bürgerstiftung Eutin insgesamt 158 Warnwesten an Schulanfänger an der Gustav-Peters-Schule überreicht: 65 Warnwesten sind das an der Hauptstelle an der Blauen Lehmkuhle, 66 am Standort Am kleinen See und 27 an der Außenstelle in Fissau.

Diese Zahlen nannte Hans-Ingo Gerwanski aus dem Vorstand der Bürgerstiftung bei einem Termin auf dem Gelände der Kreisverkehrswacht Ostholstein Süd in Eutin. Die Stiftung arbeitet bei der Vergabe der Warnwesten mit der Kreisverkehrswacht und der Präventionsstelle der Polizeidirektion Lübeck zusammen. Letztere kümmert sich in Ostholstein auch um den Verkehrsunterricht.

Im gesamten Kreisgebiet haben die Verkehrswacht und die Bürgerstiftung in diesem Jahr rund 1800 Westen an alle Ostholsteiner Erstklässler verteilt. Davon entfielen 1100 auf das Gebiet der Verkehrswacht Ostholstein Süd und 700 auf Ostholstein Nord. Die Kosten liegen laut Gerwanski bei rund 4000 Euro. Eine Summe, bei der jeder Euro richtig eingesetzt scheint.

Roland Hamann von der Kreisverkehrswacht präsentiert eine Statistik, die die Dringlichkeit unterstreicht: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verunglückten im vergangenen Jahr bundesweit 29.270 Kinder im Alter von bis zu 15 Jahren im Straßenverkehr. In Schleswig-Holstein waren es laut Zahlen der Landesregierung 1366 Kinder. Im Jahr 2024 waren es 1247 Fälle.

Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren kämen laut der Bürgerstiftungsvorsitzenden Ingrid Berger am häufigsten in der Zeit von 7 bis 8 Uhr „im Straßenverkehr zu Schaden“. Gerwanski spricht den naheliegenden Schluss aus: Die Unfälle passieren vor allem auf dem Weg zur Schule.

Heike Schmidt von der Polizeidirektion Lübeck setzt sich seit rund zwei Jahrzehnten ehrenamtlich dafür ein, dass die Jüngsten unter den Schülerinnen und Schülern sicherer auf den Straßen unterwegs sind. Auf dem Verkehrsübungsplatz der Verkehrswacht in Eutin – direkt neben dem Schulstandort Am kleinen See – trainiert die Polizistin mit den Erstklässlern unter anderem das Fahrradfahren.

Die Bedeutung der Warnwesten verdeutlicht Schmidt mit Zahlen: „Ein dunkel gekleidetes Kind ohne Reflektoren sieht man auf fünf bis sieben Meter Entfernung. Ein hell gekleidetes Kind bei 20 bis 30 Metern – und Reflektoren sieht man schon ab 100 Metern.“ Autofahrer nähmen so die reflektierenden Streifen wahr, noch bevor das Kind selbst zu erkennen sei.

Sie betont: „Kinder sind so viel besser zu sehen, wenn sie Warnwesten haben.“ Die Expertin wünscht sich deswegen, dass die Kinder die erhaltenen Westen künftig auch tragen und diese nicht in der Schublade verschwinden.

Auf die Frage, was sich in den vergangenen Jahren im Verkehrsunterricht verändert habe, antwortet die Polizistin: „Viele zielen immer auf die Motorik ab“, antwortet sie. „Aber ich finde, dass das nicht der Fall ist.“

Es gebe „fahrradaffine Familien, das Mittelfeld“ und Familien, die nicht so viel mit ihren Kindern unterwegs seien. „Aber das gab es schon immer.“ Sie weist darauf hin, dass es heute umso wichtiger sei, den Kindern ein Gespür für „mehr Rücksicht und Miteinander“ beizubringen. Das gelte im gesamten Leben und eben auch im Straßenverkehr.
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