Dänisch lernen: Wie und wo geht das in Ostholstein?
Kurse an vier Volkshochschulen im Kreis – Angebot für Auswanderer in Dänemark ist wesentlich größer.

Juliane Holm (re.) unterrichtet Dänisch an der Vhs Eutin. „Locker sein, nicht verkrampfen“, lautet einer ihrer Tipps.Fotos: Sabine Jung
Ostholstein. „Har I noget at fortolde?“ Langsam liest Juliane Holm diese Frage vor und blickt auf. „Hier geht es um eine Situation an der Grenze“, erklärt sie. „Ein Zollbeamter fragt, ob jemand etwas zu verzollen hat.“ Ihre Schüler blicken auf den Text. „Nej, det har vi ikke“, lautet die Antwort: „Nein, das haben wir nicht.“ Willkommen im Dänisch-Kursus der Volkshochschule (Vhs) Eutin – eine der wenigen Möglichkeiten in Ostholstein, die Sprache des Nachbarlandes zu lernen.

„Ich habe mich vor über 30 Jahren in einen Dänen verliebt, und der sprach weder Deutsch noch Englisch“, berichtet Juliane Holm. Deshalb hat sie Dänisch gelernt, das in ihrer Familie ohnehin bereits gesprochen wurde. Die große Liebe war nach drei Jahren vorbei, die dänische Sprache blieb. „Ich habe nebenbei unterrichtet“, sagt Juliane Holm, „und als ich 2022 an der Vhs Eutin nachfragte, ob Bedarf bestehe, bin ich offene Türen eingerannt.“

Vier Volkshochschulen
im Kreis bieten Kurse an

Dänisch-Dozenten sind offenbar Mangelware im Kreis, entsprechend überschaubar ist das Angebot an Kursen. Die Volkshochschulen in Oldenburg, Neustadt und eben Eutin haben welche im Programm – sowie die Vhs Ratekau, an der Birgit Reuter Dänisch unterrichtet. „Man findet hier kaum Lehrer“, sagt auch die gebürtige Dänin, die Anfang der 1970er-Jahre aus Liebe zu ihrem Mann Fritz nach Deutschland zog.

Birgit Reuter hat ihren Kursus vor 20 Jahren begonnen, er sei fortlaufend, erklärt sie, und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer könnten sich in Alltagsdänisch ausdrücken. Neue Schülerinnen und Schüler seien willkommen, „aber für Anfängerinnen und Anfänger ist der Kursus nicht geeignet“.

„Bukser, nederdele, skjorter, bluser, sokker og untertøj.“ Im Unterrichtstext von Juliane Holm in Eutin ist der Koffer an der Grenze geöffnet worden, der Inhalt: „Hosen, Röcke, Hemden, Blusen, Socken und Unterwäsche.“ Sie erläutert die Aussprache von „det“ („de“), spricht über das weiche D und ein E, „das gar nicht richtig da ist, sondern nach hinten weggehaucht wird“.

Ihre Schülerinnen und Schüler lachen. Sie sind zwischen Mitte 30 und über 60 Jahre alt, mögen Dänemark, machen dort gern Urlaub, wollen sich dort auf Dänisch unterhalten können, einigermaßen zumindest. Ein Ehepaar überlegt, ins Nachbarland auszuwandern, ein ehemaliger Kursteilnehmer habe diesen Schritt bereits gewagt, berichtet Juliane Holm.

Kostenloser Unterricht
in Dänemark

Wer nach Dänemark zieht, darf dort in den ersten fünf Jahren des Aufenthalts für bis zu dreieinhalb Jahre einen kostenlosen Dänisch-Kursus besuchen. Dafür zahlen die Schülerinnen und Schüler eine Kaution von 2000 Kronen – das sind etwa 270 Euro –, die sie zurückbekommen, wenn sie bestimmte Module abschließen. In der Region Lolland-Falster gibt es beispielsweise Tages-, Abend- und Online-Kurse in Nakskov und Maribo. Ein weiteres Angebot ist die „Forberedende Voksen­undervisning“ (FVU), die vorbereitende Erwachsenenbildung, ein kostenloses Weiterbildungsprogramm unter anderem in Dänisch.

„Man kann sich auch übers Internet die dänischen Nachrichten vorlesen lassen“, rät Birgit Reuter. Sie geht in ihrem Kursus abseits des Lehrbuches auf aktuelle Themen ein, etwa auf die Geschichte von Dänemark und Grönland, macht Tagesausflüge mit ihren Schülerinnen und Schülern nach Dänemark und bereitet mit ihnen vor Weihnachten das berüchtigte Smørrebrød – üppig belegtes Vollkornbrot – zu.

„Undskyld, vil du godt tale lidt langsommere?“, bittet die Grenzgängerin im Eutiner Vhs-Kursus im Lehrbuch den Zollbeamten: „Entschuldigung, könnten Sie bitte etwas langsamer sprechen?“ Wenn ein Däne das gefragt werde, bleibe er Besucherinnen und Besuchern gegenüber vermutlich beim Dänischen, erklärt Juliane Holm. „Ansonsten wechseln die Dänen meist ins Englische, wenn sie merken, dass jemand kein oder wenig Dänisch spricht. Das ist nett gemeint, die Dänen sind sehr gastfreundlich.“

Die Nachfrage nach den Sprachkursen sei hoch, sagt die Dozentin, „es wäre gut, wenn sich noch weitere Lehrer fänden“. Das sieht auch Birgit Reuter so, die hofft, dass auch weitere Schulen in Ostholstein Dänisch-Unterricht etablieren. „Spätestens wenn der Fehmarnbelttunnel fertig ist, wird die dänische Sprache in Ostholstein so interessant wie im Flensburger Raum“, meint sie.

Großes Dänisch-Angebot
in FlensburgIn Flensburg, der nördlichsten kreisfreien Stadt Deutschlands, ist es leicht, an Dänisch-Unterricht zu kommen: erwartungsgemäß an der Vhs in Flensburg, aber auch an der Dansk Centralbibliotek for Sydslesvig, beim Grenzfriedensbund, an der Europa-Uni oder an privaten Sprachschulen.Zwar ringen dort wie vermutlich überall in den Dänisch-Kursen die Schülerinnen und Schüler vor allem mit der Aussprache, die aus deutscher Sicht häufig keinem erkennbaren System zu folgen scheint, doch davon sollte sich niemand abschrecken lassen, findet Juliane Holm. „Zu mir hat einmal ein Däne gesagt, dass seine Sprache nicht immer logisch sei. Man darf dabei einfach nicht verkrampfen, man muss locker sein.“ Afslapped eben, entspannt, wie es wohl typisch für unser Nachbarland ist. sajAn der Vhs Eutin beginnt übrigens am Mittwoch,
10. Juni, der Kursus „Dänisch für den Urlaub“ mit Juliane Holm. An vier Abenden erhalten Teilnehmende einen Einblick in die Grundzüge der Sprache und lernen wichtige Ausdrücke für typische Urlaubssituationen – vom Begrüßen über Einkaufen bis zum Restaurantbesuch. Der Kursus beginnt jeweils um 18.15 Uhr im Vhs-Haus in der Plöner Straße 19.

Wer im Urlaub eher gen Süden unterwegs ist, kann ab Dienstag, 9. Juni, den Kursus „Italienisch für den Urlaub“ an der Vhs Eutin besuchen. Infos und Anmeldungen unter Tel. 04521/793290, per E-Mail an vhs@eutin.de oder online unter www.vhs-eutin.de



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