Der Ausbau der Rad- und Fußwege soll unter anderem verhindern, dass die Innenstadtstraßen durch Autos überlastet werden. Die Rechnung: Wenn mehr Menschen für Wege innerhalb der Stadt das Rad und den ÖPNV nutzen – oder zu Fuß gehen –, verbleiben die Straßen und Parkplätze für Pendler, Konzertbesucher oder Touristen.
Erster Zwischenstand
für ein neues
Verkehrskonzept
Ideen, mit denen dieses Vorhaben umgesetzt werden könnte, hat die Innovationsberatung „team red“ erarbeitet. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung präsentierte Unternehmensgründer Bodo Schwieger einen ersten Zwischenstand des neuen Verkehrskonzeptes.
Der Verkehrsingenieur riss dabei einige Ideen an, die in der Eutiner Stadtpolitik bereits in der Vergangenheit Thema waren. Darunter: die Einrichtung einer durchgängigen Tempo-30-Zone in der Elisabethstraße oder die Ausweisung der Straße Am Rosengarten als Fußgängerzone.
Fußweg unterm
Tunnel ist zu schmal
Ein neuer Impuls von „team red“ zielt auf die Sicherheit von Fußgängerinnen und Fußgängern in Eutin ab. Schwieger regte im Ausschuss an, dass durch die Unterführung in der Albert-Mahlstedt-Straße künftig kein Pkw-Verkehr mehr rollen könne.
Er und sein Team hätten Befragungen entnommen, dass sich Bürgerinnen und Bürger im Bereich der Unterführung als Fußgänger nicht sicher fühlten. Schwieger erklärte das damit, dass die Fußwege links und rechts unter dem kurzen Tunnel deutlich zu schmal, in seinen Worten „kriminell eng“, seien. Ein Rollstuhl passe etwa nur auf den Millimeter genau auf den Gehweg.
Welche Folgen hätte
ein Pkw-Aus für
den Supermarkt?
„Wir haben dort eine Situation, die auf keinen Fall genehmigungsfähig wäre, wenn man sie neu bauen würde.“ Daraus resultiere der Vorschlag, den Pkw-Verkehr aus der Unterführung „herauszunehmen“. Busse und Rettungswagen im Einsatz sollen den Streckenabschnitt jedoch weiter passieren dürfen.
Die Reaktionen der Eutiner Fraktionen fielen gemischt aus. So gab Matthias Rachfahl, Fraktionsvorsitzender der CDU in Eutin, zu bedenken: „Man müsste in jedem Fall genau prüfen, was durch eine solche Sperrung abgeschnitten würde.“
Christian Schulz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP, nannte in diesem Zusammenhang etwa den Edeka-Markt in der Freischützstraße, der durch eine Sperrung der Unterführung schwieriger zu erreichen wäre.
Auch der Grünen-Fraktion zufolge sei zu klären, inwiefern sich durch eine Sperrung die Fahrwege und der Zugang zum Edeka-Markt verändern. „Die Lösung muss verträglich sein“, sagte Fraktionsvorsitzende Monika Obieray. Die Grünen halten den Vorschlag für „diskussionswürdig“, da durch das vorgeschlagene Modell „die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrende beträchtlich erhöht würde“, sagt Obieray.
Taugt für Eutin ein
„Shared Space“-Konzept?
Für die SPD verweist Dimitrios Iatropoulos, Mitglied des Ausschusses für Stadtentwicklung, auf die angemahnte Situation von Rollstuhlfahrern auf dem Gehweg. „Das ist für eine Stadt im Hinblick auf die Gleichstellung keine gute Visitenkarte.“ Er befürworte, dass der Vorschlag zunächst eine Diskussion anrege. Fragen der Erreichbarkeit müssten aber auch der SPD zufolge geklärt werden. Die Freien Wähler lehnen eine grundsätzliche Sperrung der Unterführung für den Pkw-Verkehr ab und schlagen stattdessen ein sogenanntes „Shared Space“-Konzept vor. Bei diesem in den Niederlanden viel genutzten Modell nutzen alle Verkehrsteilnehmer einen öffentlichen Straßenraum gleichberechtigt und ohne strenge Trennung. Bei der Vorstellung des Gesamtverkehrskonzepts handelte es sich um eine erste Lesung. Die Ideen und ihre mögliche Ausgestaltung befinden sich erst am Anfang.