Scharbeutz könnte bei dieser Streckenführung seinen derzeitigen, verhältnismäßig zentrumsnahen Bahnhof behalten und bekäme einen zweiten nahe der Autobahn hinzu. Profitieren würde auch und vor allem die Nachbargemeinde Timmendorfer Strand, die ihren Bahnhof ebenfalls behalten könnte und künftig nicht ausschließlich über den Bahnhof Ratekau an die Schiene angebunden wäre.
Um sich für diese Variante starkzumachen, müssten die Scharbeutzer Kommunalpolitiker ihren Beschluss von 2018 aufheben. Darüber wollen sie während einer Sondersitzung sprechen.
Bürgermeisterin Bettina Schäfer hat den Kompromissvorschlag mit der Haffkrug-Umfahrung bereits Vertretern der Landesregierung und des Verkehrsministeriums unterbreitet. Ein Sprecher des Ministeriums hat erklärt, dass es keine Überlegungen zum Fortbestand der Bäderbahn gebe. Das Land werde Personennahverkehr nur auf der neuen Strecke bestellen. Auch die Bahn hat bisher kein Interesse an der neuen Idee.
Über die Vorab-Gespräche mit dem Land ärgert sich derweil unter anderem der Bauausschuss-Vorsitzende Lennard Meyer-Olden (Fraktion FBB mit FDP). Seiner Ansicht nach hätte Schäfer zuerst den Ausschuss informieren müssen. „Die Reihenfolge wurde nicht eingehalten“, kritisierte er.
„Was wäre ich für eine Bürgermeisterin, wenn ich mich nicht für die bestmögliche Lösung für die Gemeinde einsetzen würde?“, hielt Schäfer dagegen. Es sei genau ihre Aufgabe, Gespräche zu führen, um in den Gremien etwas vorlegen zu können.
Dennoch stimmten die Vertreter von FBB und WUB – die zusammen eine Mehrheit im Ausschuss haben – dafür, dass die Bürgermeisterin einen umfangreichen Fragenkatalog schriftlich beantworten muss. Darin geht es um den neuen Bäderbahn-Vorschlag und die fehlende Beteiligung der Politik daran.
Zur konkreten Planung der Hinterlandanbindung auf Scharbeutzer Gebiet ließe sich derzeit nichts sagen, erklärte Andreas Geist, Leiter des Bereichs Tiefbau: „Ich habe von der Bahn nur Unterlagen von 2023. Ich kann noch nicht sagen, was wo und wann gebaut wird.“ Er rechnet damit, dass die aktuellen Unterlagen ab Mitte April ausgelegt werden können. Dann seien acht Wochen Zeit für Einwendungen.