Ostsee-Loop in Timmendorf:
„Schön“, aber „zu teuer“?
Das Kunstwerk am Seebrückenvorplatz begeistert als Fotomotiv – Kritik an den Kosten.

Marion und André Hempel freuen sich über das Kunstwerk: „Es ist ein schönes Fotomotiv.“Foto: Hannah Detlefsen
Timmendorfer Strand. Obwohl für Timmendorfer Strand schlechtes Wetter angesagt ist, kommt an diesem Vormittag bisweilen die Sonne durch. Dann funkelt der Ostsee-Loop am neuen Seebrückenvorplatz. Das gerade fertig gewordene Bauwerk, ein verspiegelter Riesenring auf drei Edelstahlträgern, soll das spektakuläre En-tree für die neue Seebrücke sein. Wer auf der Kurpromenade steht oder durch den Kurpark geht, der sieht die massive Skulptur in der Ferne durch die Baumwipfel blitzen.

Viele Spaziergänger bleiben vor oder unter dem in sieben Metern Höhe schwebenden Ring stehen und legen den Kopf in den Nacken. Einige zücken das Handy, positionieren sich unter dem Loop und richten das Handy aus, um ein Selfie in der verspiegelten Oberfläche zu schießen.

Einen besonderen Schnappschuss aus ihrem Urlaub haben so auch Marion und André Hempel gemacht. Das Ehepaar aus Ludwigsburg ist das erste Mal in Timmendorf und begeistert von der Skulptur. „Es ist wirklich etwas Außergewöhnliches“, findet André Hempel. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt seine Frau Marion. „Ein schönes Fotomotiv.“

Das findet auch eine weitere Urlaubergruppe aus der Nähe von Cuxhaven. Marion und Axel Moritz sowie Jens Carstens kommen öfter nach Timmendorf, erzählen sie. Sie sind dieses Jahr zum dritten Mal hier. „Jedes Mal haben wir uns an der Baustelle gefragt, was das wohl wird, wenn es fertig ist“, erzählt Axel Moritz. Das Ergebnis gefällt den Nordsee-Bewohnern sehr. „Wir sind für jedes Highlight zu haben, es ist echt schön“, sagt Marion Moritz. Dass überhaupt etwas gemacht werde, sagt Jens Carstens, darüber müsse man sich freuen.

Ob dafür jedoch ein rund 10,5 Tonnen schweres, auffälliges und 400.000 Euro teures Kunstwerk notwendig gewesen wäre? Ina Fauer und Gudrun Rupp, die gerade von der Seebrücke in Richtung Kurpark spazieren, sind sich da nicht so sicher: „In Zeiten, in denen wir überall sparen müssen, hätten 400.000 Euro woanders besser investiert werden können“, sagt Fauer. Zum Beispiel in Schulen.

Die beiden Frauen kommen aus Lübeck, gehen aber gern in Timmendorf spazieren. Sie finden, dass es ein solches Kunstwerk nicht gebraucht hätte: „Muss das wirklich sein?“, fragt Rupp. „Es gibt doch hier überall genug Schönes zu sehen.“

Schönheit, die liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. So sehen es zumindest zwei Freunde, die ebenfalls über den Ostsee-Loop sinnieren. Mit Blick auf das Bauwerk sitzen Peter Tiemann und Rolf Grattolf auf einer der langen Holzbänke, die sich halbkreisförmig entlang der Kurpark-Seite des Vorplatzes ziehen. „Was soll das überhaupt darstellen?“, fragt Tiemann.

Gefällt es ihm denn? „Mein Geschmack ist es jetzt nicht unbedingt“, antwortet der Timmendorfer nach kurzem Überlegen diplomatisch. „Es ist doch ein toller Blickfang und mal etwas anderes“, entgegnet sein Kumpel Rolf Grattolf aus Ratekau. Er sei jeden zweiten Tag in Timmendorf. Von der neuen Seebrücke ist er begeistert. Der Loop passe doch gut dazu, findet er, und lobt: „Das hat die Gemeinde toll gemacht.“

In der Dunkelheit verwandelt sich der Ostsee-Loop vom verspiegelten zum leuchtenden Hingucker: RGB-Lampen, eine Abkürzung für Rot, Grün, Blau, lassen das Kunstwerk in verschiedenen Farbnuancen strahlen.

Insgesamt haben die neue Seebrücke, die im September 2024 eröffnet wurde, und der in diesem Monat fertiggestellte, neu gestaltete Seebrückenvorplatz mit Loop, Pflasterung und Sitzgelegenheiten 13,1 Millionen Euro verschlungen: 11,8 Millionen Euro für das Brückenbauwerk – davon zahlt 7,9 Millionen Euro das Land – und 1,3 Millionen für den Vorplatz – davon 744.000 Euro Fördermittel. Ursprünglich sollten Seebrücke und Loop gleichzeitig fertig werden. Bei beiden Bauwerken kam es jedoch zu Verzögerungen.

had
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