Wenn die „Eispferdchen“
die „Schippendails“ herausfordern
24 Teams messen sich bei den „Scharbeutzer Eisstock Open“ – Liga-Finale am 11. Februar.

Mario Schütt von den „Klingberg Sliders“ setzt zum Schieben des Eisstocks an. In der kleinen Arena geht es jeden Mittwochabend heiß her. Foto: Hannah Detlefsen
Scharbeutz. Auf der Eisfläche ist es proppevoll. Eisstöcke zischen über die Bahn, Metall schlägt aneinander, Stimmen überlagern sich. Es wird gejubelt, geflucht, gefeilscht. Während die Olympischen Winterspiele im rund 1200 Kilometer entfernten Mailand erst an diesem Wochenende begonnen haben, weht in Scharbeutz schon seit Wochen ein Hauch von Olympia. Denn das Ostseebad veranstaltet mit den „Scharbeutzer Eisstock Open“ seine ganz eigenen Winterspiele. Jeden Mittwochabend geht es in der kleinen Arena im Kurpark heiß her. Begonnen hat das Turnier im vergangenen November, das große Finale steigt am kommenden Mittwoch, 11. Februar.

24 Teams kämpfen um den Pokal in dieser Eisstockliga. Die „Eispferdchen“ treten gegen die „Glücksritter“ an, „Die WalrossBande“ fordert „Die Schippendails“ heraus. Und für die „Klingberg Sliders“ gilt: „Unser Ziel ist, unter den besten acht zu bleiben“, erzählt ihr Kapitän Mario Schütt. Die Nachbarschaftstruppe aus, na klar, Klingberg hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert – von Platz 21 auf derzeit Rang 7. Mit dabei ist auch Hund „Luna“, das Maskottchen des Teams.

Zugegeben: Eine neu entdeckte Leidenschaft für olympisches Curling – die Disziplin, die dem Eisstockschießen am nächsten kommt – spielt bei den Teams in Scharbeutz eine eher untergeordnete Rolle. Der sportliche Ehrgeiz ist spürbar, im Vordergrund steht für viele aber etwas anderes. „Der Spaß ist das Wichtigste“, sagt Schütt. „Uns verbindet, so ein regionales Event zu unterstützen.“ Teammitglied Diana Benneckenstein erzählt: „Ich bin erst im vergangenen Jahr nach Klingberg gezogen. Durch das Eisstockschießen habe ich meine Nachbarn richtig kennengelernt.“

Ursprünglich war das Turnier für Unternehmen und Restaurants aus Scharbeutz und dem Umland ins Leben gerufen worden, inzwischen ist es auch offen für Privatgruppen. Völkerverständigung also – zwischen Kollegen aus der eigenen und der fremden Branche, zwischen Freunden und Bekannten, zwischen Nachbarn und Gegnern. Wie bei den Olympischen Spielen.

Siebenmal hat das Team der „Autojungs“ um Marco Scheel bereits den Pokal gewonnen. „Das ist eine kleine Welt hier“, sagt Scheel. „Straßenzüge, Restaurants, Freundeskreise – alle mischen sich.“ Teamkollege Jens Ahrends fügt hinzu: „Was soll man sonst an einem Mittwochabend machen? Zu Hause auf dem Sofa sitzen?“

Auf dem Eis werde so manches Mal um jeden Zentimeter zwischen Stock und Daube gefeilscht, berichtet Hansjörg Conzelmann von der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht, die den Wettbewerb austrägt. Ehrenamtliche Unterstützung erhält er von den Küstenladies, die das Turnier ursprünglich ins Leben gerufen haben.

Seit rund 15 Jahren gibt es das Eisstockschießen in Scharbeutz, seit drei Jahren die Eisstockliga. „Jedes Jahr werden die Teilnahmegebühren für einen guten Zweck gespendet“, erklärt Donja Bassai von den Küstenladies. Dieses Jahr gehen die Erlöse an die Tafel in Neustadt.

Ausgestattet mit Klemmbrett und Zollstock, wuseln Conzelmann, Bassai und andere Ehrenamtliche über die Bahnen, achten auf Fairness und tragen die Spielergebnisse live ins System ein. Sie haben sichtlich Spaß bei der wöchentlichen Organisation des Wettbewerbs, der insgesamt zehn Spieltage umfasst.

Am Ende wartet der Pokal am 11. Februar auf das Siegerteam – nach K.o.-Runde und Finalspielen. „Und es wird eine gebührende Party geben“, versprechen Conzelmann und Bassai. HAD
Druckansicht