Sierksdorf bekommtseinen Strand wieder zurück
Sand kommt aus der Ostsee vor Kühlungsborn – Aufspülung kostet drei Millionen Euro.

In Sierksdorf wird Sand aufgespült und verteilt. Die Arbeiten laufen rund um die Uhr.Foto: Sebastian Rosenkötter
Sierksdorf. Trecker mit Anhängern fahren vor. Auf den Ladeflächen befindet sich Sand. Ein Kettenfahrzeug rollt heran. Der gelbe Kraftprotz verteilt das kostbare Gut. Schicht für Schicht wächst der Strand von Sierksdorf. Carsten Bruhn (FWV) beobachtet das Treiben aus sicherem Abstand. Der Bürgermeister der kleinen Ostseegemeinde an der Lübecker Bucht hat lange auf diesen Moment warten müssen.

Eine der schwersten Sturmfluten der vergangenen Jahre hatte im Oktober 2023 Unmengen Sand fortgespült. Teilweise wurden bis zu zwei Meter Grund abgetragen. In einigen Abschnitten des rund fünf Kilometer langen Strands gab es seitdem fast nur noch Steine. Der Zustand sorgte sowohl bei Einheimischen als auch bei Urlaubsgästen für Unmut. „Viele Menschen hier leben vom Tourismus, wir benötigen einen Strand“, sagt Bruhn.

Doch statt den entstandenen Schaden umgehend zu beseitigen, verging viel Zeit. Fast zweieinhalb Jahre wurde geplant, diskutiert, um Fördermittel gekämpft und auf Genehmigungen gewartet. „Das alles war sehr anstrengend“, sagt der Bürgermeister.

Ärgerlich ist aus Sicht von Bruhn auch der Umstand, dass die Gemeinde für 100.000 Euro Ökopunkte erwerben musste. Sie sind eine Art Währung für den Naturschutz und sollen sicherstellen, dass an anderer Stelle etwas für die Umwelt getan wird, während ein Eingriff erfolgt. „Das ist schwer verständlich, da wir nur den Zustand vor der Sturmflut wiederherstellen“, betont Carsten Bruhn.

Zwei Ladungen

Sand pro Tag

Während andere Gemeinden wie Grömitz den Sand direkt vor dem eigenen Strand aus der Ostsee holen durften, muss Sierksdorf ihn aufwendig und kostenintensiv per Schiff anliefern lassen. „Jeden Tag kommen zwei Ladungen zu uns. Sie werden durch ein Rohr an Land gespült und dann verteilt“, führt der Bürgermeister aus.

Eines der Schiffe heißt „Ask R“. Es gehört der dänischen Firma Rohde Nielsen und kann rund 2700 Kubikmeter Sand aus einer Tiefe von bis zu 52 Metern aufnehmen.

Seit Wochenbeginn pendelt die 85,40 Meter lange „Ask R“ zwischen Sierksdorf und Kühlungsborn. Dort – vor Mecklenburg-Vorpommerns Küste – gibt es ein großes Sandfeld am Meeresgrund. Von eben diesem stammt auch der Sand, den Femern A/S für den Bau eines Arbeitshafens für die feste Fehmarnbeltquerung genutzt hat.

Der neue Sand hat bereits die typische Strandfarbe und riecht kaum. Er ist lediglich noch etwas zu nass. Deswegen wurde an dem Punkt, wo der Sand angespült wird, ein Wall errichtet. Dieser ermöglicht, dass die Feuchtigkeit versickert und der Sand nicht wieder zurück in die Ostsee geschwemmt wird.

Carsten Bruhn geht davon aus, dass es noch gut eine Woche dauern wird, bis der Strand fertig ist. Damit dies gelingt, seien Bagger, Kettenfahrzeuge und auch Trecker rund um die Uhr im Einsatz.

„Der ganze Strand wurde vorab vermessen. Die Verteilung ist lasergesteuert“, sagt Bruhn. Sprich: Die eingesetzten Fahrzeuge sowie die Mitarbeitenden wissen ganz genau, wo wie viel Sand hin soll. So können sie Schicht für Schicht den neuen Strand auftragen. „Das führt dazu, dass der Strand schnell belastbar und fest ist“, sagt Carsten Bruhn. Der Bürgermeister hofft, dass der neue Sand möglichst lange bleibt und es zeitnah keine Sturmflut gibt. „Wir können uns das nicht alle paar Jahre leisten und müssen neue Wege finden, wie wir damit umgehen“, sagt er. Kein Wunder: Die Aufspülung kostet rund drei Millionen Euro. Davon übernimmt das Land zehn Prozent. Den Rest muss die Gemeinde stemmen. Ein Kraftakt. und ER
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