„Die ehrenamtlichen Betreuer unterstützen denjenigen, der seine Angelegenheiten aufgrund von Krankheit, Alter oder Behinderung nicht mehr selbst regeln kann“, erläutert Silke Schicke, Leiterin des Betreuungsvereins Nah dran aus Lensahn. Oftmals werde die rechtliche mit der sozialen Betreuung verwechselt. Es habe nichts mit Einkaufen oder dem gemeinsamen Spazierengehen zu tun. Die Ehrenamtlichen stehen bei der Vermögensverwaltung, der Organisation von Gesundheitsfürsorge oder der Kommunikation mit Behörden zur Seite.
Der ehemalige Krankenpfleger Conny Schlicht aus Neustadt ist ehrenamtlicher Betreuer. „In meinem Berufsalltag habe ich selbst viele Betreuer kennengelernt“, erzählt er. „Ich habe mich für die Aufgabe interessiert und bin seit 2019 dabei. Es macht Spaß und ich mache es gerne.“ Es gehe darum, Menschen zu begleiten und nicht nur zu verwalten. Ein paar Stunden in der Woche investiere er in die Tätigkeit. Regelmäßig einmal im Monat besucht er seine Betreuten: „Es ist ein sehr gutes Miteinander.“
In Ostholstein stehen 4903 Menschen unter Betreuung. Davon werden 1219 Personen im familiären Umfeld betreut. „Das ist eine große Anzahl von Menschen, die sich dort engagieren“, betont Schicke. Die Sozialpädagogin und Berufsbetreuerin führt weiter aus, dass es insgesamt im Kreis 130 Berufs- und 118 ehrenamtliche rechtliche Betreuer gibt: „Der Bedarf ist groß. Es sind noch 328 Fälle ohne Hilfe. Daher machen wir so oft Werbung für die Aufgabe.“
Schicke erklärt, wie die Betreuung abläuft: „Eine Anregung zur Betreuung kann von der Person selbst oder von Dritten an das Gericht gestellt werden. Ein Richter informiert die Betreuungsbehörde des Kreises, die einen Sozialbericht vor Ort erstellt. Ein unabhängiger Gutachter prüft, ob bei der Person eine Krankheit oder Behinderung vorliegt. Sind die Voraussetzungen erfüllt, wird ein Betreuervorschlag angefragt. In einem ersten Gespräch lernen sich angehender Betreuer und Betreuter kennen. Wenn der Betreute einverstanden ist, wird der Betreuer gerichtlich eingesetzt.“
Für Silke Schicke ist es wichtig zu betonen, dass Betreute selbst das Verfahren ablehnen oder stoppen können. „Es wird in der Öffentlichkeit das Bild von der Betreuung geprägt, dass man alles aus der Hand gibt und übergestülpt bekommt. So soll es nicht sein“, erklärt sie. „Es soll stets im Sinne der Person gehandelt und dessen Selbstständigkeit gestärkt werden, wo immer es möglich ist.“ Viele der Menschen seien dankbar, dass ihnen Last abgenommen werde.
Den Ehrenamtlichen wiederum steht Nah dran mit einer offenen Sprechstunde zur Seite und bietet regelmäßig Fortbildungen an. „Wir haben zudem ein vereinseigenes Coachingkonzept auf die Beine gestellt“, sagt Schicke. „Der Kontakt mit Gericht und mit bestimmten Behörden ist für viele Neuland.“ Alle drei Monate gebe es außerdem ein Treffen, wo sich die Ehrenamtlichen untereinander austauschen können.
Der Betreuungsverein ist des Weiteren noch auf dem Gebiet der kostenlosen Beratung zu Vorsorgevollmacht, Patienten- und Betreuungsverfügung tätig. Aufgrund der Nachfrage wurden schon Vorsorgelotsen für Fehmarn, Heiligenhafen und Neustadt ausgebildet.Weitere Informationen auf www.btv-nah-dran.de oder unter Telefon 04363/8684010.