Tierrettungen: „Solche Einsätze machen wir gerne“
Sieben Mal musste die Feuerwehr aus Scharbeutz in diesem Jahr Hunde und Co. retten.

Die Feuerwehrmänner Jannis Levgrün (li.) und Tjark Schmidt mit einem geretteten Schwan.Fotos: Feuerwehr Scharbeutz
Scharbeutz. Ein Hund springt in die Ostsee, dann erfasst ihn die Strömung. Immer weiter treibt das Tier von der Küste weg, sein Besitzer versucht, ihn zu retten. Eine Passantin, die das Ganze beobachtet, ruft die Feuerwehr – und macht damit alles richtig. Anfang Juli rückten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Scharbeutz an den Strand aus, um den Vierbeiner aus dem Wasser zu retten. Denn neben Verkehrsunfällen und Bränden gehört auch die Tierrettung zu ihrem Alltag.

Sieben Einsätze waren es bisher in diesem Jahr, die durch Tiere ausgelöst wurden. Darunter einige Hunde, aber auch eine Entenfamilie, die Hilfe benötigte. „Das gehört mittlerweile fest dazu“, sagt Ortswehrführer David Siegmund schmunzelnd. „Einmal im Jahr rücken wir traditionell wegen einer Entenfamilie aus.“

Entenfamilie strandet

auf einem Balkon

Dieses Mal waren drei Küken auf einem Balkon in Not. Die Mutter hatte den Balkon mit sieben Geschwistern bereits verlassen und machte mächtig Alarm, um den restlichen Nachwuchs zum Sprung auf die Wiese zu animieren. Doch keine Chance ohne die Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer. Sie kamen mit ihrem Teleskopmastfahrzeug und transportierten die Küken in einem Karton sicher nach unten. Anschließend ging es für die gefiederte Familie unter Geleit in den Kurpark. „Das ist schon ein schönes Gefühl, wenn man die Entenfamilie dann wieder vereint“, sagt der stellvertretende Wehrführer René Konietzny.

Dass sie auch für solche Fälle ausrücken, ist für Konietzny, Siegmund und ihre Truppe nicht ungewöhnlich. „Die Feuerwehr wird immer dann tätig, wenn keiner mehr eine Lösung hat“, sagt der Wehrführer. „Und für solche Fälle sind wir grundsätzlich die richtige Ansprechstelle.“ Wer sich unsicher sei, könne also ohne Zögern die Wehr kontaktieren. Die grundsätzliche Frage sei immer, ob es sich um eine gefährliche und ungewöhnliche Situation handelt. Ein verletzter Vogel beispielsweise, der im Garten umherhüpft, ist kein Fall für die Feuerwehr und muss im Zweifel an ein Tierheim oder eine Auffangstation übergeben oder der Natur überlassen werden.

Gänsesänger aus

Schornstein befreit

In den meisten Fällen, in denen Bürger Hilfe suchen, handele es sich aber wirklich um Notfälle, erzählt Siegmund. Oft haben die Anrufer bereits selbst vieles probiert. Er erinnert sich an eine Katze, die in zehn Metern Höhe auf einem Baum saß. „Der Besitzer hatte schon mit einer Leiter versucht, sie herunterzubekommen und uns erst gerufen, als er gar nicht weiter wusste.“

Auch im Falle eines Gänse­sängers war der Anruf mehr als berechtigt. Er war Anfang Mai in den Schornstein eines Wohnhauses geflogen und steckte in einem Ofenrohr fest. Die Einsatzkräfte montierten daraufhin einige Teile des Kamins ab und befreiten das Tier.

Gleiches galt für einen Schwan, der völlig entkräftet aus dem Eis der Ostsee befreit werden musste. Um das Tier zu transportieren, wurde kurzerhand eine Gitterbox für Feuerwehrschläuche zum Käfig umfunktioniert und mit Spanngurten gesichert. Nach einer kurzen Erholungspause an der Wache wurde der Schwan dann von den Kameraden zum weiteren Aufpäppeln nach Lübeck gebracht.

„Es sind Einsätze, die wir gerne machen“, sagt David Siegmund. „Es ist immer schön, wenn man einem Tier helfen konnte.“ Dazu kommt, dass die Tierhalter oder Hausbesitzer, bei denen sich ein tierisches Unglück ereignet, enorm dankbar seien.

So wie eine Hundebesitzerin, die mit ihrer trächtigen Hündin unverhofft Hilfe benötigte. Das Tier hatte sich in ein Erdloch gebuddelt und blieb dort aufgrund ihres dicken Bauches stecken. Mit Schaufeln, Säge und hydraulischem Gerät wurde die werdende Mutter befreit – Abenteuer beendet, dank der Feuerwehr. mwe

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