Holzbau und Hausboote: Das sind die Pläne für das PierDrei-Hotel
Mitbegründer des Hamburger Miniatur Wunderlands stellt Konzept vor – Zielgruppe sind Familien – Eröffnung schon 2028?

Derzeit wird die Fläche direkt am Wasser mit Blick auf die Altstadtinsel auf der Nördlichen Wallhalbinsel für das zukünftige Hotel noch als Parkplatz genutzt.Foto: Lutz Roeßler
Lübeck. Dass eines der spannendsten Hotelprojekte Norddeutschlands ausgerechnet an die Trave kommt, ist kein Zufall, sondern eine echte Herzensangelegenheit. Sebastian Drechsler, Mitbegründer des Hamburger Touristenmagnets Miniatur Wunderland und Co-Founder des Erfolgshotels PierDrei in der Hafencity, brennt auch für die kleinere Hansestadt. „Ich habe eine große Verbundenheit zu Lübeck“, erzählt der 14 Jahre jüngere Halbbruder von Frederik und Gerrit Braun im LN-Interview. „Meine Frau kommt von hier, ihre Familie lebt hier, und wir haben einen großen Lübecker Freundeskreis. Dementsprechend bin ich regelmäßig in der Stadt.“ Durch diese Nähe kannte er die Entwicklungspläne für die Nördliche Wallhalbinsel längst, als sich ihm im Corona-Jahr 2020 eine einmalige Chance bot.

Wie das Wunderland-Hotel nach Lübeck kommt

Er erfuhr, dass dort ein Premium-Grundstück an einen Hamburger Immobilienentwickler vergeben worden war. „Ich empfand ab diesem Moment diese Fläche einfach als wunderschön. Schließlich kann man von dort direkt auf die Altstadtinsel schauen“, sagt er. Zudem habe er an das Entwicklungspotenzial des Areals geglaubt. Kurzerhand griff er zum Handy und rief den Lübecker Wallhalbinsel-Planer Jörg Sellerbeck an. „Der kam erst einmal ins Schwärmen, hat das Gesamtprojekt erklärt und mich natürlich sofort infiziert“, erinnert sich Drechsler. Der nächste Anruf ging an Achim Nagel, Geschäftsführer des Entwicklers Primus. Obwohl es dort bereits Gespräche mit anderen Interessenten gab, überzeugte der „Außenminister des Miniatur Wunderlands“ – wie er auch genannt wird – mit seinen Visionen sofort. „Es hat also gar nicht lange gedauert, bis wir alle gleichermaßen begeistert waren, an diesem Ort etwas Besonderes schaffen zu wollen. Seit sechs Jahren sind wir nun in der Planung“, bilanziert er. Mittlerweile sei das Vorhaben aber in Reichweite. Um zu verstehen, was in Lübeck entstehen soll, lohnt sich ein Blick in die Elbmetropole. Dort eröffnete im September 2019 das PierDrei am Sandtorkai.

212 Zimmer und ein
„Racker-Room“Ein Projekt von drei Hamburger Schwergewichten: dem Schmidts Tivoli, dem Hotel-Visionär Kai Hollmann und den drei Wunderland-Brüdern. Das Konzept? Ein lebendiger Ort, der Familien und Design verbindet. Das Hotel bietet 212 Zimmer, Wohnwagen-Camping auf dem Dach und einen „Racker-Room“, zu dem Erwachsene strikt keinen Zutritt haben. Während Kids im Tonstudio abhängen oder daddeln, genießen Eltern Kulinarik im Restaurant, gehen ins Haus-Kino oder besuchen die hauseigene Kultur-Hafenbühne. Die Idee entstand „aus Eigenbedarf“, weil die Gründer selbst gern in so einem Hotel einchecken würden, der Markt das aber nicht hergab. „Kinder und Jugendliche kommen in vielen Häusern zu kurz“, weiß Sebastian Drechsler. Für Lübeck gilt nun: Das Konzept kommt, aber es wird keinesfalls eine simple Kopie. Mit dem PierDrei HL wolle man ein kreatives, designorientiertes Familienprodukt erschaffen. „Sonst sind diese Designhotels meistens mit erhobener Nase und für erwachsene Alleinreisende konzipiert – Familien fallen hintenrum runter“, merkt er an. Gleichzeitig will man sich von klassischen, oft lauten Kinderhotels abgrenzen. „Wir haben für uns die Familie als integralen Bestandteil gesehen – wie so ein langer Tisch beim Italiener, wo alle zusammensitzen. Ein Familienhotel wird bei uns nicht mit Bällebad gleichgesetzt, sondern ist ein Ort, an dem man in der Gesamtheit einer Familie entspannt zusammenkommt.“ Statt stupider Muckibuden wird es kreative Sporträume geben, gefüllt mit neuester Technik und Freizeitspaß à la Miniatur Wunderland.Hausboote und eine
offene Tür für

alle Lübecker

„In Hamburg haben wir ein Hotel für Hamburger gemacht. Genauso werden wir ein Hotel für Lübecker machen. Es ist komplett offen und öffentlich“, verspricht Sebastian Drechsler. Das gesamte Erdgeschoss soll durchlässig werden mit einer Day-Bar, Gastronomie und einer „Bakery“. Und der Bezug zu Lübeck ziehe sich wie ein roter Faden durch die Planung. So wie es in Hamburg eine Camping-Area mit Wohnwagen zum Übernachten auf dem Dach gibt, will man hier die direkte Wasserlage nutzen. „Diese Lage schreit natürlich nach einem oder mehreren Hausbooten“, träumt Drechsler, auch wenn dies alles noch mit den Behörden geklärt werden müsse. Auch kulturell wünscht das Team, tief in die Stadt einzutauchen. Das kleine historische Waagenhäuschen und alte Eisenbahnwaggons sollen bespielt werden; Straßenmusiker könnten für Flair sorgen. Und Kooperationen mit Lübecker Institutionen wie dem Lübecker Grass-Haus sind auch geplant. Ende des Jahres soll der Bau in Holzmodulbauweise losgehen. „Bis auf die Betonschächte wird da kein Beton verbaut, und wir versuchen, insgesamt möglichst nachhaltige Stoffe einzusetzen“, betont Drechsler. Wenn die fertigen Holzboxen erst einmal geliefert würden, ginge es schnell. „Entsprechend hoffe ich, dass wir im Spätsommer 2028 die ersten Gäste begrüßen dürfen.“, . und MHO
Druckansicht