Schäfer schüttelt den Kopf: „Wenn man hier steht, wird der ganze Irrsinn greifbar“, kritisiert sie die Pläne der Deutschen Bahn für Haffkrug West und Haffkrug Ost. „Da muss man sich doch wirklich einmal fragen, ob die noch ganz dicht sind.“ Andreas Geist findet zwar nicht so drastische Worte, kann das Vorhaben aber auch überhaupt nicht nachvollziehen: „Sie liegen so nah beieinander – man kann von einem auf den anderen gucken.“
Ausgangspunkt des Streits ist der Erhalt der historischen Bäderbahn zwischen Ratekau und Neustadt, den das Land 2022 im Koalitionsvertrag festschrieb. Während der Konzern den Doppelhalt in Scharbeutz „zur Vermeidung von Parallelstrukturen im Abschnitt Ratekau-Haffkrug“ strich, hält er in Haffkrug an zwei Bahnhaltepunkten fest.
„Die Station Haffkrug (West) an der Neubaustrecke bleibt in unserer Planung erhalten und ermöglicht einen fußläufigen Übergang zur bestehenden Bäderbahn-Station Haffkrug (Ost)“, erklärt ein Bahnsprecher. Für Schäfer wäre der Weg über den geplanten Autobahn-Kreisverkehr und Gleise eher ein absurder Spießrutenlauf: „Es ist ein Irrsinn für die Pendler, aber vor allem für Haffkrug eine Katastrophe.“
Die Region fordert stattdessen eine Gleisverschwenkung: Über eine rund 1000 Meter lange Trassenanpassung am Breitenkamp könnten beide Strecken an einem gemeinsamen Bahnhof zusammengeführt werden – barrierefrei, ohne Weichenkonflikte zum Güterverkehr und deutlich günstiger.
Das Problem: leere Kassen. Laut Gemeinde hat der Bund zentrale Kostenblöcke dem Land zugeschoben. Kiel befürwortet die Elektrifizierung zwar, verweist aber auf überzeichnete Fördertöpfe. Einen vom Land eingeräumten Aufschub der Verschwenkung um zehn bis 15 Jahre weist Schäfer zurück: „Das ist Blödsinn, totaler Blödsinn. Darauf werden wir uns als Gemeinde gar nicht einlassen.“
Immerhin bewegt sich das Verkehrsministerium in Kiel: Man sei „gerade im intensiven Austausch mit dem Bundesministerium für Verkehr, der DB AG, der Nah.SH und der Region“ und bereite Vorschläge hinsichtlich „Kosten, technischer Machbarkeit, zeitlicher Umsetzung, Erfordernis eines Planfeststellungsverfahrens“ auf. Ministeriumssprecher Harald Haase kündigt weiter an: „Eine der untersuchten Varianten ist die Variante der Region. Wir gehen davon aus, dass wir zum nächsten Dialogforum noch im Oktober dieses Jahres eine Bewertung präsentieren werden.“
Schäfer fordert, dass das Land die geschlossene regionale Haltung in Berlin geltend macht: „Von Lübeck bis Neustadt sind wir uns einig. Mehr Akzeptanz und Rückenwind kann man gar nicht bekommen. Und da oben sitzen alle mit Scheuklappen und sagen: ‚Das ziehen wir jetzt durch.‘ Da kriege ich einen Knall.“ Das Land müsse diesen Schulterschluss nutzen, um gemeinsam in Berlin etwas auf die Strecke zu bringen.
Bei der Bahn stößt die Gleisverschwenkung laut Schäfer vor allem auf Granit, weil der Konzern ein neues Planfeststellungsverfahren vermeiden will. Die Hoffnung der Bahn: Bleibe die alte Trasse im jetzigen Zustand und werde lediglich elek-trifiziert, spare man sich ein weiteres aufwendiges Verfahren, glaubt Schäfer. Den Erfahrungen nach lasse sich ein Verfahren aber nicht vermeiden.
Scheitert die Finanzierung der Elektrifizierung jedoch ganz, droht ein Desaster: „Dann haben wir zwar noch einen Bahnhof in Haffkrug, aber alle anderen Orte an der Bäderbahn sind abgeschnitten – für Timmendorf und Scharbeutz eine Katastrophe, und auch Neustadt mit dem Marine- und Polizeistützpunkt verliert seine Anbindung“, warnt Schäfer.
Die Bahn verweist darauf, dass Anpassungen eingearbeitet und an das Eisenbahn-Bundesamt übergeben werden. Den Planfeststellungsbeschluss peilt die DB laut Schäfer für Anfang 2028 an. Sie kündigt notfalls Klage an: „Dass man Pläne im Verfahren schnell ändern kann, hat man in Scharbeutz gesehen. Unser Wunsch ist, dass wir gar nichts verzögern wollen. Wir wollen nur, dass die Unterlagen mit der größten Akzeptanz ins Planfeststellungsverfahren gehen. Ansonsten ist unser Kampfgeist noch sehr, sehr groß.“
Mit Blick auf die abfahrende Bäderbahn Richtung Scharbeutz bekräftigt die Bürgermeisterin: „Wir werden alles tun, um diesen Irrsinn zu verhindern.“