Kiel.
Fast jeder Fünfte in Deutschland verschweigt beim Arzt Beschwerden aus Scham oder Misstrauen. Frauen tun dies mit 23 Prozent häufiger als Männer mit 13 Prozent, zeigt eine Forsa-Umfrage für die Barmer. „Falsche Scham beeinträchtigt den Behandlungserfolg. Es besteht kein Anlass, bestimmte Beschwerden zu verschweigen.
Das Arzt-Patientenverhältnis ist geschützt, es unterliegt aus gutem Grund der ärztlichen Schweigepflicht“, sagt Dr. Anneke Riehl, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Schleswig-Holstein.
Junge Menschen schweigen am meisten
Jungen Menschen fällt es besonders schwer, beim Arzt offen zu sprechen. 28 Prozent der 18- bis 29-Jährigen verschweigen gesundheitliche Probleme. Mit dem Alter sinkt dieser Anteil: Bei den über 60-Jährigen sind es nur 13 Prozent.
„Jüngere haben weniger Arztkontakte. Mit der Zeit wächst das Vertrauen, was das Ansprechen erleichtert“, erklärt Riehl. Unabhängig davon, ob sie selbst davon betroffen waren, gaben 28 Prozent der Befragten an, Beziehungsprobleme nur schwer mit Ärzten besprechen zu können. Bei sexuellen Fragen sind es 25 Prozent.
Jeder Fünfte hat Schwierigkeiten, über häusliche Gewalt oder Missbrauch zu sprechen. „Offenheit bei sensiblen Themen ist entscheidend für gezielte Unterstützung“, sagt Dr. Anneke Riehl.