„Wir werden im Stich gelassen“
Warum die Neuordnung der Feuerwehrstandorte in Ostholstein so schwierig ist.

Bosaus Wehrführer Andreas Riemke steht vor dem Feuerwehrhaus in Thürk, das er mit aufgebaut hat – vor mittlerweile 40 Jahren.Fotos: Dirk Schneider
Bosau. Viele Freiwillige Feuerwehren in Ostholstein stehen vor großen Herausforderungen. Die meisten Gerätehäuser sind mehr als 50 Jahre alt und entsprechen längst nicht mehr den heutigen Anforderungen: Fahrzeughallen sind zu klein für immer größere Einsatzfahrzeuge, die technische Ausstattung hat sich grundlegend verändert, Umkleiden und Sanitärräume erfüllen aktuelle Arbeitsschutzvorgaben nicht. Zugleich sinkt die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, und das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt.

In vielen Städten und Gemeinden wächst deshalb der Druck, bestehende Strukturen grundsätzlich zu überdenken. Zahlreiche Kommunen prüfen, ob anstelle mehrerer kleiner Feuerwehrstandorte künftig weniger, dafür modern ausgestattete Feuerwehrhäuser entstehen könnten. Bei der Umsetzung dieser Zukunftsplanungen stoßen Kommunalpolitiker und Feuerwehrleute allerdings oft auf unerwartete Probleme.

Ein Paradebeispiel ist die Gemeinde Bosau. Im Herbst 2022 beschloss die Gemeindevertretung den neuen Feuerwehrbedarfsplan, den die Wehrführung zuvor mehr als zwei Jahre lang erarbeitet und abgestimmt hatte. Dieses Konzept sieht vor, die Einsatzbereiche so zu strukturieren, dass die Ortswehren von acht auf fünf reduziert werden können. Dafür sollen an fünf neuen Standorten neue Feuerwehrhäuser entstehen.

Doch passiert ist bisher wenig. „Wie lange soll das jetzt noch dauern, bis wir mit dem Bau des ersten Feuerwehrhauses beginnen?“, fragt Gemeindewehrführer Andreas Riemke im Geschäftsausschuss der Gemeinde. Eigentlich sollte das neue Domizil für die Feuerwehren Liensfeld-Kiekbusch und Braak bereits seit einem Jahr auf der grünen Wiese stehen. „Doch tatsächlich wir wissen noch nicht einmal, ob wir da überhaupt bauen dürfen“, sagt Riemke. Stattdessen fordere die Landesplanung, dass Alternativplanungen aufgestellt und nachgebessert würden. „Wenn das so weitergeht, werden wir 2027 kein einziges neues Haus haben und 2028 auch nicht“, sagt Riemke. „Wir werden vom Kreis und vom Land im Stich gelassen.“

Die Wehren selbst seien allerdings schon dabei, die Planungen umzusetzen. So habe sich die Ortswehr Majenfelde-Quisdorf vor zwei Monaten aufgelöst, deren Mitglieder seien geschlossen in die Ortswehr Thürk eingetreten, erklärt Riemke. Und auch in Liensfeld-Kiekbusch und Braak würde an einer Fusion gearbeitet.

Offene Fragen auch bei anderen Bauplätzen: Für das Grundstück zwischen der Brook’schen Uferwiese und der Schafskoppel unterhalb des Löjaer Bergs, das für den Neubau der Wehr Bosau-Kleinneudorf vorgesehen ist, gebe es noch nicht einmal eine Pachtschätzung, kritisiert Bürgermeister Jens Arendt (CDU).

Und auch bei den Kostenschätzungen für die Baumaßnahmen selbst hänge man vollkommen im luftleeren Raum. Arendt betont, dass die Gemeindevertretung alle notwendigen Beschlüsse gefasst und auf den Weg gebracht habe. „Es ist frustrierend, hier zu sitzen und solche Dinge erklären zu müssen.“

Der Ausschussvorsitzende Burkhard Klinke (SPD) sieht nach fast vier Jahren vor allem die Amtsverwaltung in der Pflicht. „Man hört immer nur: ‚Das Projekt ist in Arbeit‘“, sagt Klinke. „Aber wir hätten gerne konkrete Zeitfenster, um die Dinge einordnen zu können.“ Diese Anfrage beziehe sich auf die Umsetzung der Planung, des Bauens und der Fertigstellung der Feuerwehrhäuser.

Eine weitere Frage: Wäre es angesichts der demografischen Entwicklung der Gemeinde möglicherweise sinnvoll, die Wehren auf drei Standorte zu reduzieren? Hintergrund: Die Bevölkerungszahl sei mit derzeit 3443 Einwohnern zwar konstant, weise aber ein überdurchschnittlich hohes Durchschnittsalter von 48 Jahren auf. „Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist älter als 50 Jahre“, betont Klinke.

Die personelle Situation schätze er noch als gut ein, antwortet Riemke. „Um die Sollstärke zu erreichen, benötigen wir 215 Aktive. Aktuell haben wir 211.“ Es werde allerdings immer schwieriger, die Kameraden für eine besonders wichtige, aber auch körperlich sehr anstrengende Aufgabe zu begeistern. „Uns fehlen Atemschutzgeräteträger“, sagt Riemke. 72 sollten es sein, 48 sind es. Unter der Woche zu den normalen Arbeitszeiten seien es 16. „Das reicht für ein großes Feuer“, erläutert Riemke.

Bei größeren Einsätzen sei man daher auf nachbarschaftliche Löschhilfe angewiesen. „Aber das ist ein ständiges Auf und Ab“, betont Riemke. Und im Gegenzug unterstütze man natürlich auch die Nachbarn.

Diese überörtlichen Hilfeleistungen gehören vielerorts zum Alltag. Und aus geografischer Sicht scheint es vernünftig, dass eine Wehr, die beispielsweise ihren Standort am Stadtrand hat, unabhängig von Gemeindegrenzen eingesetzt wird. Doch prinzipiell kann die gesetzliche Grundzuständigkeit der jeweiligen Kommune nicht ersetzt werden.

Eine Reduzierung auf drei Standorte sei aufgrund der aktuellen Gesetzeslage nicht möglich, erklärt Riemke. Denn die Gemeinden seien grundsätzlich selbst für den örtlichen Brandschutz verantwortlich und müssten sicherstellen, dass die vorgeschriebenen Hilfsfristen durch die eigenen Ortswehren eingehalten werden können. dis

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