Stadt Eutin geht gegen Nutrias
im Schlossgarten vor
Stadtjäger Alexander Decius hat bereits Fallen bestellt – Jagd könnte bald durch Gesetzesänderung erleichtert werden.

Ein junges Nutria sucht den Schutz bei einem älteren.Symbolfoto: Harald Tittel/dpa
Eutin. Im ersten Hauptausschuss der Stadt Eutin nach der Sommerpause ging es tierisch zu. „Ist der Stadt bekannt, dass Nutrias im Schlossgarten sind und konkret am Schloss?“, fragte CDU-Ausschussmitglied Malte Kuhr. Ihm und seiner Fraktion lägen Fotos als Belege vor.

Die als invasiv geltenden Nutrias, auch Biberratten genannt, können bis zu zehn Kilogramm schwer und bis zu 65 Zentimeter lang werden. Sie hatten sich zuletzt auch in Schleswig-Holstein rasant ausgebreitet.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Mathias Rachfahl wollte wissen: „Was passiert überhaupt, wenn Nutrias da sind, und was richten sie an?“ Für den Fall, dass Handlungsbedarf bestehe, fragte Rachfahl zudem nach der Zuständigkeit.

Die sieht die Stadt Eutin bei sich. Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt teilte auf Nachfrage mit, dass Nutrias „im Schlossgarten und an anderen Orten gesichtet“ worden seien. „Sie bevorzugen Wurzeln und Triebe, können Böschungen beschädigen, Krankheiten übertragen.“ Auch im Löschteich in Eutin-Fissau haben sich Tiere angesiedelt.

Der Fachdienst Tiefbau und Grünanlage habe Kontakt mit dem Stadtjäger aufgenommen. Dieser werde sich, so Stein-Schmidt, „um das Problem kümmern“.

Das Amt des Stadtjägers in Eutin hat seit Kurzem Alexander Decius inne. Für ihn ist klar: Nutrias werden „ein Dauerthema bleiben“. Auch in Eutin habe sich deren hohe Vermehrungsrate längst bemerkbar gemacht. Der harte Winter in diesem Jahr habe daran nicht nachhaltig etwas geändert. So seien die Tiere etwa am Kellersee bereits verbreitet. Im Februar war es dort zu einem Kampf zwischen einem Nutria und einem Hund gekommen, der sogar einen Einsatz der Feuerwehr ausgelöst hatte. Vor knapp zwei Jahren war in Haffkrug ebenfalls der Stadtjäger auf Nutria-Jagd gegangen.

Im Eutiner Schlossgarten muss man die Tiere dagegen derzeit noch suchen. Wenn es nach Decius geht, bleibt die Population dort überschaubar. Sein Ziel: „Wir wollen am Ende nicht 200, sondern vielleicht nur 15 Nutrias im Schlossgarten haben.“

Der Stadtjäger hat Fallen bestellt, mit denen er die Tiere fangen möchte. Er kündigt an, im Schlossgarten auch mit der Schusswaffe Jagd auf Nutrias zu machen, sofern das mit den Sicherheitsvoraussetzungen vereinbar ist.

Decius nennt als Motiv für das Vorgehen unter anderem „gebäudestatische Gründe“. Er sagt: „Nutrias sind keine Ratten. Die können bis zu zehn Kilogramm schwer werden. Sie können sich vorstellen, was für Löcher die graben können.“

Der Stadtjäger spricht in diesem Zusammenhang sogar ausdrücklich vom Schutz des Schlosses selbst. Denn das befindet sich direkt am Wasser, an dem sich auch Nutrias wohlfühlen.

Das Landwirtschaftsministerium hatte im Juni auf Anfrage der SPD-Fraktion mitgeteilt, dass es in den vergangenen fünf Jahren keinen einzigen dokumentierten, speziell von Nutrias verursachten Schaden gegeben habe.

Dementgegen hatten Jäger im Kreis Stormarn von Schäden an Klär- und Abwasseranlagen berichtet, die sie auf Nutrias zurückführten.

In Schleswig-Holstein dürfen Nutrias ganzjährig bejagt werden. Eine Ausnahme gibt es für Muttertiere. Denn solange Jungtiere noch auf das Muttertier angewiesen sind, darf dieses nicht erlegt werden.

Genau diese Einschränkung könnte allerdings künftig entfallen. Ein aktueller Gesetzesantrag von CDU und Grünen im Land zielt darauf ab, das Landesjagdgesetz zu ändern. Eine der geplanten Änderungen betrifft den Elterntierschutz für Nutrias. Dieser soll künftig entfallen. Die Tiere könnten dann tatsächlich uneingeschränkt das gesamte Jahr über bejagt werden.

Alexander Decius ist in Eutin aktuell noch an die geltenden Vorgaben gebunden. Ob Jungtiere noch auf ein Muttertier angewiesen seien, könne er erkennen, sobald er dieses in einer Falle habe. BES

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