„Ein Reitplatz hält eigentlich ewig“
Bugenhagen Berufsbildungswerk bekommt in Timmendorfer Strand neue Basis für Pferdewirt-Ausbildung junger Menschen mit Behinderung.

Mirko Schmeiser und sein Team bauen seit bald 20 Jahren Reitplätze. Hier ist er vor einer gerade im Bau befindlichen Anlage in Timmendorfer Strand zu sehen.Foto: Sebastian Rosenkötter
Timmendorfer Strand. Ein Pferd schnaubt und wiehert. Dann galoppiert das braune Tier mit hohem Tempo über eine grüne Wiese. Wenige Meter entfernt stehen ein kleiner orangefarbener Bagger und ein Raupenlader. Die Baumaschinen gehören Mirko Schmeiser. Der passionierte Reiter und gelernte Garten- und Landschaftsbauer kommt aus Schönwalde. In den vergangenen knapp 20 Jahren hat er sich mehr und mehr auf den Bau von Reitplätzen spezialisiert. Aktuell ist sein Team in Timmendorfer Strand aktiv.

Auftraggeber ist das Bugenhagen Berufsbildungswerk. Dort werden junge Menschen mit Behinderung in zahlreichen Berufen ausgebildet – seit 2007 lernen sie dort auch Pferdewirtin und Pferdewirt. Sprecher Lars Dankert sagt: „Unser Einzugsgebiet, gerade auch für diese besondere Ausbildung, ist bundesweit.“ Zurzeit befinden sich nach Dankerts Angaben vier Auszubildende in der Vollausbildung – davon einmal in der Fachrichtung Zucht und dreimal in Service und Haltung. Hinzu kommen demnach 13 Auszubildende in der theoriereduzierten Fachpraktiker-Ausbildung und noch weitere Menschen in der Berufsvorbereitung. Zum Projekt gehören auch zehn Pferde.

Damit die Ausbildung gelingt, wird auch ein zeitgemäßer Reitplatz benötigt. Dankert berichtet: „Aktuell entsteht nur eine Erneuerung der Deckschicht, damit der Reitplatz auch entsprechend pferdegerecht ist.“

Eine Nachfrage bei Mirko Schmeiser verdeutlicht, dass die Arbeiten doch etwas komplexer sind. Demnach habe sein Team zunächst etwa 100 bis 120 Kubikmeter Bodenmaterial mit Bewuchs, Sand und Steinen abgetragen. „Darunter war grober Schotter, die Tragschicht“, erläutert der Landschaftsbauer. „Den haben wir planiert und anschließend eine steinfreie Trennschicht aufgetragen. Sie ist zehn Zentimeter dick.“

Wichtig sei dabei, ein Gefälle zu schaffen, das ein Stehenbleiben von Wasser verhindere. „Hier geht das Gefälle leicht nach hinten raus in Richtung Bahngleise.“

In den kommenden Tagen sollen Auszubildende des Berufsbildungswerks eine Einfassung um den 20x40 Meter großen Reitplatz bauen. „Sie werden einen Bordstein setzen.“

Sobald dieser Arbeitsschritt erledigt ist, folgt Schicht Nummer drei – die Tretschicht. Schmeiser verwendet hierfür gesiebten Sand und Holzspäne. Diese Kombination biete optimale Stoßdämpfung, schone die Gelenke und fördere die natürliche Abnutzung der Hufe. So entstünden „ideale Bedingungen für gesunden Pferdesport“, ist auf seiner Website zu lesen.

Da stellt sich die Frage, wie lange ein Reitplatz hält. „Eigentlich ewig“, sagt Schmeiser. Lediglich die Tretschicht müsse – je nach Belastung – nach zehn bis zwölf Jahren erneuert werden.

Der Bau eines Reitplatzes dauert demnach im Schnitt etwa eine Woche und kostet zwischen 30.000 und 50.000 Euro – je nach Umfang und Material. „Wir bauen mittlerweile rund 15 Plätze im Jahr und sind in ganz Schleswig-Holstein, in Mecklenburg-Vorpommern bis Rostock sowie im Norden von Niedersachsen unterwegs“, berichtet Schmeiser.Dann schaut er noch einmal in Richtung des neuen Platzes. „Die Trennschicht hat eine entscheidende Bedeutung“, so Schmeiser. Sie müsse bei starkem Regen Wasser durchlassen, aber in trockenen Phasen auch Wasser speichern. Sollte die Fläche zu trocken sein, werde der Boden zu tief. „Das wäre für die Pferde gefährlich, und sie könnten sich Sehnenschäden zuziehen. Genau das wollen wir vermeiden.“
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