Amtsgericht Eutin verurteilt
notorische Diebin wegen Betrugs
Gerichtsverfahren offenbart kriminelle Vorgeschichte – Bewährungsstrafe und Rückzahlung von Restschuld.

Weil eine Frau ein privat gewährtes Darlehen nicht zurückzahlte, musste sie sich wegen Betrugs vor dem Amtsgericht Eutin verantworten.Symbolfoto: Dan Race - Fotolia
Eutin. Zwei Justizwachtmeister bringen die Angeklagte aus der Gewahrsamszelle in den Eutiner Gerichtssaal. Die 58-Jährige setzt sich neben ihren Verteidiger. Kurze Begrüßung. Beide flüstern. Sie wirkt verstört. Die Richterin hat die Zwangsvorführung angeordnet, weil die Frau bereits eine Vorladung missachtet hatte. Die Staatsanwältin wirft ihr Betrug vor.

In der Verhandlung wird schnell klar, dass Pamela A. (Name geändert) eine eigene Sicht auf viele Dinge hat. Bei der Verlesung der Anklageschrift schüttelt sie wild mit dem Kopf und versucht zu widersprechen. Als die Richterin ihr das Wort erteilt, sprudelt es aus ihr heraus. Dabei äußert sich Pamela A. nicht zu dem eigentlichen Tatwurf, sondern beklagt sich über das Strafverfahren. „Ich bin total überrascht“, sagt Pamela A. und behauptet: „Er hat sein Geld doch schon wieder.“

Darlehen von 950 Euro
für Autoreparatur

Worum geht es? Die Angeklagte, die in der Gemeinde Bösdorf (Kreis Plön) wohnt, hatte sich im März 2024 von einem Bekannten 950 Euro geliehen. Zudem bezahlte der 63-jährige Malenter eine Amazonbestellung im Wert von 20,99 Euro. Das Privatdarlehen wurde schriftlich fixiert, als Rückzahlungstermin wurde Ende August 2024 vereinbart. Der ausgefüllte Mustervertrag weist beide Unterschriften aus.

Trotzdem zeigt sich Pamela A. verwundert. „Von Amazon weiß ich gar nichts“, sagt sie. Die Richterin liest aus der Rechnung vor: „Nivea Q10 Tagespflege mit Bio-Argan-Öl im Geschenkset – haben sie so etwas?“, fragt die Richterin. „Nee, keine Ahnung“, antwortet die Angeklagte.

Der Darlehensgeber versichert, das Produkt für Pamela A. bestellt und an sie weitergegeben zu haben. „Sie brauchte ein Geschenk für einen Geburtstag“, erinnert er sich. Zuvor habe sie ihn um 950 Euro für eine Autoreparatur gebeten, sagt der Zeuge.

Weil diese Summe für ihn eine Menge Geld sei, habe er zwei Tage überlegt. Um sich abzusichern, habe er auf einen schriftlichen Vertrag bestanden. „Wir sind dann zusammen zur Bank gefahren, ich habe das Geld abgehoben und übergeben“, sagt er. Danach habe er nichts mehr von Pamela A. gehört.

„Ich habe einige
unschöne Sachen gehört“

Nachdem das Fälligkeitsdatum verstrichen sei, habe er mehrfach versucht, Kontakt aufzunehmen. Mitunter habe er das Gefühl gehabt, dass Pamela A. zu Hause gewesen sei und die Tür nicht geöffnet habe. Vor Ort sei er mit Nachbarn ins Gespräch gekommen. „Ich habe einige unschöne Sachen gehört“, sagt er. Aufgrund dieser Informationen habe er einen Rechtsanwalt eingeschaltet.

Anfang Dezember habe Pamela A. dann plötzlich vor ihm im Carport gestanden. „Sie hat mir 50 Euro in die Hand gedrückt und ist dann weggelaufen“, sagt der Zeuge.

Pamela A. beharrt darauf, die gesamte Summe zurückgezahlt zu haben. Die 950 Euro habe sie sich zusammengespart, erklärt sie auf Nachfrage. Die Frage, wie sie das mit 656,70 Bürgergeld geschafft habe, lässt sie unbeantwortet. Eine Quittung kann sie nicht vorlegen.

Das Strafregister trägt nicht zur Glaubwürdigkeit bei. Die erste Verurteilung erfolgte 2001 wegen Urkundenfälschung und Betrugs. Es folgen 17 Einträge wegen Diebstahls. Aktuell steht Pamela A. in drei Fällen unter Bewährung.

Ambulante Therapie
wegen Kleptomanie

Die Bewährungshelferin berichtet, dass sich die Angeklagte einer ambulanten Therapie wegen Kleptomanie unterziehe. Zudem suche sie intensiv nach Arbeit. Doch die vielen Bewerbungen und Praktika führten bisher nicht zu einem Beschäftigungsverhältnis. Aktuell habe die Angeklagte eine Arbeitsstelle in Aussicht.

Die Richterin verurteilt Pamela A. zu einer Haftstrafe von fünf Monaten, die sie zur Bewährung aussetzt, um die gezeigten Bemühungen nicht zu bremsen. „Ich möchte Ihnen diese letzte Chance noch geben“, sagt die Richterin. Zudem verfügt sie die Einziehung der Restdarlehenssumme von 920 Euro. dis
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