Das Gruselhaus von Eutin wird abgerissen
Schauergeschichten ranken sich um das Gebäude – Seit mehr als 30 Jahren steht es leer.

Hier wohnt seit Jahren niemand mehr. Das Backsteinhaus in der Weidestraße in Eutin wurde dem Verfall preisgegeben. Warum das passiert ist? Darum ranken sich mehrere Gerüchte.
Eutin. Das Haus ist nur noch eine Ruine: Seit mehr als 30 Jahren steht das Gebäude an der Weidestraße in Eutin leer. Allerhand Schauermärchen ranken sich darum. Jetzt könnte die Geschichte des Lost Place ein Ende nehmen.

Die Fenster des roten Backsteinhauses sind zur Straße hin mit Holzplatten verrammelt, die selbst schon ausgeblichen und morsch sind. Über der Tür hängt noch die Hausnummer auf einem blauen Blechschild. Die Adresse: Weidestraße 44 in Eutin. Aus dem Dach wächst ein junger Baum. Auf der Rückseite steht im ersten Obergeschoss ein Fenster offen, bei zwei Stallgebäuden ist bereits das Dach eingestürzt. Aus der Ferne ist zu sehen, wie eine ausgebaute Tür an einer Wand lehnt, Tapete sich von Mauern gelöst hat.

Schauermärchen
ranken sich um das Haus

„Das steht seit über 30 Jahren leer“, sagt ein Anwohner aus der Nachbarschaft, „da drin haben nur noch die Ratten ein Zuhause.“ Das verlassene Einfamilienhaus direkt neben dem Supermarkt ist vielleicht der berühmteste Lost Place Eutins. Jeder kennt die Schauermärchen, die sich um das Haus ranken.

Eine Eutinerin schreibt in den sozialen Medien: „Da ist früher der ganze Keller voller Weckgläser gewesen. Als Jugendliche waren wir vor 25 Jahren oder so mal drin. Oben war ein großes Pentagramm auf den Holzfußboden gemalt, und es standen alte Kerzen überall herum. Es müssen also vor uns schon Leute drin gewesen sein. Gruselig.“

Mittlerweile ist das Gebäude derart verfallen, dass ein Betreten wahrscheinlich lebensgefährlich wäre. Bleibt die Frage: Warum steht ein Haus in einer solchen zentralen Lage über Jahrzehnte leer?

Gerücht über eine
Glaubensgemeinschaft

In der Stadt hält sich seit Ewigkeiten ein Gerücht. Die Besitzer sollen einer speziellen Glaubensrichtung angehört und der Sohn das Haus nicht verkauft haben, weil er auf die Wiedergeburt der Eltern gewartet habe. Eine Geschichte, die viele Eutiner schon gehört haben.

„Ob das so der Wahrheit entspricht, kann ich nicht sagen. Das erzählt man sich so“, schreibt ein User. Ein anderer kommentiert ironisch: „Der Sohn weiß, dass sein Glaube nur ein Glaube ist und es daher keinen Sinn macht, das Haus zu pflegen. Dennoch hofft er. Macht wenig Sinn bei dem Wohnungsmangel.“

Eine andere Eutinerin schreibt: „Es soll vor ewigen Jahren da ein Ehepaar gewohnt haben. Die Frau ist verstorben, der Mann kam dann Jahre später ins Krankenhaus und ist dann auch verstorben. Das Ehepaar soll nur einen Sohn haben, dieser wohnt jedoch im Ausland und möchte mit dem Haus seiner Eltern nichts zu tun haben. Seitdem verfällt es immer mehr.“

Der Anwohner aus der Nachbarschaft bestätigt jedoch die Geschichte von der Glaubensgemeinschaft. Jetzt sei der Sohn allerdings verstorben und das Haus verkauft. Tatsächlich ist der Garten frisch gerodet. Sträucher und Sägespäne liegen herum. Es tut sich also etwas. Nach LN-Informationen soll das leerstehende Haus bald abgerissen werden. Ob oder wann etwas Neues auf dem Grundstück entsteht, ist nicht bekannt.

Stadtverwaltung
bestätigt den Verkauf

Das bestätigt auch die Stadtverwaltung auf Anfrage. „Das Haus ist bekannt. Es handelt sich um ein Gebäude in Privateigentum“, sagt Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt. „Hier hat kürzlich ein Eigentümerwechsel stattgefunden, sodass sich für das Gebäude eine neue Perspektive auftun wird.“ Für eine Sanierung dürfte das Haus allerdings zu verfallen sein. Bleibt nur der Abriss. Damit würde die Geschichte des Spukhauses nach mehr als drei Jahrzehnten ein Ende finden.

swe

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