Warum Städte im Herbst so beliebt sind
Die Jahreszeit ist in vielen europäischen Metropolen keinesfalls das Ende der Saison, sondern eher ihr Beginn

Ein Muss für Schottland-Reisende: Edinburgh Castle, hier bei Sonnenuntergang. Foto: SEREDA Tomas/Adobe Stock
Knapp jeder zweite Deutsche hat laut einer Studie der Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung (GIK) im Jahr 2025 mindestens eine Kurzreise unternommen – mehr als die Hälfte davon als Städtetrip. Der Trend hält an, doch die Reisegewohnheiten verändern sich: Immer mehr Menschen meiden bewusst die Hochsaison und legen ihre Kurzreisen in den Herbst

Warum, liegt auf der Hand. Im September und Oktober entspannen sich die Verhältnisse in vielen europäischen Städten spürbar. Die Schlangen vor Sehenswürdigkeiten werden kürzer, Flüge und Unterkünfte oft günstiger. Wer verreisen möchte, ohne die typischen Begleiterscheinungen der Hauptsaison in Kauf zu nehmen, findet im Herbst meist die besseren Bedingungen.

Denn in vielen europäischen Metropolen markiert diese Jahreszeit nicht das Ende, sondern den eigentlichen Beginn der kulturellen Saison. Theater und Opernhäuser eröffnen ihre Spielzeiten, Konzerthäuser starten neue Reihen, Museen zeigen aufwendige Herbstausstellungen statt sommerlicher Übergangsprogramme.

Wer Städte nicht nur als schöne Kulisse, sondern als kulturellen Erfahrungsraum begreift, reist im Herbst zur richtigen Zeit. Im Norden Europas entfaltet die Jahreszeit dabei ihren ganz eigenen Reiz. Kopenhagen etwa gilt als eine der besucherfreundlichsten Städte Europas. Gerade im Herbst läuft die Restaurantszene zu Hochform auf. Die New-Nordic-Küche, mit der die Stadt international bekannt wurde, denkt und kocht saisonal: Fermentiertes, Gepökeltes, Wurzelgemüse und Wild prägen dann die Menüs.

Wer lieber weiter östlich und abseits der klassischen Routen unterwegs ist, findet im Baltikum mit Tallinn, Riga und Vilnius Städte, die im Herbst fast noch einladender wirken als ohnehin schon. Die Altstädte, größtenteils Unesco-Weltkulturerbe, lassen sich hervorragend zu Fuß erkunden. Unterkünfte und Gastronomie sind oft deutlich günstiger als in Westeuropa, zugleich ist das Kulturleben in allen drei Hauptstädten lebendiger, als ihr vergleichsweise geringer Bekanntheitsgrad vermuten lässt.

Auch Schottland ist im Herbst ein lohnendes Ziel – vielleicht gerade deshalb, weil dort selbst schlechtes Wetter zum Erlebnis gehört. Edinburgh nach dem Fringe Festival, mit laufendem Museumsbetrieb und dem atmosphärischen Gassengewirr rund um die Royal Mile, entwickelt in dieser Jahreszeit eine Qualität, die sich im Trubel des Hochsommers kaum erschließt.

Und schließlich zählt auch die Anreise. Besonders reizvoll werden Städtereisen, wenn die Ziele bequem zu erreichen sind: Dresden, Bremen und Brüssel etwa per Bahn oder Direktflug, Wien, Amsterdam und Paris in nur wenigen Stunden.

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