Der Grillplatz am Passathafen auf dem Priwall ist idyllisch am Waldrand gelegen, mit Blick auf den Hafen, die Viermastbark „Passat“ und die vorbeifahrenden Schiffe auf der Trave. Es gibt fünf Tische mit zehn Bänken, drei Grilltonnen und ein halbes Dutzend Mülleimer, zudem eine Bepflanzung mit Schwarzkiefern und Büschen. Beste Voraussetzungen also für ein gemütliches und entspanntes Grillvergnügen.
Auf dem Grillplatz
wird auch laut gefeiert
Das haben offenbar auch die Grill-Liebhaber erkannt, die bisher in Travemünde Fleisch, Wurst und Co auf dem Rost zubereitet haben. Doch es wird nicht nur gegrillt und gegessen. Das Areal hat sich zu einem Party-Hotspot entwickelt. Vor allem in lauen Sommernächten an Wochenenden wird auf dem Platz bei lauter Musik gefeiert. Partygänger campieren in Zelten im Wald. Am nächsten Morgen haben die Mitarbeiter des Kurbetriebs alle Hände voll zu tun, die Hinterlassenschaften, einzusammeln und zu entsorgen, die trotz der bereitgestellten Mülltonnen überall verstreut herumliegen.
Der Grillplatz gehört zum Verantwortungsbereich des Bereichs Schule und Sport der Hansestadt Lübeck. Zuständig als Dienstleister für die Säuberung ist der Kurbetrieb. Der Stadt ist das Problem bekannt. „Die Situation hat sich in jüngster Zeit verschlechtert, ist jedoch auch jahreszeitenabhängig“, sagt Stadtsprecher Hansjörg Wittern auf LN-Anfrage. „Es wird ein Zusammenhang mit der Sperrung des Grünstrandes zum Grillen vermutet.“
Das Grillen auf dem Grünstrand sowie an allen anderen Stränden in Travemünde war nach einem Beschluss der Bürgerschaft vor zwei Jahren verboten worden. Vorher strömten besonders an den Sommerwochenenden ganze Familien aus Lübeck, der Region und aus Hamburg zum Grillen nach Travemünde.
Werden Grillroste
und Tonnen abgebaut?
Der Stadtsprecher vermutet einen Zusammenhang mit der Berufsschule auf dem Priwall. „Hier arbeiten wir bereits eng mit der Schulleitung und der Schülervertretung zusammen, um der Problematik wirksam entgegenwirken zu können“, sagt Wittern. „Sofern die Schüler in die Problematik involviert sind, müssten die Auswirkungen während der jetzigen Ferien deutlich zurückgehen.“ Seitens der Stadt werde überlegt, ob die Grillroste sowie Grilltonnen entfernt werden und auf dem Platz lediglich die Möblierung mit Tischen und Bänken verbleibt. Zudem wird laut dem Stadtsprecher darüber nachgedacht, eine Beschilderung mit Benutzungsordnung beziehungsweise Verboten für den Grillplatz aufzustellen. Eine Ausgabe der Grillroste gegen ein Pfand etwa sei nicht geplant, weil diese aufgrund des Dienstschlusses der Hafenmeister um 17 Uhr nicht praktikabel sei. Der Grillplatz am Passathafen wurde bei der Neugestaltung der Priwallpromenade im Zusammenhang mit dem Bau der Ferienanlage Beach Bay errichtet. n den Jahren zuvor hatten sich die Skipper an verschiedenen Stellen im Hafen zum Grillen getroffen. Der neue Platz sei vorrangig für die Nutzer des Hafens geplant gewesen, sagt der Stadtsprecher. Deshalb sei das Grillen nach der Hafenordnung ausschließlich dort erlaubt. Allerdings sei der Stadt nicht bekannt, dass die Öffentlichkeit von der Nutzung ausgeschlossen sei. Deshalb gebe es auch keine entsprechende Beschilderung. Auf der Internetseite der Stadt, auf der die öffentlichen Grillplätze in Lübeck aufgeführt sind, ist der Platz auf dem Priwall jedoch nicht zu finden.
Massive Beschwerden über das Grillen am Grünstrand
Das Grillen an den Stränden von Travemünde erhitzte in der Vergangenheit die Gemüter im lübschen Seebad. Im Juni 2017 hob der damalige Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) das bis dahin geltende Grillverbot auf dem Grünstrand auf. Begründung: Der Grünstrand sei zu einem Ort interkultureller Begegnungen und Lebensfreude geworden. Im Sommer 2018 wurde die riesige Rasenfläche zum Hotspot für Grill-Liebhaber.
Bewohner der angrenzenden Kaiserallee beschwerten sich massiv über Grillgestank und Lärm. Auch Urlauber und Tagestouristen beklagten sich über wabernde Rauschwaden und laute Musik. Dann erhielt der Kurbetrieb den Auftrag, ein Konzept für die Nutzung der Fläche zu entwickeln. Das Grillen wurde nur noch an ausgewiesenen Stellen erlaubt.
Sowohl in der Politik als auch im Travemünder Ortsrat wurde das Thema heiß diskutiert. Für den Grünstrand erfolgte später ein saisonales Grillverbot, und vor zwei Jahren wurde ein ganzjähriges Grillverbot beschlossen. Das gilt nicht nur für den Grünstrand, sondern auch für den Kurstrand, für alle Kurgrünanlagen und für den Hundestrand..