Timmendorf: Rauchverbot
am Strand kommt nicht
SPD-Antrag scheitert im Tourismusausschuss – Scharbeutz bietet zwei rauchfreie Abschnitte –Grömitz entschied sich dagegen.

Rauchen am Strand ist ein Streitthema. Dabei geht es nicht nur um achtlos weggeworfene Zigarettenkippen, auch der Qualm stört manche Besucher an der Küste.Fotos: Carsten Rehder/dpa
Timmendorfer Strand. Auf dem Sand liegen oder im Strandkorb sitzen und sich entspannt eine Zigarette anstecken: Diesen Zeitvertreib wissen Raucher zu schätzen, die Nichtraucher nebenan aber eher nicht. Für Gesundheits- und Umweltschutz wollten die Sozialdemokraten in Timmendorfer Strand deshalb ein Rauchverbot an allen Stränden in Timmendorf und Niendorf durchsetzen – und sind damit gescheitert.„Das Rauchen von Tabakprodukten (...) wird an sämtlichen öffentlichen Strandabschnitten der Kommune grundsätzlich untersagt.“ Das ist der Kern des Antrags, den die Vertreter der SPD Timmendorfer Strand während der jüngsten Sitzung des Tourismusausschusses vortrugen. Die Argumente der SPD: Schutz vor dem Passivrauchen, Umweltschutz und Sauberkeit an den Stränden und höhere Attraktivität der Timmendorfer Strände. Denn immerhin rauchen laut Bundesgesundheitsministerium nur noch 20 Prozent der erwachsenen Deutschen.

„Rauchen am Strand kann massiv nerven“, räumte der Ausschussvorsitzende Ingo Menke-zum Felde (CDU) ein. Ein generelles Rauchverbot sei jedoch schwer umsetzbar. „Wer soll das denn überprüfen?“, fragte Gisela Steinhardt (FDP). Der kommunale Ordnungsdienst (KOD), schlägt die SPD in ihrem Antrag vor. Dessen Mitarbeiter seien bereits jetzt überlastet, meinte Stephan Muuss vom Ortsverband der Niendorfer Strandkorbvermieter.

Es gebe so gut wie keine Beschwerden über Raucher am Strand, ergänzte Marcus Bade, Vorsitzender des Landesverbandes der Strandkorbvermieter. Bade vermietet mehr als 100 Strandkörbe in Timmendorf und Scharbeutz. „Wir sehen keinen Bedarf für ein Rauchverbot und verteilen Strandaschenbecher“, sagte er. „Außerdem ringen die Orte um Tagesgäste, und mit einem solchen Verbot verlieren wir Besucher.“

Am Ende hat die Mehrheit im Ausschuss den SPD-Antrag abgelehnt. „Das Thema ist es aber wert, dass wir darüber diskutieren“, sagte Jan Karthäuser (Grüne). Stephan Muuss kündigte an, mit den Strandkorbvermietern zu sprechen, um zu erfahren, ob ein Vermieter freiwillig einen rauchfreien Strandabschnitt einrichten möchte.

In Scharbeutz gibt es zwei rauchfreie Strandabschnitte, Nr. 23 und Nr. 24. Die Strandkorbvermieterin Gabriele Alff hat diese rauchfreien Zonen vor vier Jahren eingeführt und sie als Erfolgsgeschichte bezeichnet.

Ähnliche Überlegungen gab es 2025 auch in Grömitz, Kellenhusen und Neustadt. Der Grömitzer Tourismusausschuss habe sich dagegen entschieden, berichtet Tourismuschef Manfred Wohnrade. „Auf unseren Spiel- und Sportflächen am Strand ist das Rauchen ohnehin untersagt.“ Zudem dürften Strandkorbvermieter ihre Fläche als rauchfreie Zone ausweisen, wenn sie wollten.

In Kellenhusen sei das Thema Nichtraucherstrand bei einer Gästebefragung zu wichtiger Infrastruktur nur auf Platz 29 von 38 gelandet, sagte der dortige Tourismuschef Raymond Kiesbye. Es sei zudem schwierig, die Strandkorbvermieter zu zwingen, rauchfreie Strandabschnitte auszuweisen. „Letztendlich ist der Strand in Kellenhusen auch nicht so groß, dass freie Flächen als Ausgleich zur Verfügung stünden.“

In Pelzerhaken wagen die Verantwortlichen in dieser Saison hingegen einen Versuch. „Ein Abschnitt links der Seebrücke wird als Nichtraucherstrand angeboten“, sagte Stephan Reil vom Tourismus-Service Neustadt. „Allerdings auf freiwilliger Basis. Wir haben niemanden, der das kontrollieren könnte.“

Andernorts haben die Nikotin-Gegner längst gewonnen. Rauchfreie Strände oder Strandabschnitte gibt es beispielsweise auf Langeoog seit 2006, in Göhren auf Rügen seit 2009, in Wyk auf Föhr und in Eckernförde. saj
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