Im Gedenken an den Punk-Pauker
Nach sieben Jahren Pause erklingen am 26. Juni wieder punkige Töne beim „Ehrensache!“-Festival in Süsel.

Das „Ehrensache!“-Festival in Süsel gedenkt auch des verstorbenen Matthias Isecke-Vogelsang.Foto: Privat
Süsel. Zwischen Kulturscheune und Kirche wird es am 26. Juni in Süsel laut: Das „Ehrensache!“-Festival feiert nach siebenjähriger Pause sein Comeback und bringt punklastige Klänge ins Dorf. Als Headliner wird auf dem Sandplatzgelände die Band „Liedfett“ aus Hamburg auftreten, die im vergangenen Jahr beim Superkunstfestival in Lübeck auf der Hauptbühne spielte.

„Das wird für alle ein kleines Nach-Hause-Kommen“, sagt Thore Franck. Der Veranstaltungstechniker gehört zu den Süselerinnen und Süselern, die das Festival seit dessen Premiere im Jahr 2008 organisiert haben. Wie das damals aussah? „Wir hatten von irgendwoher einen Anhänger der Bundeswehr organisiert. Auf dem haben die Bands gespielt“, erzählt Carolin Vehres rückblickend. „Es hat den ganzen Tag geregnet, und die grünen Planen über dem wackligen Hänger hingen tief durch.“

Erste Ausgabe

seit sieben Jahren

Zuletzt erlebte das Festival selbst einen unfreiwilligen Durchhänger. Aufgrund der Corona-Pandemie fand die bisher letzte Ausgabe im Jahr 2019 statt. Ein Grund, weshalb die Süseler ihr Festival nun wiederbeleben: „Das Dorfleben wird heute oft totgeredet“, sagt Franck. „Wir wollen zeigen, dass das nicht so ist, und etwas schaffen, das alle anspricht.“

Die Idee für das „Ehrensache!“-Festival stammt aus der Kirchengemeinde Süsel. Vehres ist dort als Diakonin tätig. Der Name der Veranstaltung stammt von einem früheren Projekt der Gemeinde mit einem Kinderheim in Rumänien. Damals sammelte das Team auf dem Festival Spenden für das Heim. „Es war Ehrensache, das zu tun“, sagt Pastor Matthias Hieber.

Heute gibt es das diakonische Projekt mit dem Kinderheim nicht mehr. Stattdessen gebe es eine andere „schöne Geschichte“ zum Festival, sagt Vehres, und Franck ergänzt: „Die ist eigentlich wichtiger als alles andere.“ Auf dem Veranstaltungsplakat ist die schwarze Silhouette eines Mannes zu erkennen. „Das ist ein Punk“, sagt Vehres. „Aber nicht irgendein Punk. Das ist Matthias Isecke-Vogelsang.“ Isecke-Vogelsang war als Lehrer und Punk in der Region sehr bekannt. Er lebte in Süsel, leitete dort unter anderem die Grund- und Hauptschule, war Vorsitzender des DRK-Ortsverbandes und engagierte sich darüber hinaus vielfältig ehrenamtlich. Seine bunten Outfits und seine Irokesenfrisur brachten ihm bundesweite Bekanntheit ein. Als aktiver Christ unterstützte Isecke-Vogelsang auch die Kirche. Im vergangenen November starb er im Alter von 73 Jahren. Zur Trauerfeier in der St.-Laurentius-Kirche in Süsel kamen rund 450 Menschen. Er sei nicht nur „mit Leib und Seele Punk“ gewesen, sagt Vehres über Isecke-Vogelsang, sondern auch ein Fan des „Ehrensache!“-Festivals.

So hätte der Pädagoge die Veranstaltung ehrenamtlich über das DRK begleitet. „Er war immer präsent“, sagt Vehres und erklärt, dass das Festival auch zu Ehren Isecke-Vogelsangs stattfinden soll. „Deswegen haben wir uns dazu entschieden, dass er auf dem Flyer auftauchen soll.“

Die Familie von Matthias Isecke-Vogelsang habe sich dazu entschieden, dass sie das Festival in diesem Jahr finanziell unterstützen möchte. „Ihre Spende ermöglicht es uns, diese Veranstaltung zu machen“, sagt die Diakonin. Eine Band wie „Liedfett“ wäre früher weit außerhalb des Festivalbudgets gewesen.

Neben dem Hauptact treten noch vier andere Gruppen auf. Die Rap-Gruppe „Rabauken & Trompeten“ spielt zur Eröffnung des Festivals ab 18 Uhr. Ihr Programm richtet sich vor allem an Kinder und Familien. Danach spielen die Punkband „The Pinkies“ aus Timmendorfer Strand, die Rockcover-Gruppe „Baltigos“ aus Scharbeutz und „Nativo“ aus Kiel. „Liedfett“ wird am späteren Abend als vorletzte Band auftreten. besTickets für das Festival gibt es derzeit im Online-Vorverkauf bei Eventim für 14 Euro. An der Abendkasse werden die Karten 17 Euro kosten. Kinder unter zwölf Jahren zahlen jeweils die Hälfte des Preises. Für Kinder unter sechs Jahren ist der Festivalbesuch kostenlos.

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