Eutins Wiesen wachsen jetzt vorerst wild
Stadt setzt für Arten- und Klimaschutz auf extensive Bewirtschaftung.

Eine Rasenfläche im Eutiner Seepark. Foto: Stadt Eutin
Eutin. Dieser Einsatz für Artenvielfalt zeigt sich im Stadtbild: In Eutin wachsen die Wiesen derzeit wilder und höher als sonst. Die Grünflächen können auf diese Weise eine wichtige Funktion für tierische Stadtbewohner erfüllen. Denn Schmetterlinge, Wildbienen und Insekten finden im hohen Gras wichtige Rückzugsorte.

„Aktuell entfaltet sich die Natur in ihrer ganzen Vielfalt“, sagt Eutins Bürgermeister Sven Radestock (Grüne). „Viele Pflanzen beginnen zu blühen und bieten Nahrung für zahlreiche Insekten. Würden die Flächen jetzt gemäht, gingen diese wichtigen Lebensräume verloren, bevor sie sich überhaupt entwickeln könnten. Deshalb setzen wir jetzt auf dieses neue Konzept.“ Erst Ende des Monats solle nun das nächste Mal gemäht werden.

Die Herangehensweise ist Teil eines extensiven Bewirtschaftungsmodells. Das heißt in diesem Fall: Die Wiesen in der Stadt werden nur noch zweimal im Jahr gemäht, einmal im Juni und einmal „später im Jahr“, wie die Stadt angibt. Eutin möchte durch die gezielte Förderung der Habitate dem Rückgang von Insektenarten entgegenwirken, der seit Jahren zu beobachten ist.

Die wilden Wiesen dienen auch dem Klimaschutz. Bei höherer Vegetation speichert der Boden mehr Feuchtigkeit, die wiederum an warmen Tagen Kühlung gewährleistet. Dadurch, dass die Stadt die Grünflächen nun seltener mäht, kommen Mähmaschinen seltener zum Einsatz. „Das spart Energie und verringert Emissionen sowie Lärm“, teilt die Stadt mit.

Bei den Eutinerinnen und Eutinern wirbt Bürgermeister Radestock um Verständnis für das neue Aussehen der Wiesen: „Dieses Erscheinungsbild ist gewollt. Es ist ein sichtbares Zeichen für mehr Natur mitten in der Stadt.“

Auch an anderer Stelle ist in Eutin die Stadtbegrünung Thema. So wurden die Straßenbeete an der Ampelanlage in der Albert-Mahlstedt-Straße neu bepflanzt. Die bisher dort wachsenden Rosen hätten in den vergangenen Jahren unter den Bedingungen am Straßenrand gelitten. Insbesondere Trockenheit, Streusalz und Verkehrsteilnehmer, die über die Beetkanten fuhren, setzten den Pflanzen zu.

Der Fachdienst Tiefbau und Grünanlagen hat das Beet nun vollständig neu angelegt, eine Drainageschicht und ein angepasstes Substrat verbaut. In den Beeten sollen künftig Pflanzen wachsen, die besser mit salzhaltigen Böden, Hitze und Trockenheit zurechtkommen. Die Stadt bezeichnet das Vorgehen als Pilotprojekt. bes
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