Eigentlich krabbelt die Fauchschabe im Dickicht des Regenwalds auf Madagaskar. Seit Neuestem ist die Schabe mit neun weiteren exotischen Insektenarten auch im Sea Life Timmendorfer Strand zu bestaunen. Zum 30. Geburtstag erweitert das Unterwasser-Erlebniszentrum seinen Regenwald-Bereich mit der neuen Ausstellung „Expedition Regenwald – Insekten hautnah!“.
Auf rund 40 Quadratmetern sind 40 Insekten in kleinen und großen Terrarien eingezogen, neben der Madagaskar-Fauchschabe auch Gespenstschrecken, Gottesanbeterinnen, der Kongo-Rosenkäfer oder die Riesenstabschrecke. Als Dresbach eine Gespenstschrecke auf Lasses Hand setzt, kichert der Achtjährige: „Das kitzelt.“ Dann wippt das an einen kleinen Stock erinnernde Insekt vor und zurück. „Die Gespenstschrecke simuliert, im Wind zu wehen, wie ein kleiner Ast“, erklärt Sea Life-Mitarbeiterin Katja Lukoschus.
„Das ganze Aquaristik-Personal und die Besucherbetreuer haben zuvor eine Schulung mit einem Fachmann gemacht, um sich auf die Insekten richtig vorzubereiten“, erklärt Sylvie Böhme. Sie ist die Kuratorin der Ausstellung, hat die Tiere ausgesucht. Rund vier Monate Planung stecken hinter dem neuen Regenwald-Bereich.
Dieser bilde nicht nur einen Kontinent ab, erzählt Gäste-Betreuer Henning Dresbach und zeigt auf die verschiedenen Terrarien: „Wir haben hier die Regenwälder der ganzen Welt abgebildet: Afrika, Südamerika, die Philippinen, Europa, Australien.“
Ist die Pflege der neuen nicht maritimen Sea-Life-Bewohner aufwendig? Da lacht Kuratorin Sylvie Böhme. „Das Aufwendigste wird sein, immer frische Brombeersträucher zu organisieren, das fressen die meisten Insekten am liebsten“, sagt die Kuratorin. Die Insekten seien echte Feinschmecker. Zum Glück hätten viele Mitarbeitende Zugang zu Gärten mit verwilderten Brombeersträuchern.
Bei den Kindern, die am Eröffnungstag das große Krabbeln hautnah erleben durften, kommt die neue Ausstellung gut an. „Ich find‘s supercool“, sagt Jonte. Er und sein Freund Hauke haben keine Angst vor den ungewöhnlichen Insekten, sagen sie – mit einer Ausnahme: „Vor der Fauchschabe hatte ich Respekt“, sagt Hauke. Künftig können alle Gäste die Insekten aus nächster Nähe erleben, „natürlich behutsam und achtsam“, betont Franziska Potrafsky aus dem Sea-Life-Team. Denn das Wohl der Tiere stehe an erster Stelle.
Der Ausstellungsbereich werde sich noch weiterentwickeln, verrät Henning Dresbach. Sein persönliches Lieblingstier werde zum Beispiel noch einziehen: die Blattschneider-Ameise. Auch über dem Tresen fehle bislang noch ein Zeltdach, „damit der Ausstellungsbereich an ein Ranger-Camp erinnert“.
Schon jetzt versetzt die Gestaltung die Besucher in Regenwald-Atmosphäre: Steinformationen, die an längst vergangene Hochkulturen erinnern, und Pflanzen, die sich an den Wänden entlangranken, lassen die Ausstellung lebendig wirken. Am Ende schneidet Generalmanager Andreas Schulz noch einen Kuchen an. Zur Feier der neuen Ausstellung – und zum 30. Geburtstag des Großaquariums, das jetzt auch Insekten beherbergt.