„Aber hier knattert alles durch, 30-Tonner, Kieslaster, Trecker. Auch aus Richtung Techau, dabei dürfte von da gar keiner kommen“, berichten die Anwohner Gabriele und Herbert Maaß. Zusammen mit Nachbarn haben sie sich an der Straße versammelt. „Das mit den vielen Lkw ist schlimm. Ich glaube, viele wissen gar nicht, dass hier keine Laster fahren dürfen. Es gibt ja nur die beiden kleinen Schilder am Anfang und Ende der Straße und nichts dazwischen“, berichtet Sandra Schröder.
Doch nicht nur die Laster, die illegal die Straße als Abkürzung nutzen, ärgern die Anwohner. Der Verkehr habe insgesamt zugenommen, und kaum einer halte sich an die Geschwindigkeitsbeschränkung.
„Du kommst manchmal gar nicht mehr aus der Ausfahrt raus“, sagt Sandra Schröder. Ihr Mann Robert ergänzt: „Wir haben hier auch sehr viel Ausweichverkehr, wenn zum Beispiel auf der Autobahn mal wieder etwas gesperrt oder Stau ist.“ Es sei unmöglich, die Kinder mit dem Rad auf der Straße fahren zu lassen. Robert Schröder: „Gerade wenn die Trecker hier durchfahren oder sich die Autos an den parkenden Wagen vorbeiquetschen, da kann man die Kinder nicht auf der Straße fahren lassen.“
Das Problem besteht jedoch nicht nur in der Hauptstraße, sondern auch in der viel frequentierten Bäderstraße. „Der Fußweg für die Kinder, die dort zur Schule gehen, ist viel zu schmal. Ein Kind ist da schon mal vom Rad gestürzt, als ein Laster nah an ihm vorbeigedonnert ist und sich nicht an Tempo 30 gehalten hat“, erinnert sich Sandra Schröder, die selbst Mutter ist.
„Am besten wäre es, wenn die Hauptstraße nur noch eine Anliegerstraße wäre und der Verkehr außenrum geleitet wird“, sagt Herbert Maaß. „Zumindest aber wäre es schön, wenn es eine deutlichere Beschilderung und mehr Kontrollen bei den Lkw gäbe, ob die wirklich berechtigt sind, hier durchzufahren“, findet seine Frau. Ihr Mann seufzt. „Aber unsere Polizeiwache ist ja leider so gut wie nie besetzt.“
Überhöhte Geschwindigkeiten und Lastverkehr beunruhigen aber nicht nur die Anwohner der Hauptstraße. „Das ist ein Thema bei vielen Bürgern. Wir haben zwar viel Tempo 30 im Ort, aber viele haben das Gefühl, dass das von den Autofahrern nicht wahrgenommen wird und viele zu schnell fahren“, bestätigt Maria Pristawik vom Ratekauer Dorfvorstand. Das gelte auch für viele Nebenstraßen wie die Jürgen-Glüe-Koppel.
Pristawik: „Die Gemeinde hat da auch schon reagiert und Tempozähler angebracht. Aber ich habe das Gefühl, die Menschen bremsen zwar ab, aber geben danach gleich wieder Gas. Obwohl da viele Autos parken, wird die Straße als Rallyestrecke genutzt.“
Probleme gebe es auch mit der 30er-Zone vor der Schule, an die sich nur wenige Autofahrer halten. Pristawik: „Man muss aber anerkennen, dass dort oft Blitzer stehen, was wirklich gut ist.“
Tempo 30 hat die Gemeinde bereits an vielen Stellen eingeführt. „Das Blitzen haben wir nicht in der Hand, das dürfen nur die Polizei und der Kreis. Da haben wir auch eine gute Zusammenarbeit. Sowohl in der Bäderstraße als auch in der Hauptstraße werden regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt”, sagt Bürgermeister Dennis Jaacks (parteilos).
Hat die Kommune also keine Möglichkeiten mehr? Ein bisschen Hoffnung kann der Verwaltungschef gerade den Anwohnern der Hauptstraße trotzdem machen. Jaacks: „Die Verkehrssituation in der Hauptstraße ist grundsätzlich nicht ideal.“ Das gelte vor allem auch für Radfahrer. „Die Kinder fahren auf dem Bürgersteig, und es gibt dort viele Stichstraßen, aus denen Autos kommen. Das ist eine gefährliche Situation. Und auch für die Erwachsenen auf der Straße ist es unübersichtlich.“
Hoffnung machen die Investorenpläne für eine neue Nutzung des Küchen-Rath-Gebäudes im Dorfkern. Jaacks verspricht: „In dem Zuge werden wir auch die verkehrliche Situation dort neu regeln.“ Es werde ein eigenes Verkehrsgutachten geben, und der Zufahrtsbereich müsse neu gestaltet werden. „Zudem haben wir ein Radverkehrskonzept auf den Weg gebracht und ganz klar: Beim Radverkehr in der Hauptstraße muss etwas gemacht werden.“