Jedes noch so kleine Vorgehen im Geschäft müsse dokumentiert, belegt, beantragt und genehmigt werden. Brandschutz. Bestand. Technik. Personalkosten, Einnahmen und Ausgaben. „All das ist überhaupt kein Problem“, sagt Lörke. „Aber die deutschen Behörden sind mit ihren Auflagen unfassbar kompliziert.“
Den Club hat Lörke
2025 übernommen
Vor gut einem Jahr hat Lörke den Club in Timmendorfer Strand übernommen. Er ist jetzt neuer Chef und Inhaber – als gelernter Bürokaufmann und Quereinsteiger. Der Hamburger war schon immer gern an der Küste unterwegs. Als „Nautic-Gänger” wollte er sein „Wohnzimmer“ in guten Händen wissen, nachdem Vorgänger Virgil Stefan seinen Abschied verkündet hatte.
„Es war ein Risiko”, gibt Lörke zu. Bis dahin hatte er keine Erfahrung in der Gastronomie und im Clubgeschäft. Doch Luxus kann er. Zuletzt war er Geschäftsführer vom Porsche Zentrum Lübeck. „Mit der Übernahme eines so tollen Teams war ich zuversichtlich.“ 25 Beschäftigte hat er im Nautic, vom Service bis zur Tür.
Das erste Jahr lief so, wie Lörke es sich gewünscht hat. Aber er will mehr. „Das Nautic ist einer der ältesten Clubs in Deutschland. Da ist noch mehr Potenzial“, sagt er. 54 Jahre alt ist der Laden, der sich auf dem 54. Breitengrad befindet, bereits. Der Geburtstag wurde am vergangenen Wochenende groß gefeiert.
Nautic avancierte zum
angesagten Promi-Treff
Sieht man sich das allgemeine Clubsterben an, hält das Nautic bis heute dagegen. Weil es eine „Marke“ ist, wie Lörke sagt. Ein Club-Flaggschiff, das Timmendorfs Ruf als Ort der „Reichen und Schönen“ immer befeuert hat. Der Mythos lebt. Und so soll es bleiben.
Der Club ist nicht nur Lörkes „Wohnzimmer“, sondern das Party-Zuhause vieler Menschen an der Lübecker Bucht. Ein Ort, an dem sie sich gefunden und verliebt haben. Wo sie Trauer und Trennung begossen haben. Mit literweise Champagner und rauschenden Partys an der Ostsee. „Von Generation zu Generation“, sagt Lörke. „Bis heute feiern hier Gäste von 18 bis 80. Und nein, so teuer, wie oft angenommen, sei der Laden gar nicht. „Ein Bier kostet bei uns 5 Euro, ich kenne Läden, da kostet es 12.“
Was aber macht einen Mythos aus? Zum Beispiel emotionale Bindung und symbolische Bedeutung. Beides kommt hier zusammen: Das Nautic, 1972 aus dem ehemaligen Capitol-Kino am Timmendorfer Platz entstanden, avancierte in den 70er-Jahren zum angesagten Promi-Treff an der Küste.
Der Club hat großen Anteil daran, dass es die Gutbetuchten damals an die Ostsee zog und der Ort bundesweit Schlagzeilen machte. „Kaiser” Franz Beckenbauer hat hier gefeiert, genauso wie Udo Lindenberg und die Klitschko-Brüder. Uwe Seeler, Heiner Lauterbach, Marcello Mastroianni, Rudi Carrell, Roberto Blanco – sie alle waren da. In der Hamburger Schickeria kennt man das Nautic genauso wie auf Sylt. Das sind Gradmesser in der Szene.
Er bekomme viele positive Rückmeldungen, sagt Philipp Lörke. Auch das sei motivierend, denn nach dem großen Feuer sei lange nicht klar gewesen, was aus dem Club würde. Im Oktober 2016 brannte das Nautic aus ungeklärter Ursache während Sanierungsarbeiten vollständig ab. All die Erinnerungen und Emotionen lagen von heute auf morgen in Schutt und Asche. Das alte Nautic war Geschichte.
Das neue Nautic – konzipiert von dem bekannten Hamburger Architekturbüro „Die Querköpfe” und später unter den „schönsten Bars & Restaurants“ landesweit ausgezeichnet – feierte im Sommer 2019 Wiedereröffnung. Für einen kurzen Moment war die Welt wieder Champagner – bis Corona ein halbes Jahr später das Land mit Lockdowns und Ausgehverboten lahmlegte. Aber auch das konnte dem Nautic nichts anhaben: Es konnte wieder auferstehen.Große Partys am langen Pfingstwochenende
So tragisch das Feuer war, so gut sei der Laden jetzt in Sachen Brandschutz abgesichert, sagt Lörke. „Bis in die kleinste Steckdose.“ Da habe die Bürokratie endlich einmal ihre Vorteile. Lörke weiß, wie groß das Entsetzen nach dem Silvester-Unglück in der Schweiz gewesen ist. „Wir sind maximal sensibilisiert“, sagt er in Bezug auf Tischfeuerwerk. Wobei er auf die hohen Decken und die neue Bausubstanz im Nautic verweist. „Das ist nicht vergleichbar mit dem Club in der Schweiz.“ Trotzdem arbeitet er mit verschiedenen Herstellern an Alternativen zu Tischfeuerwerken, etwa Stroboskop-Lichtern.
Auch größere Party-Konzepte stehen auf dem Plan. An diesem langen Pfingstwochenende werde es einen „ganz neuen Aufschlag” geben, erzählt Lörke. Am heutigen Sonnabend und morgigen Sonntag, 23. und 24. Mai, wird tagsüber im Beachclub Hamptons in Scharbeutz gefeiert und anschließend ins Nautic weitergezogen. Mit dabei: Star-DJ Jaden Bojsen und der Sylter DJ Peter Kliem, ehemaliger Inhaber des legendären Clubs „Rotes Kliff“. Das Feiern am Tag, das Daydrinking, ist Teil der neuen Clubkultur, die Lörke an der Küste etablieren will. Zusammen mit benachbarten Locations wie dem „Leos“ in Scharbeutz oder „Oceanfront Events“ aus Neustadt und lokalem DJ-Nachwuchs werden Partys organisiert. Auch, um an der Lübecker Bucht das Angebot für alle Altersgruppen zu vergrößern.
Wie gut die Veranstalter zusammenarbeiten, zeigt sich auf ihren Social-Media-Kanälen. Nahbarer Content sei die neue Währung der Clubkultur, sagt Lörke. Sein Team investiere viel Zeit dafür – inklusive Vlogs und Hinter-den-Kulissen-Drehs.
Aber auch im Hinblick auf Kooperationen will Lörke mehr, weswegen er eng mit der Gemeinde und dem Tourismusservice TSN zusammenarbeitet. Am 10. September kooperiert das Nautic mit „Stars am Strand“ und richtet das große Konzert mit DJ Robin Schulz mit aus. Außerdem engagiert sich Lörke ehrenamtlich in der Aktivgruppe Timmendorfer Strand im Bereich Nachwuchsförderung.
Der Club, der Ort, der Mythos – all dem will Lörke im Verbund noch mehr Sichtbarkeit geben. „Wir bringen Timmendorf wieder auf die Landkarte“, sagt er. Ablage hin oder her.