So stellt Axel Münster in Eutin
seinen edlen Orangengeist her
Früchte sind aus Spanien geliefert worden – Verarbeitung muss schnell vonstatten gehen.

Aus Spanien, genauer aus Vinaròs bei Valencia, bezieht Axel Münster seine Orangen.
Eutin. Schon beim Betreten des Raumes empfängt ein besonderer Duft die Besucherinnen und Besucher. Es riecht intensiv nach Orangen. In zig Kisten sind die Südfrüchte gestapelt. Ihre Verarbeitung muss jetzt schnell gehen. Der Eutiner Axel Münster stellt aus ihnen Orangengeist her.

Münster ist eigens nach Vinaròs im spanischen Valencia gereist, um die Orangen bei einem Obstbauern zu begutachten und auszuwählen. „Ein paar habe ich sogar selbst gepflückt“, sagt der 70-Jährige.

Der Eutiner hat eine Edelobstbrennerei. Zum zweiten Mal wagt er sich in diesem Jahr an die Herstellung eines Orangengeistes. Dafür braucht er Orangen mit Top-Qualität. „Normalerweise werden die Früchte vor der Ernte mit Schellack gespritzt und in der Genossenschaft gewachst. Ich will sie aber unbehandelt“, erläutert er. Deshalb heißt es nach dem Pflücken: Tempo. Axel Münster benötigt für die Herstellung seines Fruchtgeistes nur die Schale. Naturbelassen verdunstet sie schnell. „So stark, dass die Orangen 14 Tage nach dem Ernten nicht mehr zu gebrauchen sind.“ Seine in Spanien georderten Früchte – 2,5 Tonnen Orangen und 800 Kilogramm Zitronen – sind daher nach dem Pflücken schnellstmöglich nach Eutin transportiert worden.

Hier sind Axel Münster und sein Mitarbeiter Klaus Piechota sofort darangegangen, sie zu verarbeiten. Mithilfe einer speziellen Schälmaschine wird jedes Exemplar von der orangefarbenen Schale befreit. Diese Zesten werden für den Orangengeist gesammelt.

In einem zweiten Durchgang schält die Maschine die weiße, bittere Schicht der Orange weg. Das Fruchtfleisch wird ebenfalls gesammelt und mit einem großen Pürierstab zerkleinert. Daraus entsteht später nur mit zugesetztem Zucker und Apfelpektin Münsters Orangenmarmelade. „Das werden ein paar Tausend Gläser“, schätzt Axel Münster.

Die Orangenschalen werden mit einem Wiegemesser zerteilt und wandern bis zur weiteren Verarbeitung in die Kühlkammer. Sieben Tage dauert das Schälen und Zerkleinern der Früchte.

Dann beginnt die eigentliche Herstellung des Orangengeistes. Die Zesten kommen mit Alkohol – mit einem Apfelbrand, der nahezu neutral ist, sagt Axel Münster – für drei bis fünf Tage in Fässer. Danach werden sie destilliert.

Die Zitronen durchlaufen das gleiche Verfahren. Zweimal schälen, und dann schwimmen die Zesten für drei bis fünf Tage in Neutralalkohol. Dann werden die Schalen herausgefiltert, Zucker wird hinzugefügt – so entsteht Münsters Limoncello.

Die Spirituosen lagert Axel Münster in großen Steinzeug-Tanks, die jeweils mehrere Hundert Liter fassen. „Der Orangengeist steht maximal ein Viertel- bis ein halbes Jahr“, sagt er. 17 Tanks mit edlen Bränden – darunter auch Zwetschge und Kirsche – befinden sich im gut gesicherten Lagerraum. „Meine Altersversicherung“, nennt Münster ihn schmunzelnd.

Der Eutiner Obstbrenner betont: „Die Rohware macht 95 Prozent der Qualität aus. Deswegen fahre ich ja selbst nach Spanien. Da kenne ich den Obstbauern und kann mich auf ihn verlassen.“

2025 hat sich Axel Münster erstmals an Orangengeist und Limoncello versucht. „Da habe ich nur eine Palette Orangen zum Ausprobieren geholt“, erzählt er. Bei seinen Kunden ist beides hervorragend angekommen. Die Flaschen haben sich bestens verkauft. Zu bekommen sind sie im Hofladen, aber auch bei Loch Mor Spirits in Eutin.

Den seit 1965 existierenden Obsthof hat Axel Münster vor wenigen Jahren aufgegeben. Apfelbäume hat er nur noch für seinen Apfelbrand. Auch die Mosterei betreibt er nicht mehr. Seit 2002 gibt es die Edelobstbrennerei. Sie ist Münsters große Leidenschaft. „Zehn Jahre möchte ich das auf jeden Fall noch machen“, sagt er. ben



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