Diese Pappel retteteeinem Mann das Leben
Knapp 200 Jahre alter Baum in Niendorf wurde zum Naturdenkmal.

Die imposante kanadische Pappel in Niendorf ist mittlerweile zum Naturdenkmal ernannt worden.Fotos: Sven Wehde
Niendorf. Knorrig, voller Beulen, mit Pilzen besetzt, steht er an der Niendorfer Strandstraße Höhe der Abzweigung Paduaweg. Der riesige Stamm ist halb auf den Gehweg gewachsen, halb auf das Grundstück einer Arztpraxis. Einen Gartenzaun aus Metall konnte ihn nicht aufhalten, der Baum hat ihn umschlossen und sich einverleibt.

Ein kleines gelbes Schild verrät, dass der riesige Baum inzwischen ein Naturdenkmal ist. Das geht auf eine Initiative der Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Regine Maaß zurück. „Der Baum ist eine kanadische Pappel. Normalerweise werden die nicht unter Naturschutz gestellt. Er ist schon knapp 200 Jahre alt, für eine Pappel ein stolzes Alter“, erklärt Maaß. Das ist aber nicht das einzige, was den Baum so besonders macht. Der Baum hat als einer der wenigen die große Jahrtausendsturmflut von 1872 überlebt, die große Teile Niendorfs zerstört hat – und nicht nur das. „Es soll sich damals ein Mensch auf den Baum gerettet und so die Sturmflut überlebt haben“, berichtet Maaß. „Ich glaube, das war ein junger Mann.“ Überliefert wurde dies durch einen Nachkommen, der die Geschichte aufgeschrieben haben soll. Und auch die jüngere Geschichte des Baumes ist bewegt. Einen seiner letzten großen Äste verlor er in einem Sturm, ein anderer wurde durch einen Kran abgefahren. Die Zukunftsaussichten des historischen Baumes sind zudem nicht die besten. Theoretisch, schätzt Maaß, könnte er wohl 400 Jahre alt werden. Wahrscheinlich habe er aber nur noch rund 50 Jahre, weil durch die Straße der Boden sehr dicht und versiegelt sei. Der eingewachsene Zaun sei hingegen kein Problem. „Der ist eingewallt, das tut dem Baum nichts.“

Deshalb wünscht sich die Klimaschutzmanagerin auch, dass die Freifläche um den Stamm, die sogenannte Baumscheibe, auf die Straße hinaus vergrößert wird. Der Baum würde dann zugleich zur Verkehrsberuhigung auf der Strandstraße beitragen. Maaß: „Das funktioniert so ähnlich wie die Blumenkästen, die man manchmal auf den Straßen sieht. Autofahrer können dann nur im Zickzack und nicht schneller als 30 Stundenkilometer fahren.“

Fußgänger könnten dann über die Freifläche gehen, die Straßenseite wechseln oder einfach die Promenade nutzen – und der Baum hätte mehr Platz und womöglich ein noch längeres Leben. swe

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