Erinnern gegen das Vergessen
Zum 81. Jahrestag der „Cap Arcona“-Katastrophe sind in Neustadt und Scharbeutz Gedenkveranstaltungen geplant.

Mit Fahnen und Kranzniederlegungen wird am 3. Mai auf dem Cap-Arcona-Ehrenfriedhof in Neustadt der Opfer gedacht.Foto: Reimo Schaaf
Neustadt/Scharbeutz. Am morgigen Sonntag, 3. Mai, jährt sich zum 81. Mal die Bombardierung der KZ-Häftlingsschiffe in der Neustädter Bucht. Über 7000 Häftlinge, die sich auf den Schiffen „Cap Arcona“ und „Thielbek“ befanden, kamen dabei ums Leben. Zugleich ist es der 81. Jahrestag der Ankunft und Ermordung von Menschen aus dem KZ Stutthof. Aus diesem Anlass organisieren die Amicale Internationale KZ Neuengamme, das Kinder- und Jugendnetzwerk Neustadt in Holstein und die Stadt Neustadt am heutigen Sonnabend und morgigen Sonntag, 3. und 4. Mai, eine Gedenkstunde, Ausfahrten zu der Untergangsstelle auf der Ostsee und kreative Angebote zur Erinnerungskultur und Demokratiebildung. Auch in Scharbeutz gibt es ein Programm.

Gedenken auf dem

Cap-Arcona-Friedhof

Am 3. Mai beginnt um 10.30 Uhr die Gedenkstunde auf dem Cap-Arcona-Ehrenfriedhof am Stutthofweg mit Kranzniederlegungen sowie Fahnenträgerinnen und -trägern. Es folgen Grußworte von Martine Letterie, Präsidentin der Amicale Internationale KZ Neuengamme, Neustadts Bürgermeister Mirko Spieckermann und Eka von Kalben, Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtages. Anschließend spricht Philippe Cosnay, der Präsident der französischen Amicale de Neuengamme et de ses Kommandos. Schülerinnen und Schüler des Küstengymnasiums Neustadt und Thomas Käpernick von der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme stellen Waldemar Nods vor, der am 3. Mai 1945 bei der Bombardierung getötet wurde. Der gemeinsame Chor der Jacob-Lienau-Schule und des Küstengymnasiums begleitet die Veranstaltung musikalisch.

Die Gedenkfeier findet im Freien statt und dauert eine Stunde. Sitzplätze sind in begrenzter Anzahl vorhanden. Kostenpflichtige Parkmöglichkeiten bietet die Schön Klinik, Am Kiebitzberg 10. Der Parkplatz Uferweg ist gesperrt.

Im Anschluss an die Gedenkstunde auf dem Ehrenfriedhof folgen Kranzniederlegungen und das Kaddisch auf dem Jüdischen Friedhof im Grasweg. Das Kinder- und Jugendnetzwerk Neustadt lädt ab 14 und ab 16 Uhr zu einer kostenfreien Schifffahrt zu den Untergangsstellen der KZ-Schiffe ein. An Bord liest Turid Müller aus ihrem Neustadt-Krimi „Unter dem Strand“, der die Ereignisse von 1945 aufgreift. Treffpunkt ist vor dem Bistro „Waterkant“, Waschgrabenallee 31. Informationen und Anmeldungen gibt es bei Danny Seidel per E-Mail an dseidel @stadt-neustadt.de

Montag zum „Marktplatz der Erinnerungen“

Am kommenden Montag, 4. Mai, gibt es auf dem Neustädter Markt von 9 bis 13 Uhr künstlerische Angebote und Informationsstände zur Erinnerungskultur und Demokratiebildung. Unter dem Titel „Marktplatz der Erinnerungen“ erschaffen Jugendliche und Erwachsene zusammen mit Künstlerinnen und Künstlern kreative Erinnerungen an die Ereignisse um den 3. Mai 1945.

Regionale Initiativen und Einrichtungen sind mit Informationsständen vertreten, darunter die Neustädter Schul-Arbeitsgemeinschaft Cap Arcona. Das Gestaltungsbüro „whitebox“ präsentiert erste Entwürfe für die neue Dauerausstellung im geplanten Dokumentationszen­trum Cap Arcona.

Ab 12.15 Uhr sprechen Mano Salokat, Vorsitzender des Kinder- und Jugendnetzwerks Neustadt, Mirko Spieckermann und Thomas Panten, Schulrat des Kreises Ostholstein, auf der Rathaustreppe.

Die Teilnahme am Marktplatz der Erinnerungen ist kostenlos. Bei schlechtem Wetter wird die Veranstaltung in die Aula der Jacob-Lienau-Schule, Schulstraße 2, verlegt.

Neue Infotafel und

Gedenken in Scharbeutz

Anlässlich des Jahrestages der Katastrophe erinnert auch die Gemeinde Scharbeutz an die Opfer eines der schwersten Unglücke der NS-Endphase. An der Seebrücke in Haffkrug wurde dazu eine neue Informationstafel eingeweiht, die mit Blick auf die Lübecker Bucht über die Ereignisse vom 3. Mai 1945 informiert.

Die Gemeinde Scharbeutz lädt im Rahmen des Jahrestages gemeinsam mit dem Museum für Regionalgeschichte Scharbeutz und dem Verein „Zukunft braucht Erinnerung“ zu mehreren Gedenkveranstaltungen ein.

Am morgigen Sonntag, 3. Mai, findet auf dem Cap-Arcona-Ehrenfriedhof in Haffkrug ab 10.15 Uhr eine Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung statt.

Bereits am heutigen Sonnabend, 2. Mai, wird unter dem Titel „Ein Blick in die Geschichte“ ab 15 Uhr ebenfalls auf dem Cap-Arcona-Friedhof Haffkrug eine besondere Informationsveranstaltung angeboten. Über die zahlreichen Opfer der letzten NS-Tage in der Gemeinde Scharbeutz war lange Zeit nur wenig bekannt. Dank einer großzügigen Spende des polnischen Kulturministeriums konnten vor wenigen Monaten erstmals Informationstafeln mit den Namen der hier bestatteten polnischen Opfer sowie deren Geschichte enthüllt werden.

In diesem Rahmen wird Helmut Kurth, Vorsitzender des Vereins Zukunft braucht Erinnerung, über die neuen Erkenntnisse berichten. Dr. Peter Wendt gibt zudem Einblicke in seine in Kürze erscheinende Publikation „Internationale Mahn- und Grabstätte Cap Arcona Friedhof Haffkrug“. Diese beleuchtet erstmals detailliert die verschiedenen Opfergruppen, ihre Leidenswege sowie den internationalen Charakter des Friedhofs. Ein begleitender Flyer informiert über die Veröffentlichung.

Geschichtlicher

Hintergrund

Die Veranstaltungen erinnern an Ereignisse kurz vor Kriegsende im Mai 1945 in der Lübecker Bucht: Am 1. Mai 1945 führte ein Todesmarsch KZ-Häftlinge aus den Lagern Auschwitz-Fürstengrube und Mittelbau-Dora nach Neustadt. In den Morgenstunden des 3. Mai 1945 strandeten zwei Schiffe mit Frauen, Männern und Kindern aus dem KZ Stutthof. Die Gefangenen mussten vom Strand zum Neustädter Marinegelände marschieren. Dabei wurden Hunderte von ihnen von Nationalsozialisten erschossen. Auf der Ostsee wurden am frühen Nachmittag des 3. Mai 1945 die Schiffe „Cap Arcona“ und „Thielbek“ von britischen Jagdflugzeugen angegriffen. Dabei starben rund 7000 KZ-Häftlinge. Die Piloten wussten nicht, dass sich Tausende KZ-Häftlinge an Bord befanden. Am Nachmittag des 3. Mai 1945 besetzten britische Truppen die Stadt. Tod und Befreiung lagen somit nur wenige Stunden auseinander. Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg.



Druckansicht