Kauft Eutin mobile Durchfahrtssperren?
Mehr Sicherheit bei Festen: Road Blocker und Okta Blocks sollen mögliche Amokfahrten vereiteln.

Vor dem Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr kaufte zum Beispiel Lübeck zur Absicherung mobile Road Blocker.Foto: Lutz Roeßler
Eutin. Bluesfest, Stadtfest, Weinfest – allein zu diesen drei Veranstaltungen kommen jeweils mehrere Tausend Besucherinnen und Besucher in die Eutiner Innenstadt. Um ihre Sicherheit zu gewährleisten und Schutz vor möglichen Attentaten mithilfe von Lkw und Transportern zu bieten, rät die Eutiner Verwaltung, mobile Durchfahrtssperren anzuschaffen. Sie sollen 182.000 Euro kosten. Die Kommunalpolitik zögert.

Die Zufahrten zum Marktplatz sind zurzeit mit versenkbaren Pollern versehen. Sie können nach Angaben der Eutiner Verwaltung aber keine sogenannten Überfahrttaten mit schweren Fahrzeugen verhindern. Diesen könnten die Poller nicht standhalten. Ein Lkw mit einem Gewicht von 7,5 Tonnen benötige lediglich eine Geschwindigkeit von 45 km/h, um sie zu zerstören, teilt der Fachdienst Öffentliche Sicherheit in einer Vorlage für die Politik mit. Betonklötze würden bei einem Aufprall zur Seite geschoben, hieß es darin.

Im vergangenen Jahr hatte die Stadt in Absprache mit den Ausrichtern bei Veranstaltungen, unter anderem dem Großflohmarkt, Sperren an kritischen Punkten mit Big Bags in Kombination mit Fahrzeugen errichtet. Letztere sollten bei Bedarf Rettungswege freimachen.

Doch es sei erwiesen, dass diese Maßnahmen bei Überfahrt­taten mit schweren Fahrzeugen so gut wie keine Auswirkungen hätten und diese nicht stoppen könnten, so die Verwaltung. Sie empfiehlt deshalb, die mobilen Fahrzeugsperren Okta Blocks und Road Blocker zu kaufen. Ihr weiterer Vorschlag: Veranstalter sollten für das Sicherheitspaket samt Aufstellen finanziell herangezogen werden.

Okta Blocks sind rund 1,25 Meter hohe, mobile Poller mit einem Gewicht von circa 450 Kilogramm. Der Hersteller verspricht einen zuverlässigen Schutz vor durchbrechenden Fahrzeugen. Die Wirkungsweise der Poller beschreibt er so: Bei einem Aufprall würden sie nach vorn kippen und sich zwischen Fahrzeug und Fahrbahn verkeilen. Dadurch komme das Fahrzeug dann zum Stehen.

Bei Road Blockern handelt es sich um flache Module mit versenkbaren Sperrelementen. Ausgeklappt sind diese circa 80 Zentimeter hoch. Ein Modul wiegt knapp 1300 Kilo. Bei einem Fahrzeugaufprall verkeile sich das Sperrelement und bremse die Weiterfahrt ab, sagt der Hersteller zu.

Das Stadtfest mit Großflohmarkt ist die größte Veranstaltung in Eutin. Mehrere Zehntausend Besucherinnen und Besucher strömen dann in die Innenstadt. Ausgehend vom Sicherheitsbedarf dieses Festes hat der Fachdienst Angebote für mobile Fahrzeugsperren eingeholt. Das günstigste habe bei 182.000 Euro an reinen Materialkosten gelegen, teilte er mit. Hinzu kommen Lager- und Personalkosten für Auf- und Abbau.

Der Hauptausschuss hatte das Thema in seiner jüngsten Sitzung auf der Tagesordnung, wollte es – anders als angekündigt – aber nicht öffentlich diskutieren. Zu einer Entscheidung ist es nach Auskunft des Vorsitzenden Matthias Rachfahl allerdings noch (CDU) nicht gekommen. Es bestünden noch Unklarheiten, die Verwaltung solle weitere Informationen liefern.

Müssen Veranstalter

für mehr Sicherheit zahlen?

Ulfert Georgs richtet seit mehreren Jahren das Stadtfest und den Großflohmarkt in Eutin aus. Er geht davon aus, dass im Sommer alles bleibt wie bisher: „Wir werden die Straßen mit Big Bags, Radladern und anderen Fahrzeugen absichern.“ Alles andere warte er erst einmal ab.Miete für Straßensperren? „Es käme auf die Summe an“, sagt Torsten Wetendorf-Muntau, wortführender Vorsteher der Eutiner Schützengilde. „Natürlich wollen wir, dass die Menschen sicher sind. Aber es ist eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Wenn der Preis zu hoch ist, dann müssten wir überlegen, unseren Festumzug abzusagen.“ Der Umzug soll in diesem Jahr am Sonntag, 12. Juli, stattfindden. ben
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