Neustart im Sommer?
Vogelpark Niendorf: Betreibern fehlt Zoo-Genehmigung – Bürgermeister stellt Lösung in Aussicht.

Klaus Langfeldt führte den Vogelpark über 40 Jahre lang. Diese Aufnahme zeigt ihn beim Füttern der Rhinozeros-Hornvögel.Foto: Wochenspiegel
Niendorf. Die Spekulationen nehmen kein Ende: Nachdem der Vogelpark Niendorf auch zu Ostern nicht geöffnet hatte, äußert sich nun erstmals der oberste Vertreter der Gemeinde Timmendorfer Strand zur Zukunft des beliebten Ausflugsziels – und stellt eine Wiedereröffnung zur Sommersaison 2026 in Aussicht.

„Wir wissen, dass das Thema viele Menschen bewegt“, sagt Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke (FDP). Es hätten daher in den vergangenen Wochen etliche Gespräche im Hintergrund stattgefunden. Klar sei, dass der Vogelpark eine Zukunft haben soll. „Wir arbeiten daran, dass eine Öffnung schnellstmöglich erfolgen kann“, sagt der Bürgermeister. Die sieben Hektar große Anlage im Naturschutzgebiet Aalbeek-Niederung, zuletzt das Zuhause von etwa 1000 Tieren, ist seit Monaten geschlossen. Der Vogel-Experte Klaus Langfeldt, der die Einrichtung über 40 Jahre lang leitete, hatte den Park im Sommer 2025 offiziell an Christian Siebelts und dessen Lebensgefährten Daniel Volkmer­Kuberski übergeben.

Vogelpark: „Zurzeit sind
wir in der Winterpause“

Dieser Lebensgefährte steht weiterhin im Impressum der Internetseite des Vogelparks. Wer beim Park anruft, landet auf einem Anrufbeantworter mit der Ansage: „Zurzeit sind wir in der Winterpause, daher ist das Telefon nicht ständig besetzt.“ Man freue sich auf „ein Wiedersehen zum Saisonstart”.

Die letzten Einträge auf der Facebook-Seite des Vogelparks stammen aus dem Herbst/Winter 2025. Sie zeigen unter anderem einen jungen Flamingo und berichten von vier Steinkäuzen aus dem Park, die zwecks Wiederansiedelung in freier Wildbahn an ein Projekt im Harz gegeben worden seien.

Vor einigen Wochen hatte einer der Betreiber auf Anfrage erklärt, dass der Park unter anderem aufgrund strenger Auflagen wegen der Vogelgrippe so lange geschlossen sei. Derweil machten teils wilde Gerüchte über den Vogelpark die Runde. Die Kommunalpolitik verhandelte das Thema ausschließlich hinter verschlossenen Türen.

Für die jetzt von Bürgermeister Partheil-Böhnke in Aussicht gestellte Öffnung der Anlage müssten einige rechtliche Dinge erfüllt werden, heißt es. Was genau, bleibt unklar. „Über einige Punkte kann ich aktuell nicht sprechen, weil sie noch intern sind“, sagt Partheil-Böhnke.

Behörde erteilt keine

Genehmigung für Zoo

Aktuell ist eine Öffnung in jedem Fall ausgeschlossen. Der Grund: Den derzeitigen Betreibern fehlt eine zoologische Genehmigung. Denn wer einen Zoo betreiben will, muss einen Sachkundenachweis vorlegen sowie die artgerechte Haltung der Tiere nachweisen. Zudem muss der Betreiber in seiner Person als zuverlässig gelten. Eine entsprechende Genehmigung der Naturschutzbehörde wurde in diesem Fall nicht erteilt. Die Folge: „Wir mussten eine Gewerbeuntersagung aussprechen“, sagt Partheil-Böhnke.

Schon kurz nach der Bekanntgabe der neuen Betreiber hatte es Probleme gegeben. Klaus Langfeldt hatte zuvor lange nach einem Nachfolger für seinen Park gesucht. Er selbst hatte die 1973 eröffnete Einrichtung 1983 übernommen.

Langfeldt machte sich durch die Nachzucht teils sehr seltener Arten einen Namen, kämpfte aber auch immer wieder mit Problemen wie der Überschwemmung des Geländes. Denn bei starkem Regen steigen die Pegel im nahegelegenen Hemmelsdorfer See und in der Aalbeek. Die Niederung liegt nur 30 Zentimeter über dem Meeresspiegel und steht deshalb rasch unter Wasser.

Die aktuellen Schwierigkeiten im Park sind aber offenkundig völlig anderer Natur. Bereits kurz nach der Übergabe des Parks soll Christian Siebelts etliche Tiere von Niendorf in einen Zoo nach Brandenburg gebracht haben, in dem er zuvor gearbeitet hatte. Weil den Tieren entsprechende Herkunftsnachweise fehlten, wurden sie von der dortigen Behörde beschlagnahmt. Aktuell laufen Verfahren gegen Christian Siebelts. mwe/saj
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