Hotel Atlantic in Niendorf
wurde verkauft
Traditionshaus an der Promenade wird abgerissen – Team vom Timmendorfer Cozy-Hotel übernimmt

Stephan Muuss (57) hat das Hotel Atlantic in Niendorf verkauft. Am Standort werde jedoch etwas Schönes, Neues entstehen, sagt er. Foto: Sabine Jung
Niendorf. Zeit haben: Was ist das und wie geht das? Stephan Muuss weiß es seit einigen Monaten und ist „richtig happy“, wie er sagt. Der 57-jährige Niendorfer hat den ersten Sommer ohne sein Hotel Atlantic hinter sich und viel Kraft geschöpft. Die brauchte er, nachdem er Anfang 2025 schwer erkrankte und sein Leben umkrempeln musste.

Stephan Muuss‘ Neuanfang beinhaltete den Abschied von einer langen Familientradition. „In siebter Generation“ habe er das Atlantic direkt an der Niendorfer Promenade betrieben, berichtet er. Seine Vorfahren kamen Ende des 17. Jahrhunderts aus Holland an die Lübecker Bucht, vermieteten das erste „Fremdenzimmer“ 1885. Im Jahr 1920 gründete August Muuss die Pension Atlantic. Stephan Muuss, gelernter Koch, Bäcker und Konditormeister, führte den Betrieb als Hotel mit Café, Konditorei und Party-Service. Doch seit dem Frühjahr ist Schluss.

„Ich musste den Stress reduzieren“, erklärt Muuss. Hinzu komme der Personalmangel. Seine Kinder wollten nicht übernehmen. Und um das Haus in 1-a-Lage zu renovieren und aufzuhübschen, wäre eine Investition in schwindelerregender Höhe nötig gewesen. Deshalb hat er das Atlantic verkauft – nicht aber die bis zu 60 Strandkörbe, die seine Frau Heidi bislang nebenbei vermietet hat. „In dieser Saison war ich zum ersten Mal hauptberuflich Strandkorbvermieter“, sagt Stephan Muuss und lächelt. „Das war wie ein neues Leben.“ Jetzt sei er wieder gesund.

Die Landkajüten behält Muuss allerdings: vier große Edel-Ferienwohnungen im ehemaligen Haus Susanne an der Strandstraße hinter dem Atlantic. Vor drei Jahren hat das Ehepaar Muuss viel Geld in den Umbau der einstigen Pensionszimmer gesteckt. Mittlerweile steht ihr eigenes Wohnhaus direkt daneben. Um die Wohnungen will sich Stephan Muuss weiterhin kümmern und sich noch stärker in der Niendorfer Feuerwehr engagieren. „Ich fliege jetzt die Drohne“, berichtet er. „Das macht Spaß, dafür hätte ich früher gar keine Zeit gehabt.“

Für seine Kollegen in Gastronomie und Hotellerie will sich Stephan Muuss auch künftig über den Dehoga einsetzen, er gehört zum Vorstand des Ortsverbandes Lübecker Bucht. In die Kommunalpolitik ziehe ihn jedoch nichts mehr zurück, betont Muuss, der viele Jahre Vorsitzender des Timmendorfer Tourismusausschusses war. Und sonst so? Er lese mittlerweile viel, erklärt der Niendorfer, und gehe oft spazieren. „Der psychische Druck ist weg.“

Das Atlantic habe er „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ abgegeben, sagt Muuss. Die Mitarbeiter hätten schnell neue Jobs gefunden, zahlreiche Stammgäste seien traurig gewesen. Das Gebäude soll abgerissen werden und ist längst geräumt, die Zimmer sind gähnend leer. Einige aufgebrochene Türen zeugen von den Feuerwehr-Übungen, die inzwischen dort stattgefunden haben. An den Wänden sind noch alte Malereien zu sehen, die zeigen, wie das Haus früher aussah.

Neuer Besitzer betreibt
das Cozy Hotel

Davon habe er sich Abbildungen gesichert, erklärt Stephan Muuss, und dass man jetzt nach vorn schauen solle. „Seid gespannt, im Frühjahr 2027 wird ein neuer Diamant an diesem Ort erstrahlen“, prangt in weißen Lettern an der Fensterfront des Atlantic. „Wir geben unser Lebenswerk in neue Hände“, sagt Stephan Muuss: Er habe das Grundstück an Mirko Stemmler verkauft, den Betreiber des Cozy-Hotels in Timmendorfer Strand.

„An diesem Standort wird etwas Schönes, Neues entstehen“, meint Muuss: „Etwas, das Niendorf guttut.“ Das Projekt befinde sich „noch in einer frühen Phase“, heißt es dazu von den Verantwortlichen beim Cozy-Hotel, nähere Informationen soll es später geben. und saj
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