Dorfwehr Griebel-Vinzier mussdringend nach Lösungen suchen
Zwei Zimmer, Küche, Klo auf dem Gang: Das veraltete Gerätehaus ist ein großes Manko bei der Suche nach Freiwilligen.

Die kleine Ortsfeuerwehr Griebel-Vinzier in der Gemeinde Kasseedorf muss mit beengten Verhältnissen zurechtkommen, und es fehlen Aktive. Auch die Werbeaktion mit einem „Löscheimer“ hat der Wehr nicht viel mehr Zulauf gebracht.Fotos: Markus Billhardt
Kasseedorf. Zwei Zimmer, Küche und Toilette auf dem Gang, das beschreibt das Gerätehäuschen der Feuerwehr Griebel-Vinzier ganz gut. Dabei sieht das kleine Gebäude in Vinzier, zwischen Neustadt und Eutin, optisch ganz hübsch aus. Aber die Fassade täuscht: Moderne Standards sind etwas anderes. „An der Motivation der Kameraden liegt es nicht, sondern an den Gesamtumständen“, begründet Kasseedorfs Gemeindewehrführer Lennart Hamel, warum die Freiwilligensuche der Ortswehr schwierig und eine Pflichtabteilung fast unumgänglich ist.

„Die Feuerwehr-Unfallkasse war gerade erst wieder da und hat sich die Situation angeschaut. Es liegt mehr im Argen als nur die Mannschaftsstärke. Aber da beißt sich die Katze in den Schwanz. Wie sollen wir bei den Voraussetzungen Leute motivieren, in die Feuerwehr einzutreten?“, fragt sich Hamel. Beim Gang durch die Räume zeigt er, dass die Umkleide vorher der Gruppenraum war und eines von zwei Einsatzfahrzeugen gerade so in die Halle passt.

Das Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser (TSFW) von 2001 sei vor drei Jahren generalüberholt worden und habe einen neuen Aufbau bekommen. „Es ist zwar in die Jahre gekommen, aber Fahrgestell und Motor sind noch voll in Ordnung“, erklärt der Brandschützer. Sie hätten über ein neues Einsatzfahrzeug nachgedacht, aber: „Die modernen 7,5-Tonner gehen nicht einfach hinein.“ Ein zweites Gefährt stehe in Griebel bei einem Kameraden – ein gebrauchter Feuerwehr-Unimog aus Niedersachsen.

Beim Umbau des TSFW benötigte die Wehr Griebel-Vinzier Ersatz. Da ihr Einsatzbereich mitten in der größten zusammenhängenden Waldfläche in Ostholstein liege und sie kein geländegängiges Feuerwehrfahrzeug in der ganzen Gemeinde gehabt hätten, fiel die Wahl auf den Unimog. „Dieser hat einen Aufbau mit 1800 Litern Wasser und eine fest eingebaute Heckpumpe. Außerdem haben wir Material für Vegetations- und Waldbrandbekämpfung draufgepackt“, erklärt Hamel und betont: Die Gemeinde tue alles für die Wehr.

Dennoch kommt Griebel-Vinzier bei der Lösung der Probleme nicht voran. Die Gemeinde ist seit fast sechs Jahren dabei, ein Grundstück für einen Neubau zu finden. Vinzier sei einsatztaktisch ungünstig gelegen und stehe daher nicht mehr zur Debatte, sagt Hamel. Im Bereich Griebel sei ein erstes Grundstück aufgrund der Außenlage abgelehnt worden. Eine Handvoll Alternativen später gab es im Ort eine Fläche. Allerdings haben die Behörden auch dort bestimmte Vorstellungen.

Für die Oberflächenentwässerung soll am neuen Gerätehaus auch ein Regenrückhaltebecken entstehen. „Das ist nicht machbar. Wir haben ein Grundstück von knapp 3500 Quadratmetern. Wo sollte dann noch ein Gebäude mit zwei Stellplätzen, modernen, geschlechtergetrennten Umkleiden und sanitären Anlagen sowie ein Büro hin?“, macht der Gemeindewehrführer deutlich. „Wir wissen, was wir bauen wollen, es hängt an den Vorgaben.“ Die Situation sei demotivierend für alle.

Gut ein Dutzend Aktive hat die Ortswehr Griebel-Vinzier. Die Sollstärke-Vorgabe liegt bei 27. Zwei Neue sind dazugekommen. Sie sind aber noch in der Ausbildung „und noch nicht einmal eingekleidet“, ergänzt Lennart Hamel. So kommt jetzt zu allem Ärger über die Umstände noch die Pflichtabteilung hinzu. Dazu hat Hamel die Satzung umgeschrieben und erweitert: „Wir haben es ehrlicherweise bereits Jahre vor uns hergeschoben. Es ist schon lange eng. Es arbeitet kaum noch jemand auf dem Dorf und ist vor Ort.“

Mithilfe der Amtsverwaltung Ostholstein-Mitte in Schönwalde werde bald geprüft, wer in den Kasseedorfer Ortsteilen Griebel, Vinzier und Holzkaten überhaupt in einem verpflichtbaren Alter und geeignet sei. Personen, bei denen es keine Hinderungsgründe gibt, werden angeschrieben und zum Gespräch geladen. Lennart Hamel hofft aber, dass sich vielleicht doch lieber jemand freiwillig für das Ehrenamt meldet, bevor er verpflichtet wird.

Die Zahl der Einsätze ist zumindest überschaubar. In normalen Jahren gibt es in der ganzen Gemeinde im Schnitt 25 bis 30 Einsätze. „Aktuell liegen wir bei sechs“, betont der Gemeindewehrführer. Es gebe keine Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen und er könne sich an keinen vollgelaufenen Keller in den vergangenen 15 Jahren erinnern. „Wir haben immer mal wieder Flächenbrände, wie alle anderen auch. Mal sei eine Ölspur oder ein Baum auf der Straße. Ab und zu würden sie zum Verkehrsunfall gerufen. „Das ist alles überschaubar.“ mb

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